Goldene Briefkästen für den Nationalstolz

Darauf können nur die Briten kommen: Royal Mail peppt in den Städten, in denen Goldmedaillengewinner wohnen, die Briefkästen auf – statt rot sind diese nun gülden, was ich, als ich die Schlagzeile las, für keine gute Idee gehalten habe. Hat die PR-Abteilung der britischen Post vergessen, auf welch grausame Weise ein Bondgirl ermordet wurde?

Mein Lieblingsschurke (Gert Fröbe) hat es getan. Zu meiner Schande habe ich die Szene ins berühmte Hongkonger Peninsula-Hotel verlegt, wo auch ein Bond, in dem Gold eine wichtige Rolle spielt, gedreht wurde. Nicht dass das Hotel, wo die Frau, weil sie ganz mit dem Material bestrichen war, umkam (muss in Miami spielen), eine Absteige gewesen ist. Da ich aber Orte, die Tradition haben, besonders mag, habe ich – auch auf den Einwand hin, dass Fröbe fürs „Pen“ zu exotisch gewesen wäre (das können nicht viele von sich behaupten) – größtes Verständnis für mich selbst (für Fans ist das ein nicht wiedergutzumachender Fauxpas).

Was machen nun jene, die in diesen Städten wohnen und immer dann, wenn sie an einem Briefkasten vorbeikommen, an die unglückliche Frau denken müssen? Nun, ich bin froh, Entwarnung geben zu können. Wenn ich es richtig verstanden habe, ist nur einer pro Ort gülden. Deutsche Touristen brauchen also nicht zu fürchten, Alpträume zu erleiden. Und bei einem pro Stadt besteht auch nicht die Gefahr, vom Neid zerfressen zu werden. Das reicht vollkommen, denn die roten Kästen sind viel schöner (29 Medaillen können das nicht ändern). Nicht ohne Grund hatte sich die ARD entschlossen, einen in ihr Olympiastudio zu stellen.

Hier wäre, selbst wenn die Deutschen jene 28 Goldmedaillen, die eingeplant waren, geholt hätten, niemand auf den Gedanken gekommen, die Briefkästen aufzumotzen – im Gegensatz zu Großbritannien stehen diese meist dort, wo sie niemand findet, Ortsunkundige bzw. Touristen darum unablässig nach einem gelben Behälter Ausschau halten müssen. Unter diesen Gegebenheiten haben es selbst Adler leichter, Beute zu finden. Touristen, die nur für ein paar Stunden in Halle sind, haben so gar keine Chance, eine Karte abzuschicken. Ihnen bleibt nichts weiter übrig, als zu fragen, wo sich einer befinden könnte. Die Krux ist, dass mit einem deutschen Briefkasten – ich habe zwar einen schnieken auf einem Flyer – nicht viel Staat zu machen ist. Denn kann man nicht mitten auf den Markt stellen, während die wuchtigen Guss-Zylinder überall, sei es beispielsweise in Versailles, auf dem Roten Platz oder vor dem Weißen Haus, eine gute Figur machen.

Selbst auf den Everest würde er passen. (Sollte der Ansturm auf den Everest weiter anhalten, könnte es durchaus Sinn machen, einen auf dem Gipfel aufzustellen. Die Royal Mail hätte sicherlich nichts dagegen. Ein später Triumph für die ehemalige Kolonialmacht, denn Nepal war immer unabhängig.) Vermutlich könnte er dort oben auch ein paar Winter überstehen. Das Einschneien wäre wohl das größte Problem. Deutschland Kästen können weder in puncto Robustheit, Schönheit und Sichtbarkeit mithalten (meiner ist auch nur schön – frei nach Wenger, der auf die Frage, ob Ferguson mit seiner Behauptung, er habe das stärkste Team, recht habe, antwortete, jeder Mann glaube, die schönste Frau zu haben.) Hier gibt es Nachholbedarf.

Wie finden Sie die Hitler-Figur? Angeblich soll der Arm immer hochgehen, wenn der Ball ins Loch geht. Mir ist er einfach zu sexy (handsome würde der Engländer sagen). Ihn als Beau zu zeigen, hat sich wohl noch niemand getraut. Und dann der braune Ledermantel. Ich glaube, der hat nie einen braunen getragen. Gut, dass sich das Bild am Montag revidieren lässt. ARTE zeigt dann nämlich „Sein oder Nichtsein“.

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