Ludwig XIV. hätte Robbie wohl nicht eingeladen

Glauben die Leute wirklich, Robbie Williams sei der Star der Eröffnungsfeier der WM gewesen? Als ich diese mir anschaute, hatte ich eine Stinkwut, da die Person, die über die Bildregie wachte, die Meinung zu haben schien, Robbie sei der wichtigste Mann auf dem Platz. Später stellte sich dann heraus, dass fast alle die Einschätzung des Bildregisseurs teilten – alle schrieben über ihn und dessen Stinkefinger, niemand über die Choreographie, die weitaus spektakulärer und beeindruckender als dessen Gesangskünste war. Dabei hatten doch die Russen für die erste popkulturelle Präsentation der Nationen gesorgt – man ließ weibliche Puppen in den Farben der Fahnen der teilnehmenden Länder auf einen überdimensionalen Fußball, den man zerschnitten hatte, um so allen Platz zu verschaffen, einmarschieren. Bunter ging es wirklich nicht, was auch daran lag, dass die Choreographen sich von der Mode der Azteken, das gilt speziell für deren Kopfschmuck, haben inspirieren lassen. Um nicht zu punkig daherzukommen, hat man die Puppen in Röcke ähnlich jenen, die Primaballerinas bei ihren Auftritten zu tragen pflegen, gesteckt. Ludwig XIV. hätte seiner helle Freude an der Show gehabt. Als Spezialist für Inszenierungen dieser Art wäre er jedoch nie auf die Idee gekommen, Robbie einzuladen. Mut zum Tonband wäre angesichts des Ideenreichtums der Designer angesagt gewesen. Seit Donnerstag weiß die Welt, dass die Russen auch Popkultur können. Dass sie die Klassik nicht verlernt haben, zeigten sie tags zuvor, als sie mit ihrem Pendant zu den 3 Tenören – kaum vorstellbar, aber vor 28 Jahren saßen 1 Milliarde Menschen vor den Fernsehern, um sich deren Konzert, das am Abend vor dem Endspiel stattfand, anzuschauen – die WM unter dem Label „Hochkultur“ inoffiziell eröffneten. Ganz so viele werden nicht geschaut haben (im Nachhinein stellt sich wirklich die Frage, ob die meisten nur wegen Pavarotti das Konzert verfolgten), aber immerhin ist einer aus dem Trio (Domingo) aufgetreten, das sogar mehrmals und, anders als Netrebko, die, wie sich am Mittwoch wieder zeigte, nicht unbedingt zu singen braucht, um im Mittelpunkt zu stehen, nie sein Metier verlassend. Höhepunkt war jedoch ein 8-jähriges Wunderkind, der sowohl von seinem Können als auch von seiner Art, sich zu geben, sehr dem Mozart, den wir aus dem Film kennen, ähnelt. Fußball gespielt wurde inzwischen auch schon, und das für den Zuschauer auf recht unterhaltsame Weise. Wegen mir das es so weitergehen. Eine, die das Ereignis immer nutzte, um sich ins rechte Licht zu rücken, könnte während der Zeit, in der ihre Beliebtheitswerte noch oben schnellten, ihr Fiasko erleben – niemand kann sagen, ob Merkel am Ende der Gruppenphase noch im Amt sein wird. Ein Supergau – Merkel weg, Löw ausgeschieden – ist nicht unwahrscheinlich. Robbie kann sich da nur zurücklehnen. Vermutlich hat er sich schon damit abgefunden, dass er keine Stadien mehr wird füllen können.

PS: Spiegelonline scheint die WM zu nutzen, um in puncto oberlehrerhafte Berichterstattung mit Überschriften wie „So wird Spanien nicht Weltmeister“ neue Maßstäbe zu setzen. Belehrender geht es wirklich nicht. Bin gespannt, ob sie das durchhalten.

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