Schulz wird wohl in die FDP eintreten müssen.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben – bewahren die Maßnahmen, die Schulz mit der Union vereinbart hat, die alte Tante SPD davor, bei den nächsten Wahlen die magischen 20 Prozent, die neuerdings darüber entscheiden, ob er als Vorsitzender dieser ehrwürdigen Partei weitermachen darf, zu unterschreiten? Im Augenblick kann das wohl niemand sagen. Aber vielleicht ist das auch die falsche Frage. Vielleicht ist es besser, danach zu fragen, ob die Vorhaben, sollten sie umgesetzt werden, der SPD ermöglichen, wieder einen Kanzler zu stellen – reicht das, um wieder an die 30 Prozent, ab denen man das Sagen hat, heranzukommen? Da Schulz vor den Wahlen als Ziel ausgegeben hat, Kanzler zu werden, ist es höchst legitim, zu hinterfragen, ob der nächste Spitzenkandidat der SPD, der, da bin ich mir ausnahmsweise mal sicher, nicht Schulz heißen wird, dies ebenfalls vollmundig ankündigen kann, ohne gleich ausgelacht zu werden. Wenn Lindner das, was sich Schulz vorgenommen hat, für die FDP mit den Christsozialen und Grünen ausgehandelt hätte, wäre er zum großen Hoffnungsträger seiner Partei geworden – 18 + wären für eine Partei, die am Ende der Koalition endlich glaubhaft behaupten könnte, ihr lägen auch Normalverdiener am Herzen, bei den nächsten Wahlen drin. Da Schulz aber nicht mit der Forderung, den Soli abzuschaffen, in die Verhandlungen gegangen ist, wird bei den nächsten Wahlen niemand auf die Idee gekommen, ihn bzw. seine Partei für das Mehr in seinem Geldbeutel verantwortlich zu machen. Diesen Erfolg dürfen sich Merkel und Seehofer schon jetzt anrechnen lassen. Viel bleibt dann für die SPD nicht mehr übrig. Sie kann sich nur damit rühmen, die Arbeitslosenversicherung herabgesenkt zu haben. Und, bald hätte ich es vergessen, zu erwähnen, uns vor der weiteren Verwendung von Glyphosat bewahrt hat. Ein Schelm, wer denkt, Schmidt habe trotz anderer Absprachen für dessen Einsatz bei der EU gestimmt hat, um bei den Koalitionsverhandlungen mit der SPD zeigen zu können, dass man zu Zugeständnissen bereit sei (auch wenn es nur Dinge, auf die man sich schon vor vier Jahren geeinigt hat, sind). Bauernschläue nennt man das wohl. Die hätte ich mir auch von Schulz gewünscht. Wenn er wenigstens versucht hätte, das Ende der Braunkohleverstromung zu beschleunigen. Nun läuft alles darauf hinaus, dass die Anlagen still und leise außer Betrieb genommen werden (anders lässt sich nicht erklären, wie nach 2030 der Anteil von 65 Prozent erneuerbarer Energie an der Stromerzeugung erreicht werden kann). Die Anlagen, jedenfalls die technischen, werden bis dahin abgeschrieben sein. Die dort Beschäftigten, die sich jetzt so vehement gegen die Umstellung wehren, müssen dann vermutlich ohne bzw. weniger Hilfen auskommen. Summa sumarum hat Schulz kein gutes Ergebnis erreicht. Verwunderlich ist das nicht – die Partei hat einfach nicht gewusst, was sie wollte.

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Einen volksnahen Zaren hatten die Russen noch nie

Ich weiß nicht, ob sie am Sonnabend im Vatikan, als sie vor ihren Computern live erleben durften, wie die Russen Weihnachten feiern, im Stillen den Herrn gebeten haben, er möge dafür sorgen, dass ihnen etwas Ähnliches gelingen möge – nachdem Russlands orthodoxe Kirche nicht einmal 30 Jahre gebraucht hat, wofür die Katholiken 700 Jahre benötigten (ich gebe zu, dass es weitaus schwerer war, Iberien wieder katholisch zu machen), wäre es mehr als gerecht, würde es bald eine „Reconquista 4,0“ geben. Sicherlich waren alle froh, feststellen zu können, dass es noch Länder gibt (von den muslimischen mal abgesehen), in denen die Religion auf dem Vormarsch ist. Nur Papst Johannes Paul hätte, würde er noch leben, die Messen mit Argwohn betrachtet – ausgerechnet um die Gunst jener Kirche, die als Staatskirche den Zaren, die mehr als ein Jahrhundert einen polnischen Staat zu verhindern wussten, treu ergeben war, buhlen die Mächtigen des Landes wieder. Wegen der Liturgien und des Tamtams, das die Popen während der Messen veranstalten, kann man den Russen aber nicht verübeln, dass sie wieder in Scharen zu den Gottesdiensten gehen. Die Kathedralen, aus denen berichtet wurde, waren jedenfalls brechend voll. Nur die beiden Kommentaren, die andauernd redeten, störten, so dass ich auch rein gar nichts von den Gesängen mitbekommen habe. Wenigstens hat Putin die Zuschauer nicht enttäuscht – der ist diesmal nicht als Präsident, sondern als Traktorist, der sich für seine Verhältnisse schwer in Schale geworfen hat (ein blau-weiß kariertes Hemd, wie es Holzfäller oder Alan Harper zu tragen pflegen, sowie eine einfaches Jackett) in Petersburg aufgetreten. In Moskau, wo die Besucher schick angezogen waren (speziell die Kopftücher der Frauen fand ich höchst extravagant), wäre er damit aufgefallen. Für Petersburg hat es aber gepasst. Putin wirkte so überzeugend, dass die einfachen Russen einfach annehmen müssen, er sei einer von ihnen, zumal bis jetzt noch niemand wirklich beweisen konnte, dass er ein Milliardär sei. Der arme Medwedew und seine Frau wurden dazu verdonnert, das Zarenpaar zu spielen (freiwillig kann man sich nicht derart exponieren). Es war ein rundherum gelungener Abend, bei dem, auch wenn nur kurz, der Spitzenkandidat der Kommunisten, der bescheiden im Hintergrund blieb, zu sehen war. Die Russen werden Putin sicherlich zum Zaren, der im Gegensatz zu den Romanows es für nötig hält, sich von Zeit zu Zeit vom Establishment zu distanzieren, wählen. Dass Putin das Fest als Erfolg buchen konnte, lag zum Teil auch an seinen Soldaten, denen es, wie erst am Montag zu lesen war, am gleichen Tag gelang, eine Drohnenattacke (insgesamt 13) der Islamisten auf die russische Luftwaffenbasis in Syrien abzuwehren. Die Russen, die dem Einsatz skeptisch gegenüberstehen sollten, hätten Putin sicherlich übelgenommen, wenn beim Angriff viele Tote zu beklagen gewesen wären. Spezialisten soll es gelungen sein, sich die Kontrolle über die Geräte zu verschaffen. Heute ist zu lesen, die Amerikaner könnten, da ein Spionageflugzeug zur gleichen Zeit in der Nähe war, in den Angriff involviert sein. Für die Russen ist das nichts Neues – spätestens nun wissen sie, dass sie mal wieder auf sich allein gestellt sind. Meistens waren es die Regierenden, denen Isolierung und Konfrontation geholfen haben. Warum soll es diesmal anders sein?

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Donald – bleib, wie Du bist!

Was dieser Blog über Donald schon immer vermutete, jedoch sich nicht vorstellen konnte, dass es noch schlimmer sein würde, ist nun mehr als bestätigt worden, so dass für Donald selbst die Bezeichnung „Operettenkönig“, für den dieser Blog ihn im November noch gehalten hat, wegen seines Ticks, ständig hören zu wollen, wie toll er doch sei, nicht mehr infrage kommt. Wenn man schon schwer von Begriff ist, sollte man wenigstens versuchen, diese Schwäche mit Charme zu überspielen, so wie es Valérie von Martens im „Haus in Montevideo“ vorgemacht hat. (Liebe Feministinnen, bitte stört Euch nicht an Goetzes Überheblichkeit gegenüber Eurem Geschlecht. Bedenkt, nie ist eine Frau liebenswürdiger von oben herab in einem Film behandelt worden. In Halle, wo Goetz aufgewachsen ist, stößt man sich lieber an dessen Bemerkung, „das Schönste an Halle sei jedoch Halles Hauptbahnhof“. Die hiesige Regionalzeitung hat ihre Leser wissen lassen, dass Goetz diesen Satz als Witz verstanden wissen will. Zum Schaden Halles war den Leuten der Teil, den Goetz als witzig fand, zu kompliziert. Nur er selbst könnte den Originaltext bzw. den Witz so erzählen, dass ihn jeder versteht.) Was würde die Welt geben, wenn Donald genauso pflegeleicht wie von Martens wäre. Wir könnten wieder beruhigt schlafen und bräuchten uns nicht darum zu sorgen, ihm könne in den Sinn kommen, dass er der Schwachpunkt im Weißen Haus ist. Da Typen wie Donald bei Minderwertigkeitsgefühlen die Angewohnheit haben, sich mit Leuten ihres Schlages zu umgeben, könnte diese Erkenntnis den Untergang der Menschheit zur Folge haben. (Niemand weiß, ob nach Veröffentlichung des Buches Donald noch immun gegen Versagensängste, Zweifel etc. ist.) Angesichts Donalds Zustand kann es daher nur eine Devise für das Personal geben – sich so klein wie nur möglich für die meiste Zeit zu machen, um bei wichtigen Entscheidungen Donald im Falle von Meinungsverschiedenheiten noch umstimmen zu können. Wie das geht? Um des Weltfriedens wegen kann man schon einmal in einem Bericht absichtlich Rechtschreib- und Kommafehler, die Donald als solche auch erkennt, einbauen. Es bietet sich auch an, die Namen von Politikern, die er gut kennt, falsch zu schreiben. Mir fallen da „Budin“ und „Mörgel“ ein. Der Stolz verbietet das zwar, jedoch könnte dies der Menschheit helfen, einigermaßen unbeschadet dessen Amtszeit zu überstehen. Er darf das Gefühl der Überlegenheit nie verlieren. Sachen, die nicht zu einander passen (die Farben des Schlipses und des Hemdes beißen sich), zu tragen, helfen auch, sein Selbstwertgefühl zu steigern. Und immer mitlachen, wenn er sich über einen lustig macht. Aber bitte nicht über ihn feixen oder spotten. Das verträgt er absolut nicht. Umso mehr gäbe es nach dessen Amtszeit zu lachen. Falls wir ihn überleben.

PS: Alex Baldwin ist davon befreit. Er darf sich weiterhin als Double Donalds austoben.

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Unterschiedlicher können Jahreswechsel nicht sein

Wie kann man einer Frau, die zu glauben scheint, die Silvesternacht von 2015 müsse sich bei jedem Jahreswechsel wiederholen, den Gefallen tun, uns, also jene, die sich im Internet über das Weltgeschehen informieren, über ihren „Tick“ in Kenntnis zu setzen? Sollten die Medien je mit dem Vorsatz, kontroversen Twitter-Meldungen, die zudem noch völlig unwichtig oder, wie in diesem Fall, gar falsch sind, nur noch wenige Worte zu widmen, ins neue Jahr gegangen sein, haben sie diesen wenige Stunden nach dem Jahreswechsel schon gebrochen. Und angesichts vieler Anzeigen wegen Volksverhetzung – im Tweet von Storchs war von „gruppenvergewaltigen Männerhorden“, die es bei diesem Jahreswechsel, wenn überhaupt schon einmal, nicht gegeben hat, die Rede – frage ich mich, warum sich viele Menschen so stark für jemanden, mit dem sie nichts zu tun haben wollen, interessieren, dass sie diesen wegen einer Äußerung, die, weil sich niemand angesprochen fühlen sollte, gar nicht rassistisch sein kann, verklagen zu müssen. Ausgerechnet die Polizei hat mit ihrer Anzeige von Storch geholfen, ihr zu erlauben, sich als Märtyrerin in Szene zu setzen. Nun hat von Storch die Aufmerksamkeit, die sie nicht verdient. Gemessen an London, wo zum Jahreswechsel weitere vier junge Leuten erstochen wurden, ist Deutschland ein Idyll (zum Glück). 80 Menschen sind alleine im letzten Jahr in der Hauptstadt Messerattacken zum Opfer gefallen. (Obwohl ich täglich den Guardian lese bzw. deren Seiten überfliege, habe ich erst heute erfahren, welches unvorstellbares Maß an Gewalt dort herrscht.) Das ist schlimmer als zu Jack the Rippers Zeiten. Und wie damals weiß die Polizei heute auch nicht, wie sie dieser „Epidemie“ Herr werden kann. Scheinbar scheint es in Britannien Usus zu werden, die Dinge per Klinge zu regeln. Sollte die Scotland Yard die Sache nicht bald in den Griff bekommen, werden die Menschen sich genötigt fühlen, selbst für ihre Sicherheit zu sorgen – sprich sich Waffen zulegen, mit denen sie sich verteidigen können. Die Insel ist auf dem besten Weg, amerikanisch zu werden. Und niemand ist in der Lage, diesen Prozess aufzuhalten. Trump wird sie ermutigen, den Amerikanern nachzueifern. Vermutlich wird dieser Trend auch den Kontinent erfassen. „Chlor-Hähnchen“ kann sich die Gemeinschaft leicht vom Leib halten, gegen eine Welle der Gewalt, die darin mündet, dass jeder sich bewaffnet, wäre sie machtlos.

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Alles Gute im neuen Jahr

Happy Chinese New Year

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Ein Chip macht alle gleich klug

Dann pflanz ich mir ‘nen Chip ins Hirn und find es wunderbar (bildungshungrige Leser jüngerer Bauart, die unbedingt wissen wollen, von wem das Original stammt, können diesen Link nutzen) – aber warum denken die meisten Menschen daran, nun chinesisch sprechen zu können? So auch Sophie, die vom besagten Chip erwartet, diese Sprache sofort zu beherrschen. Mir kommen da eher welche aus Ländern, die nicht so weit entfernt sind, in den Sinn. Aber egal. Dank des Chips der Superlative wird man sich, von einigen Bewohnern des Amazonas mal abgesehen, mit jeder Person auf Erde unterhalten können. Lt. Goertzel werden meine Nachfahren sich sogar gegenseitig ins Gehirn sehen bzw. auf andere zugreifen können. Man ist dann nicht mehr man selbst, sondern geht in die Tausende. Ob die neuen Menschen noch eine Seele haben und ob am Ende der Individualität alle gleich sind, kann ich nicht sagen. Das wird selbst Goertzel, der ganz begeistert von dieser Welt ist, nicht wissen. Aber worin besteht der Nutzen, sich mit anderen Gehirnen zu verkoppeln, wenn überall der gleiche Chip, der alle auf ein gleiches Level bringt, drin ist? Diese Frage brauchte er nicht zu beantworten. Natürlich wäre es schön, heute schon von dieser Technologie Gebrauch machen zu können, denn machen wir uns nichts vor – der Nachfolger Trumps wird es den Staatsmännern wesentlich schwerer machen, zu ergründen, was er kann. Sogar unsere Kanzlerin soll nun festgestellt haben, dass Politik und Geschichte nicht zur seinen Stärken gehören. Überaus belehrend habe sie ihn aufgeklärt, sogar über die Ukraine, was recht ungewöhnlich ist für einen Mann von Putins Gnaden, von dem man erwartet, genauestens von den russischen Geheimdiensten gedrillt worden zu sein. Da wird der Kreml wohl zu dem Trick mit der Karte, der beim Zeigen ein gewünschtes Verhalten auslöst, zurückgreifen müssen (hoffentlich muss Trump niemanden erschießen). Mit einem Chip würde es derartige Probleme erst gar nicht geben. Goertzel meint sogar, künstliche Intelligenz würde besser, jedoch nicht fehlerfrei regieren. Ich würde mich jedenfalls nicht wundern, wenn am Ende der Amtszeit Trumps Amerikas Parlamentarier beschließen sollten, den Chip, der unser Leben verändert, zu entwickeln. Vielleicht müssen sie sich dann auch mit jemanden, der jetzt seinen Mitarbeitern freies Wohnen und eine kostenlose Gesundheitsversorgung ermöglicht, in 3 Jahren als Präsident aber sagen kann, dass viele im Land diese Leistungen in Anspruch nehmen würdem. Die Rede ist vom Kandidaten der Kommunisten, Grudimin, für die Wahlen zum Präsidenten in Russland. Lt. Shamir würden viele Russen wirklich glauben, er könne es schaffen.

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Gysi bereichert das Weihnachtsfest

Vollbracht, Weihnachten ist geschafft, und das zum Teil wegen Gysi, dessen Autobiographie ich es zu verdanken habe, dass es mir nach langer Zeit wieder gelungen ist, mich mit einem meiner Geschenke (fast bin ich geneigt, zu sagen, in erster Linie) selbst zu beschenken, was mir mit den obligatorischen Literaturkalendern, die bisher in jedem Jahr auf dem Gabentisch landeten, wegen der Auswahl der Autoren, von denen mir viele unbekannt waren, leider nicht vergönnt war. Dieses Glück hat man nicht jedes Jahr. Und wenn der Autor, dem ich diesen Erfolg verdanke (effizienter kann man gar nicht schenken), dann noch ein Kommunist ist (ich denke, Gysi ist noch einer), grenzt das fast an ein zweites Weihnachtswunder. Angesichts der massive Kritik, die auf Amazon in den letzten Monaten wegen seines Steuergebarens und der Arbeitsbedingungen prasselte, habe ich die CDs natürlich in einer Buchhandlung gekauft. (Da in der Innenstadt Gysi nicht geführt wurde, hatte ich schon befürchtet, ich müsse den Versandhandel nutzen. Gott sei Dank habe ich aber in einem Banlieue noch die vorletzte Packung erwischen können.) Dank seiner illustren Eltern braucht Gysi eine ganze CD, um darüber zu berichten, was ihm bis zu seinem Abitur widerfahren ist. Bei insgesamt 6 Scheiben lässt dies vermuten, dass für die Bundesrepublik wegen des rüden Tons, den er und seine Genossen erdulden mussten (dessen Partei war mindestens 15 Jahre lang als Überbleibsel der DDR verschrien), höchstens noch eine Disk bleibt. Aber will schon Geschichten aus der Gegenwart hören. Vielmehr interessiert, ob Gysi es hinbekommt, ein Bild vom Leben in der DDR und nach der Wende zu zeichnen, das den Erfahrungen, die man selbst gemacht hat, einigermaßen entspricht. Und natürlich würde ich auch gerne über Geschehnisse, die mir bisher nicht oder nur zum Teil geläufig waren, informiert werden (der erste Teil ist in beider Hinsicht ganz vielversprechend). Der Spiegel ist in seiner neuesten Ausgabe mit einem Artikel über die Gemeinsamkeiten von Christentum und Islam da mit gutem Beispiel vorangegangen – alle Kreuzworträtsel-Entwerfer, die ich bis zu Weihnachten verdächtig hatte, wegen ihrer Forderung, den Namen von Jesus im Islam einzutragen, heimlich für Merkels Flüchtlingspolitik zu werben (aus diesem Grund habe ich die Frage immer ignoriert), sind unschuldig. Nun steht dort geschrieben, dass der Name (Issa) sogar im Koran stehen würde, also nicht irgendein Imam auf die Idee gekommen ist, einen Namen für ihn zu erfinden. Komisch ist es aber schon, dass erst nach dem Einzug der Flüchtlinge bei uns nach „Issa“ gefragt wird. Als ich bei Wiki las, im Koran würde stehen, dass Jesus schon in der Wiege, mit 2 Tagen heute vor 2117 Jahren, sprechen konnte, ist mir sofort klar geworden, wir schwer es angesichts dieser spannenden Story für Muslime sein muss, sich vom Islam zu lösen. So was hat die Bibel jedenfalls nicht zu bitten. Selbst Hollywood hat Schwierigkeiten, mitzuhalten.

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Der Abstieg der Konservativen

Wer hätte vor noch 3 Jahren gedacht, dass ausgerechnet die Konservativen, die über die Linken seit deren Bestehen gesagt haben, sie seien unwählbar, da sie an der Regierung das Land zugrunde richten würden, nun diejenigen sind, die die Dinge an die Wand fahren, und das nicht nur in schöner Regelmäßigkeit, sondern auch noch in einem Ausmaß, das keine linke Partei je in Europa zustande gebracht hat. Angefangen hat alles mit dem Camerons Entscheidung, sich vom Volk bestätigen zu lassen, dass sein Königreich in der EU bleibt. Was hinter dem Eisernen Vorhang bis zum Ende des Sozialismusses immer geklappt hat, ging auf der Insel gehörig schief, was wohl noch halbwegs reparabel gewesen wäre, hätten die Konservativen ein Konzept, das besagt, was im Falle des Sieges der Austrittsbefürworter zu tun sei, erarbeitet. Statt einer Strategie obsiegte das Chaos mit dem schönen Effekt, dass seit kurzem die Mehrheit für einen Verbleib ist. Wer auf Brexit bedeutet Brexit in der Hoffnung gesetzt hat, wenigstens einmal in seinem Leben zu gewinnen (und wenn es nur der Einsatz ist), muss nun fürchten, gar nichts zu bekommen. In Spanien haben die Konservativen, so wie auch May in diesem Sommer, gestern die Katalanen in der Überzeugung wählen lassen, sie würden jene Parteien, die für die Unabhängigkeit kämpfen, gewaltige Stimmeinbußen bescheren. Wie (fast) immer, wenn Konservative in diesen Tagen Wahlen anberaumen lassen, ist das gehörig schief gegangen. Nichts hat sich geändert, außer dass Puigdemont jetzt vom Exil aus Katalonien regieren könnte, sollten die ehemaligen Regierungsparteien wieder zu einander finden. Das wäre mal etwas völlig Neues, jedoch fürchte ich, dass irgendein Verfassungsparagraph dieses Unterfangen unmöglich macht. Und dann gibt es ja noch Rajoy, der für diesen Fall schon weiß, wer die fünf Parlamentarier sind, die es, um Puidgemonts Wahl zu verhindern, festzusetzen gilt. Womit ich schon beim großen Dilemma der Konservativen bin – da sie denken, sie wären in der besseren Position, beschränkt sich ihr Tun nur auf das Drohen, Einschüchtern, Bluffen, Festnehmen, Anklagen, Verschleiern, Herumdrucksen etc.. Sie glauben, sie seien wie Clint Eastwood. In Wirklichkeit sind sie wie jene, gegen die er kämpft. Von ihnen zu erhoffen, sie könnten den Wählern Wege, die aus dem Chaos führen, das sie oft selbst verursacht haben, aufzeigen, ist völlig illusorisch. Und wenn sie mal eine Wahl gewinnen, häufen sie gleich Probleme an, wie etwa den Streit um die doppelte Staatsbürgerschaft für Südtiroler, die ÖVP/FPÖ Regierung in Wien den deutschsprechenden Italienern angeboten hat. Die länderübergreifende Krise scheint vor der CDU/CSU bzw. Deutschland wegen Merkels Beharren, nur in einer Koalition weiterzuregieren, nicht haltzumachen. Wegen ihres starren Festhaltens an einer Koalition ist sie in einer passiven Rolle, also völlig abhängig davon, was die SPD unternimmt. Dabei müsste sie den aktiven Part übernehmen, sprich der Öffentlichkeit zeigen, dass sie nach allen möglichen Wegen sucht, weiterzumachen. Damit hat sie sich schon vor ihrer neuerlichen Vereidigung zur Lame Duck gemacht. Ihre Inaktivität wird der CDU bei Neuwahlen die Stimmen jener AfD-Wähler, die sich von Gauland und Co. mehr erhofft haben, kosten. Es sieht ganz danach aus, als ob die Konservativen aus dem Schlamassel nicht herauskommen würden.

Selbst die City hat erkannt, dass Corbyn ihr weniger als May schadet.

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RT – sind wir denen zu brav?

Was müssen deutsche Politiker noch tun, damit RT hier sendet? Seit der Heimholung der Krim haben sie mit harten Bandagen, also ohne sich selbst zu schonen, gewetteifert, wer von ihnen Russland am wirkungsvollsten vor den Kopf stößt. Genutzt hat es nichts, denn statt mit einem Vollprogramm unseren Elitepolitikern entgegenzutreten, hat sich RT, den bekanntlich der Kreml finanziert, entschlossen, den Franzosen deren Sicht 24 Stunden am Tag zu verkünden. Dass die Bundesrepublik, die als zweitgrößter Importeur Russlands nicht davon abzubringen ist, die EU-Sanktionen gegen das Land aufzuheben, nun weiterhin ein weißer Fleck auf deren Fernsehkarte bleibt, grenzt schon an eine Beleidigung der Wähler, über die RT wohl denkt, dass sie unfähig sind, Merkel abzuwählen. Getreu Stalins These, in Deutschland könne es keine Revolution geben, weil man dazu den Rasen betreten müsse, denken die Macher RTs, auch wenn ein großer Teil der Bevölkerung glaubt, sich einen Ersatzkaiser zulegen zu müssen (wenigstens ist er kein König), dass die Franzosen ihrem Programm eher als die Deutschen aufnehmen würden. Macron bietet ja auch allerlei Gründe, ihn bzw. dessen Politik nicht zu mögen. Erstaunlicherweise gibt es besonders viele ältere Franzosen (sogar einen Ex-General konnte ich ausmachen), die bei RT mitmachen, um darzulegen, was er nach ihrer Ansicht falsch macht, wobei, wenn es ich richtig mitbekommen habe, ihnen hauptsächlich darum geht, ihn als Blender zu entlarven. Sollten die Russen es schaffen, ohne Le Pen auszukommen, so dass die etablierten Medien gar keine Chance haben, RT als Sender Le Pens zu bezeichnen, stehen ihre Chance nicht schlecht, von den Leuten als Bereicherung der Medienlandschaft wahrgenommen zu werden. Dies könnte auch hierzulande funktionieren, wenn der Sender nur wollte. Pensionierte Spezialisten, die unzufrieden mit der Politik sind, gibt es hierzulande viele (ich denke da eher an Kujat, der sicherlich ein Dauergast bei RT DE wäre, als an Gauland). Hätten die Russen heute gesendet, wären wir womöglich über das Panzermuseum in Munster, das, um auch einen Pazifisten zu erlauben, in einen Tiger oder Panther zu steigen, mit Walter Benjamins Satz „wer den Frieden will, der rede vom Krieg“ wirbt, informiert worden. Dort sorgt nämlich eine Figur, die, bereit, einen Molotow-Cocktail oder Stein zu werfen, vor einem T-34 stehen soll, wegen des Eindrucks, der Panzer, der den 2. Weltkrieg entschieden hat, sei hauptsächlich gegen Demonstranten (der Aufstand in Ungarn* 1953) eingesetzt worden, für Unmut bzw. Missbehagen. Jedenfalls bei den Russen. Und das völlig zu Recht, denn die Besatzung eines deutschen Panzer pflegte in solchen Situationen, die Werfer mit dem MG auszuschalten. (Als ob deutsche Panzer nicht gegen das Volk eingesetzt wurden.) Vermutlich sieht Gauland die Geschichte der Wehrmacht genauso – Gräueltaten haben nur die Gegner begangen. Das ist nicht im Sinne Benjamins, der sich in Frankreich das Leben nahm, um nicht von den Nazis gefasst zu werden.

PS:* Natürlich bezieht sich das auf den 17. Juni in der DDR, bei dem höchstens Steine geflogen sein dürften.

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Star Wars – die Natur ist der Renner

Da es heißt, man soll aufhören, wenn es am schönsten ist, hat Johnson, der Regisseur des neuesten Star Wars Films, alles richtig gemacht – er hat nicht nur, so vermute ich als absoluter War Stars Laie, den romantischsten und realistischsten aller Fortsetzungen gemacht, sondern seinen Nachfolgern ein Ende hinterlassen, das diese gar nicht anders können, als den nächsten Film mit einem Guerillakrieg in einer Gegend, in der es nur so von gefährlichen Lebewesen wimmelt (bitte keine Saurier, gegen die bin ich nämlich allergisch), zu beginnen. Ade, ihr Raumschiffe, die ihr Städten gleicht. Vielleicht werden sie uns sogar die wendigen Ufos (die der Rebellen sind herrlich gemütlich) vorenthalten müssen. Sicherlich wird es aber anders kommen, als ich es annehme, was natürlich meine Neugier auf den letzten Teil der Trilogie nur noch steigert. Johnson hat das Star Wars Gefüge wegen altmodisch geführter Materialschlachten, die man nur mit jenen, die im 2. Weltkrieg geführt wurden, vergleichen kann, jedenfalls kräftig durcheinander gebracht. Selbst die die Kriegstechnik ähnelt sehr jener aus dem letzten Weltkrieg – Fans, die sich etwas Neues erhoffen, täten gut daran, ihre Erwartungshaltung auf Null zu senken. Ich habe mich an der konventionellen Kriegsführung nicht gestört, denn auch der Einsatz die modernster Waffen sowie die Anwendung neuester Strategien und Taktiken hätten nicht vermocht, Skellig Michael mitsamt seiner Bewohner und Gäste die Schau zu stellen. (Könnte ich mich mit dem Wissen von heute mehr als 20 Jahren zurückbeamen, hätte ich auf einen Tag auf Dingle verzichtet bzw. einen mehr eingeplant, um mir die Insel anschauen zu können.) Im nächsten Sommer – erst dann lässt die See eine halbwegs erträgliche Überfahrt zu – werden zig Boote die Stelle suchen, von der Skywalker einen mehr als einen Meter langen Fisch aus luftigen 20 Metern mit einer noch längeren Harpune, die er einfach nur nach unten zu stoßen brauchte, erlegte (das wird so voll wie vor der Blauen Grotte auf Capri). Als dann noch für höchsten zwei Sekunden der Rücken eines tauchendes Sauriers zu sehen war, dachte ich mir, vielleicht nur um ein oder zwei Jahrhunderte die Rückkehr dieser unsympathischen Ungeheuer verpasst zu haben. Warm genug müsste es ja dann für sie sein. (Die Fans dieser Gattung müssen nicht so lange warten – im Sommer kommt Spielbergs nächstes Saurier-Werk.) Klimapolitisch ist es natürlich nicht korrekt, darauf hinzuweisen, wie einfach es gewesen sein muss, in der Kreidezeit Fisch zu fangen. Dank vieler schöner und teilweiser auch recht lustiger Szenen auf Skellig Michael sei dem Regisseur dessen politisch unkorrekter Klima-Ausrutscher verziehen. (Wenn es einen Kritikpunkt an diesem Star Wars Teil gibt, dann ist es das Ende, das für meinen Geschmack ein wenig kitschig geraten ist.)

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