Ein Tabu zu brechen ist oft nicht verkehrt

Während vor einem halben Jahr die Grünen als Umweltaktivisten galten, müssen sie nun, kaum dass sie an der Macht sind, fürchten, dass die Geschichte es nicht gut mit ihnen meinen könnte – sollten sie es nicht schaffen, dass eine oder Tabu zu brechen, laufen sie Gefahr, als ökologische Dogmatiker, die stur an ihren Prinzipien festhalten, entscheidend zur Klimaerwärmung beizutragen. Das ist leicht gesagt als getan, zumal wenn ein Tabu mehr als nur ein Verbot, das man, je nachdem, wie wichtig es einem ist, auch mal brechen kann (für den Blog ist es bspw. kein Tabu, bei Rot über die Straße zu gehen, was er mit dem Auto natürlich nicht machen würde), ist – ein Bruch käme für viele grüne Ultras dem Abriss ihres Hauptpfeilers, ohne den die Partei nie so erfolgreich geworden wäre, gleich. Aber auch die älteste Stütze muss mal saniert werden. (Ein Abstecher nach Venedig zeigt, wie genial unsere Vorfahren waren, denn entgehen der Annahme, die Häuser würden ausnahmslos nur auf Holzpfählen stehen, wird nur die den Kanälen zugewandte Seite von ihnen abgestützt. Für die Seiten, die nach hinten ragen, hat man die Mauern in den Sandboden gesetzt.) Lange Rede, kurzer Sinn – angesichts Rekordemissionen von CO2 sowie hohe Energiepreise, die lt. IAE in den nächsten 3 Jahren noch stärker steigen sollten, täten die Grünen gut daran, vorübergehend wieder die Kernenergie zu aktivieren. Man braucht nur mit der Maus über die wunderschöne Tabelle, die smard.de anbietet, zu fahren, um festzustellen, dass wir noch lange mit fossiler Energie leben müssen. Wegen der Abschaltung der noch produzierenden Kernkraftwerke am Ende des Jahres könnte deren Anteil ab 2023 sogar noch höher ausfallen. Es ist schon ein Unding, dass hierzulande Kraftwerke abgeschaltet werden, die störungsfrei funktionieren (anders als in Frankreich, wo sich die Probleme zu häufen scheinen). Dem Blog ist jedenfalls nicht bekannt, dass ein Kraftwerk Kummer bereitet hätte. Sollte die Ampel durchhalten, sähen sich die Grünen im Wahlkampf angesichts des Energiemixes sicherlich mit dem Vorwurf konfrontiert, dass unter ihrer Amtszeit der Ausstoß an CO2 gestiegen sei. Da braucht es schon gute Argumente, diesen zu entkräften. Baerbock bietet sich kommende Woche die Chance, gegenzusteuern, und das sogar an einem Ort, der passender nicht sein könnte – in Moskau könnte sie während der Pressekonferenz mit Lawrov verkünden, dass sie sich dafür einsetzen werde, Nordstream 2 mittels einer vorläufigen Genehmigung in Betrieb gehen zu lassen. Da es immer heißt, die Russen könnten ohne Weiteres viel mehr liefern (was auch der Chef der IAE meint), wäre das cleverer Schachzug, festzustellen, ob den Gazprom wirklich an hohen Gaspreisen interessiert ist. Der Blog glaubt nicht. Die Russen wollen langfristige Verträge – je länger, desto besser.

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