Arthur Fleck als Joker wider Willen

Arthur Fleck als Joker wider Willen – ein Schicksal, von dem man sich wünscht, es möge nicht einem selbst widerfahren, selbst wenn die halbe Welt erfährt, was man angerichtet hat. In gewisser Weise könnte man sagen, der Joker ist da in etwas hineingerutscht, für das er nichts kann – zum einen, weil die Geschehnisse ihm keine andere Wahl ließen, als so zu reagieren, wie er es getan hat, zum anderen, weil er geistig und charakterlich nicht in der Lage war, die richtige Schlüsse zu ziehen. Der eine oder andere Mord war darum sicherlich überflüssig, aus dessen Sicht und der Dramaturgie jedoch folgerichtig. Das entspricht so gar nicht dem Klischee, das besagt, wer hart kämpft, könne in den USA alles erreichen, was er sich vorgenommen hat. Aber wenn ausgerechnet ein Präsident, der ganz und gar nicht verdächtigt wird, ein Kapitalismuskritiker zu sein, Maßnahmen (auch wenn dessen Zollkrieg gegen die Welt von vielen als unsinnig eingestuft) ergreift, die darauf hindeuten, dass die Vorstellung, die Millionen dazu gebracht hat, in die Staaten auszuwandern, nicht mehr so recht der Wahrheit entsprechen will, dann muss der Film ein Lebensgefühl, das nicht unbedingt in denen Gegenden, die boomen, anzutreffen ist, widerspiegeln, auch wenn die Story in den 80ern, als es in NY alias Gotham City ziemlich drunter und drüber ging, spielt. Joaquin Phoenix muss einen Joker verkörpern, der, so will es Regisseur Todd Phillips, den Zuschauer, egal was dieser auch tut, nie anekeln darf – eine Traumrolle für jeden Schauspieler. Phoenix schafft dies glänzend (fast so wie Lawrence Olivier als Richard III.). Im Gegensatz zur Olivier, dessen Spiel und Schurkereien begeistern, erlaubt Phillips seinem Joker nicht, die Linie zwischen Verständnis und Begeisterung zu überschritten. Diese Gratwanderung gelingt ihm außerordentlich gut. Wegen ihm gerät die Stadt zwar in eine Lage, die jener in „Cosmopolis“, von dem ich glaube, dass er in einigen Jahren als Meisterwerk eingeschätzt werden wird, ähnelt. Das jedoch ohne dessen Absicht. Der nächste Joker wird vermutlich ganz anders. Richard gemäßer.

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