Corbyn – warum macht er es sich so schwer?

Vertut Corbyn die letzte Chance, den Brexit zu verhindern? Oder hat er einen Plan, den außer ihn zwar niemand kennt, jedoch an dessen Ende, wenn in Britannien praktisch nur noch die Queen im Amt sein sollte, ein „People‘s Vote“ steht? Bis dahin will es Corbyn, wie gerade aus der Debatte im Unterhaus entnommen werden konnte, aber nicht kommen lassen – die erste Abstimmung, die mit magischen Qualitäten – die Wirkung des „Heiligen Grals“ ist gar nichts dagegen – aufwarten kann (jedenfalls für die Freunde der EU), sieht Jeremy äußerst skeptisch. In seinen Antworten auf die Fragen seiner Kollegen sprach er sich nicht ein einziges Mal für eine Volksabstimmung aus. Selbst als er gefragt wurde, wie er dazu stehe, schafft er es, das Wort nicht zu erwähnen. Was auf den ersten Blick demokratiefeindlich und realitätsfremd erscheint (bei mehr als einer Millionen Unterschriften für eine Abstimmung ist diese Einschätzung schon angebracht), ist in Wirklichkeit Demokratie pur, so wie sie in einem Lehrbuch beschrieben wird. Das einzige Problem ist nur, dass die Dinge meistens nicht so verlaufen, wie sie in der Theorie sein sollten. Umso größer die Freude, wenn Corbyn es dennoch gelingen würde, das Gegenteil zu beweisen. Umso größer aber auch der Ärger, sollte Labour am Ende mit leeren Händen dastehen, oder gar noch den Schlamassel, den May angerichtet hat, verantworten muss. Was hilft es Corbyn, dem demokratische Procedere zu entsprechen, wenn er von der EU fordert, mit ihm einen neuen Vertrag auszuhandeln? Der Mann, der den Wählern verspricht, die EU würde mit ihm nachverhandeln, riskiert damit, noch dümmer als May dazustehen, sollte Brüssel auf dessen Forderungen nicht eingehen. Um Schlimmeres zu verhindern bliebe ihm dann gar nichts anderes übrig, als für die Abstimmung zu werben. Während jetzt noch die Leute wissen, über was sie abzustimmen (nämlich über Mays Vertrag), müsste Labour sie dann an die Urnen bitten, um einen harten Brexit, an dem sie nicht ganz schuldlos wären, zu verhindern. Warum brockt sich die Partei etwas ein, was sie nicht zu verantworten hat? Zumal Brüssel bisher nicht signalisiert hat, mit Corbyn die Verhandlungen aufnehmen zu wollen. Ist es Eitelkeit, die ihn treibt? Gibt Corbyn den Don Quichotte? Noch ist alles Spekulation. Sollte es dennoch so kommen, wie ich es beschrieben habe, wäre damit der Beweis erbracht, dass selbst halsstarrige Politiker nicht in der Lage sind, ein Land zugrunde zu richten.

PS: Bei den Briten weiß man nie – die bringen es fertig, noch einen dritten Sonderling hochkommen zu lassen.

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