In wenigen Minuten zum letzten Mal

Nach mehr als 6 Jahren Safari, auf der den Großwildjägern das Jagdglück, von einer Ausnahme mal abgesehen, immer hold gewesen ist, scheint nun der Zeitpunkt gekommen zu sein, die Jagd für beendet zu erklären. Um mit der begehrtesten und prestigeträchtigsten Trophäe aufwarten zu können, hätten sie noch vier Jahre weitermachen müssen. Barwasser und Priol, der „Mutti“ am unerbittlichsten und hartnäckigsten nachstellte, haben spätestens im Juni, als sie erklärten, Anfang Oktober ihren letzten „Anstalt“-Funk ausstrahlen zu wollen, erkannt, dass es keinen Sinn macht, „Mutti“ zu jagen – zu viele gewährten „Mutti“ Unterschlupf. Es war schier unmöglich, sie aufzuspüren. Seit der Wahl ist es nicht unbedingt leichter für sie geworden. Was nützt eine Jagd, wenn das wichtigste Objekt sich unsichtbar gemacht hat? Während Ahab wenigsten noch Moby Dick aufspüren konnte, ist „Mutti“ für beide immer unsichtbar geblieben. So eine Art Gespenst von Canterville. Sie haben sie nicht zu packen gekriegt. Dabei lachten die Zuschauer über Priols Merkel Gags am lautesten und ausgelassensten. Wer die Anstalt gesehen hat, muss der Überzeugung gewesen sein, Merkel sei die unbeliebteste Politikerin Deutschlands. Nicht einmal das Überspringen der 5 % Hürde habe ich ihr nach jedem Ende der Sendung mehr zugetraut.

Es kam völlig anders. Und da Merkel so überzeugend gewonnen hat, stellt sich die Frage, ob es Sinn macht, weitere vier Jahre ihr in jeder Sendung nachzuäffen, wie es Priol zu tun pflegte. Das mag seine Berechtigung haben, in der Zukunft vermutlich sogar noch mehr als je zuvor. Sicherlich hätte Piol die Lacher weiterhin auf seiner Seite gehabt. Aber irgendwie hätte das einen schalen Beigeschmack gehabt – zu viel Klamauk, zu albern. Und die Leute mögen es nicht, wenn jemand durch den Kakao gezogen wird, den sie gewählt, weil er/sie ihnen Wohlstand verspricht. Viele empfinden das als persönliche Beleidigung. Je mehr Kritik auf diese Person herunter prasselt, desto treuer fühlen sie sich mit ihr verbunden. Merkel muss schon richtig Mist bauen, damit sich das ändern.

Darum glaube ich, dass es klug von den beiden ist, auf dem Höhepunkt ihres Schaffens aufzuhören. Sie hätten dem Programm keine neue Wendung geben können. Alles wäre wie bisher weitergelaufen. (Das soll keine Kritik.) Barwasser hätte ich in einer neuen Anstalt gerne weitergesehen. Ehrlich gesagt weiß ich nicht, was ich von den Nachfolgern halten soll – ist Uthoff nicht zu unnahbar und „arrogant“ für die Rolle des Gastgebers? Ich glaube, ich vermisse Priol jetzt schon. (Hoffentlich gibt Uthoff nicht den arroganten Rechtsanwalt, der über alles informiert ist und sich geschliffen auszudrücken pflegt. Darin wirkt er nicht sehr sympathisch.)

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