Bin ich zu alt?

Irgendwie spinnen sie, die Norweger – erst Obama, dann die EU, gleich darauf die Organisation für das Verbot chemischer Waffen und nun Malala Yousafzai, die aufgrund ihres Engagements, jedem Kind zu ermöglichen, in die Schule zu gehen, von den vier genannten zwar am ehesten den Friedensnobelpreis verdient hätte, aufgrund ihres Alters ich jedoch einige Zweifel hege, ob man ihr mit dieser Auszeichnung einen Gefallen tut. Wenn ich aber auf Wiki lese, wo die junge Frau schon aufgetreten ist und welche Ehrungen ihr wegen ihres Einsatzes schon zuteil wurden, weiß ich, dass meine Vorbehalte unbegründet sind – seit ihrer Genesung von den schweren Kopfverletzungen, die ihr der Taliban zugefügt hat, ist sie es gewohnt, in der Öffentlichkeit zu stehen. Wer als Kind oder Jugendlicher berühmt wird, der will, so scheint es, dem Metier, das sie bekannt gemacht hat, treu bleiben. Die Arbeit muss also Spaß machen bzw. befriedigend sein.

Die Hauptdarsteller in den Potter-Filmen haben es sogar geschafft, berühmt zu bleiben. Anderen erging es nicht so gut. Tatum O’Neal hat der Oscar, den sie mit 10 Jahre gewann, nicht geholfen, ganz oben in der Hierarchie Hollywoods zu landen. Heintje hat an die Erfolge, die er als Kind genießen durfte (40 Millionen verkaufter Platten), nicht mehr anknüpfen können. Dass nun ein Jugendlicher, der weder singt noch in Filmen mitwirkt sowie auch kein Sport treibt (Pele wurde mit 17 zum ersten Mal Weltmeister), sondern aus philanthropischen Gründen im Rampenlicht der Öffentlichkeit steht, ist neu, wobei natürlich nicht verschwiegen werden darf, dass sich Malalas Schicksal bestens dafür eignet, die Islamisten als Hinterwälder zu entlarven. Sie ist eine zeitgemäße Jeanne d’Arc, die vermutlich im Kampf gegen den Taliban wesentlich besser abschneidet als alle Drohnen, die die USA bis jetzt gegen ihn eingesetzt hat.

Aus dieser Perspektive ist die Entscheidung des Komitees recht zweifelhaft. Hätten die fünf Leute, die darüber entscheiden, nicht noch zwei oder drei Jahren warten können? Wäre es nicht besser gewesen, die Organisation „Malala-Fund“, die sie ins Leben gerufen hat, zu prämieren? Und welche Rolle hat der Krieg gegen die IS bei der Entscheidung gespielt? (Bei der Terrormiliz kämpfen bekanntermaßen viele, die in den Genuss dessen, wofür Malala kämpft, gekommen sind.) Eines ist aber jetzt schon sicher – da Snowden (es wird ihm wie Philip Roth ergehen) und alle, die an den Enthüllungen um die NAS beteiligt sind, nicht den Nobelpreis bekommen dürfen, wird die Jury noch so manche Entscheidung, die niemand versteht, treffen. Da er erst 31 Jahre alt ist, dürfen sich die jüngeren Leser auf mindestens 50 Jahre freuen, in denen Leute und Organisationen, die bizarrer nicht sein können, für Verdienste, die außerhalb Oslos niemand wahrnimmt, ausgezeichnet werden. Mein absoluter Favorit wäre Gauck, dem ich im nächsten Jahr den Friedensnobelpreis mit der Begründung verleihen würde, er habe, so wie es Winston Churchill gegenüber Hitler getan hat, mittels brillanter Reden sich Putin mutig in den Weg gestellt, als dieser im Begriff war, Russlands Machtbereich bis an die Elbe auszudehnen. Leider nehmen mir das nicht einmal die Herren in Oslo ab. Deutschland muss weiter warten, denn Kohl wird es sicher auch nicht. Die Einigung hat nur Gorbatschow eine Einladung nach Oslo verschafft. Übrigens hat Will Self es geschafft, eine Westberlinerin, die meint, vor dem Fall der Mauer sei alles besser gewesen, zu finden. Gleich nachdem er in Tegel ankam. Komischerweise wollen in den hiesigen Medien nur Ostdeutschen die Mauer wieder zurück.

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