Polen, Oppeln, Königstraße

Die schlauen Polen – sie verlangen erst Reparationen, wenn die Generation, die vor den Russen aus den Gebieten, die seit dem Ende des Krieges zu Polen gehören, geflohen sind, nicht mehr am Leben ist sowie deren Nachkommen, von denen kaum jemand weiß, wo Eltern bzw. Großeltern genau wohnten, wegen eben dieser Unkenntnis kaum eine Chance haben, nach den Zahlungen – ungefähr 48 Mrd. Dollar will die polnische Regierung haben – vor Gericht und den Ämtern darauf zu bestehen, in die Wohnungen, in denen einst ihre Vorfahren lebten, zurückkehren zu dürfen. Als ich gestern las, die Polen würden Geld für das Leid, das ihnen angetan wurde, fordern, habe ich mich sofort wieder daran erinnert, dass ich ein Halbschlesier bin, aus dem ein echter Schlesier werden könnte, wenn die Deutschen zahlten, was den Flüchtlingen und deren Nachfahren erlauben würde, den alten Besitzstand, der höchst unfreiwillig zurückgelassen wurde, wieder zu erlangen, denn der ist, wie sich später herausstellen sollte, der Beitrag der Deutschen zur Wiedergutmachung gewesen. Wer nun denkt, ich werde bald einen schlesischen Bauernhof, auf dem die Zeit stehengeblieben ist (nicht einmal Traktor es dort), mein Eigen nennen, irrt. Ich bin auch ganz froh, denn das einzige, was ich auf einem Hof einigermaßen gut hinbekäme, ist, mit dem Traktor die Dorfstraße hoch und runter zu fahren. Habe ich da etwas von Dorf gesagt? Wenn ich mich recht entsinne, gibt es so etwas dort gar nicht. Jedenfalls sind die Häuser und Gehöfte nicht so eng beieinander wie hier. Im Sommer mag es dort recht angenehm sein, jedoch stelle ich mir einen kalten schlesischen Winter auf einem Hof recht schrecklich vor. Wenn es wenigstens Internet gäbe. Nein, es würde in die Stadt gehen, und zwar nach Oppeln, in die Königstraße in ein typisches Speer-Haus. Vor mehr als 40 Jahren sah es dort recht finster aus. Nur die Hausnummer weiß ich nicht. Das kann man aber sicherlich herausbekommen. Leider kann ich nicht davon ausgehen, dass sie wegen mir, dem vermutlich einzigen Deutschen, der in diese Straße ziehen würde (und sicherlich wäre ich der einzige neue Deutsche in der Stadt), alles umbenennen würden. (Das Geld für einen Stadtplan aus dem Jahr 1934 kann ich mir darum sparen.) Warum also erst jetzt, liebe Polen? Warum nicht gleich nach der Wende? Da hätte ich meine Oma noch als Vorposten nach Oppeln schicken können (ist ein Scherz). Wer bei Wiki bzgl. der Reparationen nachschaut, wird der Meinung sein, dass die Polen nicht ganz unrecht haben. Nur der Osten hat gezahlt. Und hätte es nicht den 17. Juni gegeben, wäre noch viel mehr Richtung Sowjetunion verschifft worden.

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