Der Städtekrieg ist ein totales Desaster,

auch wenn Kiew den Einheiten der AFU in Lyssytschansk nicht den Befehl gegeben hat, die Stadt unter allen Umständen zu halten. Das aber viel zu spät, denn statt sich zurückziehen, wenn die Russen noch relative weit weg sind, müssen sie sich nun durch einen vielleicht 6 km breiten Schlauch, der unter Dauerbeschuss steht, drängen. Zu allem Überfluss strömen die Soldaten in einen Ort, der als Bestandteil der neuen Front am Mittwoch noch Sicherheit versprach, jedoch jetzt durch einen Westschwenk der Russen, die wohl anstreben, das Chaos, das dort herrschen muss, für sich zu nutzen, bedroht ist. Nach Mariupol und Severodonetsk ist Lyssytschansk ist das nächste Desaster in Selenskyjs Städtekrieg. Zum Glück für ihn will niemand wahrhaben, dass dessen Strategie, die großen Städte zu Festungen zu erklären, die keineswegs aufgegeben werden dürfen, sich als völlig nutzlos herausstellt. Aber solange hiesige Politiker beteuern, keinen Zentimeter des Nato-Gebiets aufgeben zu wollen, braucht er nicht zu fürchten, von einem Journalist der Qualitätsmedien gefragt zu werden, was für einen Sinn es macht, intakte Städte zu verteidigen. Dafür bedarf eines Youtubers, wie der Fall Melnyk, der abstritt, dass Banderas Zweig des Widerstands (OUN-B) Massaker und Pogrome an Polen und Juden begangen habe, zeigt. Weil er nach dem Einmarsch der Deutschen, an deren Seite Ukrainer kämpften (im Bataillon „Nachtigall waren nur OUN-Ber), eine ukrainische Republik gründen wollte, sperrten die Nazis ihn schon im Juli 41 ins KZ, aus dem er Ende 1944 entlassen wurde. Auch wenn das ukrainische Außenministerium behauptet, nicht Melnyks Ansichten zu vertreten – Kiew hätte keinen besseren Diplomaten finden können. Der Mann ist überzeugt, dass die Deutschen den Ukrainern noch etwas schulden. Dementsprechend verhält er sich auch. Sein Outing beim Youtuber wird ihn nicht daran hindern, noch mehr schwere Waffen zu fordern. Es ist auch ziemlich sich, dass der Städtekrieg in OUN-B Manier (erst Mitte der 50er Jahre wurde der Widerstand gebrochen) weitergehen wird. Weder bei Selenskyj noch bei den Politikern des Westens hat der Blog salomonische Züge, die hoffen lassen, sie hätten etwas in petto, was den Krieg beenden könnte, ausmachen können (Yul Brynner hat es immerhin geschafft, mit seinen Schildern die ägyptischen Streitwagen in einen steilen und tiefen Graben fahren zu lassen). Vermutlich müssen Slowjansks und Kramatorsks noch fallen, bevor der Städtekrieg aufhört, fürs Erste.

PS: „SpiegelOnline“ bzw. die Netzagentur haben heute den Gasalarm ausgerufen. Niemand weiß, welche Folgen der Gaskrieg haben wird. 3 Gastanker hat sich die Regierung dank der Übernahme Gazproms sichern können. Die große Frage ist, wo die Gas aufnehmen können. In einem russischen Hafen wohl eher nicht.

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