„Freeze in the conflict“ – ob sich darauf die Russen einlassen?

„Freeze in the conflict“ – wer etwas einfriert, der hat meistens die Absicht, es irgendwann wieder aufzutauen, was bei fast allen Sachen, die man in den Tiefkühlschrank packt, Sinn macht, außer man ist ein Mafiosi, der als Beweis für seine gute Arbeit Finger von Leuten, die nicht zahlen wollten, im Schrank aufbewahrt. Louis de Funes hat sich selbst dieser Prozedur unterzogen, was ganz lustig anzuschauen war – weil er Jahrzehnte im Eis gelegen hat, waren die Psychologen der Meinung, man dürfe ihn nicht mit der neuen Welt konfrontieren, so dass ihm Fernsehen, Radio etc. vorenthalten wurden. Wenn Konflikte „auftauen“, dann sind alle, die daran involviert sind, mehr oder weniger auf dem neuesten Stand. Wer „Freeze in the conflict“ fordert, von dem darf man annehmen, dass er insgeheim darauf hofft, ihn später doch noch gewinnen zu können. Sollten Tusk samt seiner europäischen Kollegen Politiker Aserbaidschan, das sich Bergkarabach zurückholte, im Hinterkopf haben, rückt ein Vertrag, in dem Russland und die Ukraine sich einigen, in weite Ferne. Dem Blog fällt es nicht schwer, sich vorzustellen, dass man in Europa weiterhin darauf hofft, Russlands Wirtschaft könnte zusammenbrechen. Oder Russland sich über die Nachfolge Putins zerstreiten könnte. Anders als die Russen, die die Dinge nüchterner und pragmatischer betrachten, hat der Blog bzgl. der hiesigen Eliten das Gefühl, dass die es schaffen würden, sich zu Tode zu siegen, was der augenblickliche Situation – die Ukrainer ist fast überall auf dem Rückzug – nicht widerspricht, geht man hierzulande davon aus, dass Putin vorhatte, die gesamte Ukraine zu erobern (oder wenigstens den Teil bis zum Dnjepr). Schenkt man dem glauben, hätte Selenskyj einen großen Sieg errungen, den er nun aufs Spiel setzt. (Wie dem auch sei – dank des Angriffs aus dem Norden haben die Russen es de facto geschafft, die Krim, um die es eigentlich geht, aus dem Krieg zu halten, was an sich schon eine beachtliche Leistung ist.) Bestes Beispiel für einen Staat, der nicht weiß, wann er aufhören muss, ist Israel – ein Land im Wahn, woran der Westen nicht ganz unschuldig ist, denn bis jetzt ist deren Handeln bestärkt worden. Niemand hat sich getraut, gegen deren kollektiven Wahn, wegen der Hamas bzw. den Geiseln sei jedes Mittel gerechtfertigt, anzugehen. Mearsheimer meint, das Ziel war, die Palästinenser verhungern zu lassen. Nimmt man das zum Maßstab, sind die Maßnahmen, die Merz heute angekündigt hat, eher harmlos.

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