Die Arroganz der Macht lässt sich nicht so einfach ablegen

Wenn Obama schon einmal auf Kuba, über das gesagt wird, dort sei die Zeit stehengeblieben, ist, hätte ich ihm gewünscht, er wäre am Ende der Pressekonferenz, die er mit Castro gab, auf Adele Sandrock getroffen – angesichts dessen Abgangs hätte sich es sicherlich nicht verkneifen können, ihm ein „Sie Flegel!“ an den Kopf zu donnern. Was war passiert? Lt. Spiegelonline war Obama nicht bereit, dem Wunsch des Gastgebers (der zudem noch viel älter als er ist), auf dessen Seite den Saal zu verlassen, zu folgen. Nach einigem Hickhack gab Castro nach. Obama hat seinen Kopf durchgesetzt. Nebenei hat er ihn noch mit dem Ziel vorgeführt, seinen Landsleuten aufzuzeigen,
wer das Sagen hat. Besonders klug war es nicht, aber wenigstens wissen die Castros nun, woran sie sind. Wenn sie sich überhaupt der Illusion hingegeben haben, wenigstens formell von Obama als gleichberechtigter Partner anerkannt zu werden. Als ich dessen Ankunft im Netz verfolgt habe, sind mir einige Zweifel gekommen. Der Empfang hat darauf deuten lassen, statt eines Staatsbesuchs müsse es sich um Privatreise handeln, denn zu sehen war nur seine Familie. Hat der Präsident seine Air Force One etwas ganz für sich? Merkel nimmt wenigstens noch ein paar Wirtschaftsleute mit. Der Präsident reist alleine, so wie es Strauß zu tun pflegte. Obamas Stippvisite ähnelt sehr dessen Besuch in der DDR. Nur hat Strauß die Obrigkeit nicht brüskiert, was nicht heißt, dass er sich nicht um die Belange der Leute, die er getroffen hat, gekümmert hätte (die Szene, in der er von einen Ausreisewilligen angesprochen wird, kennt wohl jeder). Damals haben die wenigsten sich vorstellen können, dass die DDR einmal recht sang- und klanglos zusammenbrechen würde. Dagegen haben die Obamas den Eindruck vermittelt, sie wären hauptsächlich wegen „Museumsinsel“ gekommen, die in wenigen Jahren wegen amerikanischer Investoren nicht mehr existieren könnte. Vermutlich muss man dann in die entlegensten Winkel des Lande fahren, um zu erfahren, wie es früher hier ausgesehen hat. Angesichts des lauen Empfang war schon am Sonntagabend klar, dass der spannende Teil des Annäherungsprozess nach dessen Abreise, also heute, beginnt. Ob den Castros das Kunststück, das Land zu modernisieren, ohne jene Dinge, auf die sie stolz sind, aufgeben zu müssen, gelingt, ist schwer abzuschätzen. Dabei ist keinesfalls sicher, dass die Amerikaner sich die lukrativsten Aufträge schnappen, womöglich es sogar noch schaffen, alle Häuser der Altstadt Havannas aufzukaufen. Womöglich will Kuba das Ende der Einschränkungen nur, um Konzerne, die nicht in den Staaten ansässig sind, zu bewegen, dort zu investieren. Dank der Aufhebung können sich deren Rechtsabteilungen ersparen, zu ergründen, ob ein Engagement auf der Insel ihnen Nachteile in Amerika bringen könnte. Ausgerechnet beim Besuch Obamas haben die Russen zugeschlagen – sie dürfen 3 Kraftwerke liefern.

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