Abschied vom Eis (Eisdriftstation und -bär)

Wenn man schon Abschied nehmen muss, dann gleich richtig – zu der am längsten im Voraus feststehenden Beerdigung gesellte sich völlig unverhofft noch eine, für dessen Tod die planmäßig Verstorbene erheblichen Anteil erheblichen hat, dazu, denn gestern wurde nicht nur die Steinkohle zu Grabe getragen, sondern auch die Eisdriftstation (die letzte legte 714 km zurück, als sie 2015 „in See stach“). Knapp vier Monate haben die Forscher es auf ihr im Sommer ausgehalten. Das ist kein Vergleich zu deren Glanzzeiten (Ironie der Geschichte – wie bei der Kohle waren das die 50er), als ein Zivilisationsmüder noch 3 Jahre auf treibenden Eis verbringen konnte. Heute ergeht es den Forschern wie den Eisbären – beide suchen vergebens nach Insel, die ihnen ermöglichen, ihrer Forschungen durchzuführen bzw. zu überleben. Während der Mensch schon geschnallt hat, dass dies ein Abschied für immer sein könnte, tut sich der Eisbär schwer damit, sich an die neue Situationen anzupassen. Ihm könnte nur die künstlicher Vereisung der Arktis (der Blog berichtete) oder Schollen aus Plaste (das ist eine Idee dieser Kolumne), von denen jede einen GPS-Sender hat, so dass man diese wie ein Puzzle zusammensetzen kann, bevor die Eisbärenfamilien sich auf den Weg zum Nordpol machen, weiterhelfen. (Natürlich mit Löchern für die Robben.) Die abgedrifteten Inseln müssten dann im Nordatlantik gesammelt werden (auch um zu verhindern, dass ein Eisbär zum Südpol gelangt, was den Pinguinen gar nicht gut täte). Wir Menschen sind da nicht so anspruchsvoll – uns reicht ein Kasten, der dem Eis standhalten muss, sollte es wider Erwarten doch am Pol mal frieren. Den Russen ist ein Kasten natürlich nicht gut genug – sie schicken ein knuddeliges Gefährt, an dessen Design Lego und Wencke Myhre (das ist die mit dem knallroten Gummiboot) mitgewirkt haben könnten, in die noch unwirtliche Region. Auf dem Schiff sollen sich die Forscher dann treiben lassen (hoffentlich noch durchs Eis). Gestern wurde der Baubeginn verkündet und damit das Ende eines Kapitels der Arktisforschung verkündet. Ob Trumps Verlautbarung, die Truppen aus Syrien abzuziehen, ebenso einschneidend wie jener der Russen sein wird, bleibt abzuwarten. Schließlich kann der nächste Präsident dessen Entscheidung wieder revidieren. Im Gegensatz zu den Beteuerungen hiesiger Politiker und Medien ist das ein guter Schritt. Die Kurden werden das anders sehen, aber die Chancen, eine dauerhafte Lösung zu erzielen, sind ohne eine Beteiligung der Großmächte nun viel größer, auch wenn die Russen noch kräftig mitmischen werden. Deren Interesse liegt hauptsächlich darin, dass Syrien ein säkularisiertes Land bleibt. Machtpolitisch sind sie weit weniger als die Amerikaner ambitioniert. Da die Russen Erfahrung mit autonomen Regionen haben, werden sie dafür plädieren, das Kurdengebiet zu solch einer zu machen, was im Interesse aller wäre.

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