Das wichtigste Utensil, um sich so zu fühlen, als sei man bei einer Show Kulis, hatten vermutlich nicht mal jene, die in verglasten Kabinen, die bei Sportereignissen Journalisten beherbergen, gesessen haben – einen bequemen Fernsehsessel, der unbedingt von Nöten war, um dessen Sendungen bis zum Ende verfolgen zu können. Den konnte Kraftwerk bzw. der Veranstalter natürlich nicht bieten. Ansonsten war alles höchstes Kuli-Niveau. Alleine schon dass es pünktlich losging war eine Meisterleistung der Organisation – eine Viertelstunde vor Beginn, als der Blog reingelassen wurde, standen draußen noch etliche hundert Leute langen Schlangen. Kraftwerk legte, so wie in Dresden, trotzdem pünktlich wie die Maurer los. Im Gegensatz zu denen taten sie etwas, was Maurern nie passieren würde, nämlich die Arbeitszeit zu überziehen. 2 Stunde ohne Pause wurde musiziert, danach gab es eine lange Zugabe – das ist so lang, dass man sich nicht die Mühe zu machen braucht, im Internet zu schauen, wie lange Kulis Sendungen dauerten. Es ist einfach dessen Level, auch wenn der Reporter der Volkszeitung meint, niemand wisse, was die 4 Musiker auf der Bühne machen würden. Angesichts der tollen Stimmung ist es so gut wie ausgeschlossen, dass die Zuschauer an deren Performance zweifelten. (Zur Wendezeit im Haus Auensee ging es auf der Bühne wesentlich lebendiger zu.) Aber auch wenn sie nichts täten, wären deren Leistung bemerkenswert. Der Gründer der Gruppe ist immerhin schon 78. Da auch etliche seiner Generation unter den Zuschauern waren (wenngleich nicht so fit wie Hütter), haben die jungen Aufmüpfigen allen Grund, anzunehmen, wegen der vielen Alten, für die sie die Rente verdienen dürfen, nicht so alt zu werden. Musikalisch war es sowieso eine Zeitreise in die Glanzzeiten Kulis. Optisch zum Glück auch. Nicht wegen der vermeintlich heilen Zeiten, die ein Ostler nicht kennt. Sondern weil die Bilder einem vertraut vorkommen.
Nun hat man es doch geschafft, sich des russischen Vermögens zu bemächtigen. Angesichts der Logik des Kriegs, die besagt, dass jeder Schlag vergolten wird, ist höchst zweifelhaft, dass die Freude über die Einigung von Dauer sein wird. Die Russen werden sich etwas einfallen lassen. Die Antwort auf den jüngsten Angriff eines Tankers (am Mittwoch) folgte heute – es bedurfte keine Iskander- oder gar Hyperschallrakete, um ein RoRo-Schiff, auf dem Lastwagen, die Generatoren geladen haben, in Brand zu schießen. Eine Drohne, die man mit einem Gewehr hätte abschießen können, hat genügt.