Ein Zombie regiert das Vereinigte Königreich

Wenn es für Hollywood nicht zum Zombie reicht – Boris ist bspw. zu dick und zu stämmig, um nur eine Sekunde auf der Leinwand einen verkörpern zu können –, dann besteht, wie wir seit dieser Woche wissen, für jemanden, der unbedingt einer sein möchte, die Chance, das in der Politik zu tun, vorausgesetzt, er findet etwas, das ihn zum Zombie macht. Das ist aber nicht so einfach, wie man glaubt, denn es bedarf schon eines Ereignisses von der Kraft eines Schwarzen Lochs, um jemanden in einen Status zu versetzen, der ihn für eine gewisse Zeit unangreifbar macht. Ein richtig guter Zombie hat ja das ewige Leben, auch wenn er, wie wir aus Filmen wissen, meistens den Eindruck vermittelt, er könnte jede Sekunde für immer tot umfallen. So wie eben Boris, der in normalen Zeiten nach mehreren Niederlagen am Stück, ich glaube, es waren vier, eigentlich am Freitag hätte zurücktreten müssen, das jedoch wegen des Brexits nicht zu tun brauchte, denn dank diesem darf er einen Zombie-Status, den er sich klammheimlich ganz wider seine Natur erschlichen hat, genießen. Nun ist er lahmer als eine „lame duck“, was aber nicht weiter schlimm für ihn ist, da Zombies es egal sein kann, was um ihnen herum passiert. Boris bleibt praktisch immer im Rennen, egal, wie sich die Dinge entwickeln. Nichts kann ihn aus der Bahn werfen. Während man sich Frankenstein noch mit einer Knoblauchkette und/oder einem kleinen Kruzifix vom Halse halten kann, ist man gegen Boris nahezu chancenlos. (Sage noch einer was gegen Söder und seine Kreuze in Schulen und Ämtern). Ein so ausgekochter Zombie wie er ist nur mit subtilen Mitteln zu bezwingen. Da ist Kreativität gefragt. Die hat die Opposition zweifellos. Die Frage ist nur, ob sie den Willen hat, sich von dieser leiten zu lassen. Boris wäre kein Zombie geworden, hätte das Parlament Mays Abkommen mit der EU unter der Bedingung angenommen, das Volk in einem Referendum darüber abstimmen zu lassen. Corbyn und Labour hatten dafür zu spät geworben bzw. sich nur widerwillig dafür eingesetzt. Ein schwerer Fehler, von dem nur einer profitierte, nämlich Boris. Nun ist es viel schwieriger, den Brexit zu verhindern bzw. die Diskussion um ihn endgültig zu beenden. Aber vielleicht hilft Boris weiter – sollte er Corbyn aus taktischen Gründen erlauben, eine Regierung zu bilden (um als lupenreiner Brexiteer dazustehen, der als Premier abtritt und so es Corbyn überlässt, die EU um eine Verlängerung der Mitgliedschaft zu bitten), könnte dieser Mays Abkommen im Parlament durchwinken und das Volk darüber abstimmen lassen. Danach sieht es aber nicht aus. Boris darf seine Zombie-Rolle weiter genießen. Wenn sie nicht gestorben sind, dann diskutieren sie über den Brexit immer noch. Und ein Zombie stirbt nie.

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