Martinez – Hoeness und die Bayern wollen zeigen, dass sie auch teuer können

Immer dann, wenn es nicht so lief, wie Hoeness es wollte, hat er darauf verwiesen, wie prall gefüllt das Festgeldkonto der Bayern wäre. Das war natürlich als Drohung zu verstehen – spielt ihr schlechter, rühre ich es nicht an. Meistens reichte es, zu verkünden, wie reich die Münchener wären, denn niemand wagte es, den Titel zweimal hintereinander zu holen. Nur der BVB ließ sich nicht einschüchtern bzw. nahm den ehemaligen Manager der Roten nicht sonderlich ernst. Hätten Klopp und Co. sich so ins Zeug gelegt, wenn sie geahnt hätten, dass der Schwabe wirklich willens ist, sein Konto halbleer zu räumen? Aber immer.

Heute hat er der Warnung, die, da er diese gebetsartig wiederholte, abgenudelter nicht hätte sein können, Taten folgen lassen – wenigstens lässt dies das Papier, was die Bayern nachmittags dem spanischen Verband überreicht haben, vermuten. Da aber – geschieht nicht noch ein Wunder, sprich Gladbach erzielt drei Tore in Kiew, ohne selbst eines zu kassieren – der FC Bayern genau mit 15 Prozent der Summe, die sowohl in Worten als auch als Zahl auf dem Scheck steht, den Bilbao bekommt, als zusätzlicher Einnahme (ohne eigenes Zutun) rechnen kann, relativiert sich die Ausgabe. Hinzu kommt, dass Martinez, den die Bayern heute für 40 Millionen verpflichtet haben, beabsichtigt, jährlich auf 2 Millionen Gehalt zu verzichten, was bei einer Vertragslaufzeit von 5 Jahren 10 Millionen macht.

Nichtsdestoweniger wird er in der Wiki-Rangliste der teuersten Transfers mit dem Betrag, der auf dem Scheck zu finden ist, geführt. Die Frage ist, ob Hoeness stolz sein kann, dass der Name seines Verein dort, wenngleich nur an 27. Stelle, auftaucht. Zwar hat Hoeness gezeigt, dass die Münchener einiges auf der hohen Kante liegen haben, jedoch werden sich etliche fragen, was ihn veranlasst haben könnte, so in die Vollen zu gehen. Ist Sammer bereits der große Zampano bei den Bayern? Der stammt aus Elbflorenz, und da es heißt, „in Chemnitz wird gearbeitet, in Sachsen gehandelt und in Dresden geprasst“, könnte einiges dafür sprechen, dass der Sachse darauf drängte, doch das Ersparte endlich auszugeben. Hätten sich die Bayern mal lieber vor dessen Verpflichtung informiert, wie die Dresdner ticken. Nerlinger wird sich jedenfalls darüber ärgern, dass man ihm nicht erlaubt hat, so großzügig einkaufen zu gehen. Aber Hoeness ist ein alter Hase, der lässt sich nicht so schnell die Butter vom Brot nehmen.

Zweifel bleiben trotzdem. Warum 40 Millionen für einen defensiven Mittelfeldspieler? Wenn ich richtig geschaut habe, ist Martinez damit der teuerste Abräumer aller Zeiten. Vor 9 Jahren noch hat Real Makalele, der Mann, der Zidane den Rücken freihielt, wegen zu hoher Gehaltsforderungen nach Chelsea ziehen lassen (was der Verein nur wenig später bitter bereute). Für jemanden, der weit weniger Meriten als der Franzose aufzuweisen hat (er hat gerade mal 8 Länderspiele für Spanien gemacht), preschen die Bayern in eine Region vor, die bisher nur Stürmern und offensiven Mittelfeldspielern vorbehalten war.

Zudem werden sich viele Vereine daran stören, dass die Bayern darauf eingegangen sind, den Betrag, den Athletic in den Vertrag hat schreiben lassen, zu löhnen. Bisher gelang es den Vereinen immer, die exorbitanten Summen, die spanische Vereine als Ablöse vertraglich festlegen, deutlich zu unterbieten. Bilbao ließ sich aber nicht beirren. Sie bestanden darauf, 40 Millionen zu erhalten. Vielen Vereinen kann das nicht gefallen. Für alle, die die Bayern nicht mögen, hat die Verpflichtung ein Gutes – Hoeness kann ab heute nicht mehr sagen, wie sparsam und bescheiden seine Bayern doch im Vergleich zu den südeuropäischen Klubs, die angeblich nur so mit dem Geld um sich werfen würden, sei. Die Zeiten sind nun vorbei.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.