Dänemark – ein Paradies für Tischlampen-Fans?

Sitzen die Dänen abends alle wirklich im Halbdunkeln, wie es die Serie „The Killing“ vermuten lassen könnte? Zum ersten Mal darauf aufmerksam gemacht hat mich meine Mutter, als sie vor knapp 3 Wochen sagte, sie würde sich an der düstere Atmosphäre der Serie stören, worauf ich ihr entgegnete, dass der Regisseur, um die Spannung zu heben, das Geschehen dunkler dargestellt habe – ein wenig macbethsche Atmosphäre im Reich Hamlets kann wirklich nicht schaden. Als ich diese Woche in einem Forum auf eine Tabelle stieß, in der Deutschland nicht auftaucht sowie der Preis in Dollarcent angegeben ist, fiel es mir wie Schuppen aus den Augen – bei einem Preis von 38 Cent pro kWh wundert mich nicht, dass die Dänen lieber im Dunkeln als im Licht sitzen. Und in der Tat, auf dem Satellitenbild, das die Lichtverschmutzung zeigt, scheint der braune Punkt, den Kopenhagen erzeugt, ein wenig kleiner als jene, die gleichgroße Städte in ähnlich exponierter Lage erzeugen, zu sein (weite Flächen blau gefärbt zu sehen, wird kaum jemanden in Mecklenburg-Vorpommern mit Stolz erfüllen). Nicht auszudenken, wenn die Kopenhagener Gardinen genauso gering wie Holländer wertschätzen – stolz wie Bolle können sie dann sein.

Als ich in Dänemark war, wurde noch gegen den sauren Regen und für FCKW-freie Kühlschränke gekämpft. Gekommen bin ich auf einem Segelschulschiff, das einer Organisation, die im Westen als paramilitärisch eingestuft wurde, gehörte (GST – Gesellschaft für Sport und Technik), die „Wilhelm Pieck“ also als Kriegsschiff des Warschauer Paktes in Rønne einlief, woran sich zunächst aber niemand, der im Hafen etwas zu sagen hatte, störte. Im Gegenteil – der Anblick des Großseglers veranlasste ein örtliches Reisebüro, einen Reisebus samt Inselführerin (gut möglich, dass ihr auch die Agentur gehörte) zum Boot zu schicken. Auf der Rundfahrt zeigte sie uns, Crewmitglieder waren auch mit dabei, Bornholms Sehenswürdigkeiten. Eine Rundkirche, ein malerischer Ort mit einem Kieselstrand sowie eine schwedische Burgruine (die Sicht war perfekt) sind mir noch gut in Erinnerung geblieben. Spätabends bemerkten die Behörden, dass die „Pieck“ gar nicht hätte einlaufen dürfen. Noch in der Nacht mussten wir wieder in See stechen.

Heute, 22 Jahr später, geht es darum, die Klimaerwärmung zu begrenzen sowie in jedem Zimmer mindestens eine Energiesparlampe zu haben. Wegen der unbeliebten Lampen bin ich auf die dritte Lund-Reihe, die hoffentlich bald bei uns gezeigt wird, besonders gespannt. Spielt sich wieder alles im November ab, müsste es noch ein wenig dunkler werden. Es sei denn, die energieeffizienten Leuchten haben dazu geführt, dass die Dänen wieder mehr Oberlicht nutzen. Gestern, als ich bewusst auf die Beleuchtung schaute, brannten fast nur Tischlampen. Ich bin geneigt, zu behaupten, dass kein Film mehr Lampen, die auf einem Tisch stehen bzw. sogar dort angebracht sind, aufzuweisen hat. Mich würde nicht wundern, sollte sich in einer Studie herausstellen (vielleicht gibt es die ja schon), dass die Dänen den besten Lampengeschmack der Welt haben.

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