Wer interessiert sich noch für Ronaldo?

Mbappe oder Hazard – das ist hier die Frage, nachdem Ronaldo ein Angebot, bei dem sich jeder Fußballfan mit dem Wissen um „Operettenligen“, in denen Spieler ab 33 ihre Karriere gutbezahlt langsam ausklingen lassen, fragt, für wie naiv die Leute, die für Stars weit jenseits der dreißig Unsummen ausgeben, die Anhänger ihres Vereins eigentlich halten. Schwer vorstellbar, dass sich ein fußballverückter Italiener nach einer WM, an der seine Nationalmannschaft nicht teilnahm, danach sehnt, wenn sich ab nun alles um einen alternden Star (von denen die Seria A wahrlich genug hat) dreht, der, da Juve seine Steuern zahlt, alle 14 Tage zum Millionär wird. So gern ich Real hälfe, einen Ersatz für ihn zu finden (deren Mut, sich von ihrem besten Spieler mit der Aussicht, den nächsten Sieg der Champions League in ungefähr 30 Jahren feiern zu können, zu trennen, sollte eigentlich honoriert werden), würde ich den Königlichen zum falschen Spieler raten – Mbappe braucht noch zwei oder drei Jahre, um die Rolle Ronaldos zu übernehmen, auch wenn er sich nun schon Vizeweltmeister nennen kann (einer der wenigen Titel, der Ronaldo wohl verwehrt bleiben wird). Dabei sah es in der 1. Halbzeit nicht so aus, als ob Les Bleus es schaffen könnte. Bei Griezmann hatte ich den Eindruck, ihn muss die Rettungsaktion der thailändischen Kinder so beeindruckt haben, dass er gleich 30 Minuten völlig untertauchte. Mbappe ging es nicht viel besser, jedoch hatte der noch die eine oder andere Aktion, während der Mann von Atletico sich so gut auf dem Platz tarnte, dass erst ein Blick in den Videotext ihn enttarnte. In der Schlussviertelstunde wurde er auf einmal präsent. Sein Auftauchen läutete das Ende der belgischen Herrlichkeit, die mit einem Tor noch beeindruckender ausgefallen wäre, ein. Trotz guter Chancen – einmal verfehlte Hazard nur knapp, dann köpfte Varan seinen Schuss ins rechte obere Eck knapp über die Latte – wollte es einfach nicht gelingen. Mit Hazards One-Man-Show ließ sich die Abwehr der Franzosen jedoch nicht nicht knacken. Thierry Henry als „Doppelagent“? Statt als Brecher (mit dem Rücken zum Tor), der für anderen die Räume schafft, zu arbeiten, hat Lukaku nur auf Anspiele in den Lauf gewartet. Vielleicht hätte Henry ihn für das Spiel zu einem Giroud, der beides kann, umpolen sollen. Den eine oder andere Freistoß hätte diese Methode schon mit sich gebracht. Mit Kane und seinen Engländern werden es den Franzosen viel schwerer machen. Nicht verschweigen werden sollte, dass die Franzosen dank eines genialen Anspiels Mbappas die beste Chance in der 1. Halbzeit hatten. Courtois‘ Schienbein lenkte Pavards Schuss (nach dessen Verpflichtung durch die Bayern drängt sich bei mir der Verdacht auf, dass Hoeneß die Verträge unaufgefordert von den Beratern zugeschickt bekommt) jedoch vom Tor weg. In der 2. Halbzeit verflachte das Spiel zunehmend. Ein Kopfballtor nach einer Ecke reichte der Franzosen. Wer auf ein großes Spektakel gehofft hat, wurde enttäuscht.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Die Briten verabschieden sich, England aber bleibt

Frankreich gegen England – nachdem die Brasilianer, wie wir es von ihnen gewohnt sind, in Schönheit starben, hätte ein Endspiel zwischen den beiden uns bestens darauf einstimmen können, dass dies der Anfang vom Ende des Daseins der Briten in der EU sei (hatten wir nicht immer geglaubt, die Briten gehörten zu Europa bzw. zum Kontinent, wie sie früher auf der Insel zu sagen pflegten, wie der Islam zu Deutschland?), wenn May nicht das Kunststück gelungen wäre, ihren renitenten Brexitern, die am liebsten die Britischen Inseln vor die Küste Amerikas schieben würden, um die lästigen Europäer, deren Vorschriften und deren Zustrom in Scharen ihre endemische Kultur auszurotten drohten, endlich loszuwerden, ein Ja für eine Zusammenarbeit mit den verhassten Technokraten in Brüssel abzuringen. Alles bleibt so, wie es ist, außer für jene, die dort arbeiten und studieren wollen – die müssen nun eine Erlaubnis einholen, um bleiben zu dürfen. Ob das britische Äquivalent zur Green Card ähnlich erfolgreich wie das Original sein wird, kann im Moment niemand sagen. Während es die in jedem Fall geben wird, ist es nahezu ausgeschlossen, dass die Briten ihre Ziele erreichen werden, es sei denn, Seehofer würde es schaffen, sich bis Ende August ins Bundeskanzleramt zu stänkern. Nicht dass er der einzige Politiker in Europa wäre, der versteht, dass die Briten sich fürchten, ihr Land könnte ihnen wegen vieler fremder Kontinental-Europäer fremd werden (nicht überall sind die Menschen so standhaft wie in Halle, wo bisher jeder Versuch, das Oktoberfest zu imitieren, kläglich gescheitert ist) – Orban und Co. geht es sicherlich ähnlich. Nur denken die in erster Linie an sich. Je härter der Brexit, desto größer die Chance, dass Leute, die vor Jahren auf die Insel gegangen sind, angesichts der Nachteile, die die Abkoppelung mit sich bringt, wieder in ihre Heimatländer zurückkehren, wo sie im Gegensatz zu früher wegen des hohen Wirtschaftswachstums dringend gebraucht werden. Und wenn dann noch die Firmen beginnen, Teile ihrer Produktion auf den Kontinent, speziell nach Ostereuropa, zu verlagern, dürfte klar sein, dass May selbst bei jenen, die dem Recht, überall in der EU leben und arbeiten zu dürfen, nichts abgewinnen können, keine Unterstützung finden wird. Zu allem Überfluss kommen ihre Vorstellungen viel zu spät, um einen Lerneffekt, sprich die Einsicht, dass sich die Pläne nicht durchsetzen lassen, bei den gemäßigten Brexitern auszulösen. Das Experiment, freiwillig auf der eigenen Insel zu stranden, ohne die verlassen zu müssen (im Gegensatz zu Robinson Crusoe bleibt den Briten die Chance verwahrt, etwas Neues zu entdecken), ist wohl nicht mehr zu verhindern.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Der Rücktritt hat eine neue Bedeutung erfahren

Sie brauchen ja nicht gleich zu sterben wie unter Friedrich II., der seinen Soldaten, die sich in der Schlacht von Kolin zurückzogen, statt weiter auszuharren, zugerufen haben soll, „Hunde, wollt ihr ewig leben“ – heute reicht es aus, wenn ein Prominenter, dessen Stern im Sinken begriffen ist, ja sogar in eine Schwarzes Loch zu drohen fällt, seinen Rücktritt erklärt. Jedenfalls ist es bis zum Anfang dieser Woche dieses Procedere noch Usus gewesen. Dann kamen Löw und Seehofer – während erstgenannter ein klassischer Rücktritts-Verweigerer ist, hat der Bayer den Rücktritt als Waffe, mit der man zumindest eine Schlacht gewinnen kann, für sich entdeckt. Ob sich damit auch ein Krieg gewinnen lässt, muss sich noch herausstellen, denn ein zweites Mal funktioniert die Drohung nur, wenn er mit seinen Transitzentren, in denen jene, die in anderen EU-Ländern bereits registriert wurden, höchstens 19 Tage verbringen sollen (Söder war im ZDF wichtig, zu erwähnen, dass diese nur Verpflegung und Unterkunft bieten), Erfolg hat. Was aber ist, wenn diese aufgrund der Verträge, die er mit den Einreiseländern unterzeichnet hat, zwar errichtet werden können, jedoch kaum jemand an der Grenze festgenommen wird? Sollte sich sein Projekt als „Weißer Elefant“ erweisen, nimmt Merkel Seehofers Rücktritt dankend an. Vermutlich hätte dann selbst die CSU nichts dagegen. Dessen Plan ist zum Erfolg verdammt. Die CSU braucht möglichst viel Festnahmen. Wenn alle Verträge unterzeichnet sind, müssen die Beamten, die Überschichten en masse schrubben dürfen, ran. Da die Bayern nachgesagt wird, ihnen wäre eine gehörige Portion zivilen Ungehorsam eigen, werden am Ende noch die Urlauber, die sich in dieser Gegend erholen wollen, aufgefordert, verdächtige Personen zu melden (pro Flüchtling gibt es zwei kostenlose Übernachtungen in Bayern). Und was ist, wenn die Migranten nun über den Bayerischen Wald kommen? Er braucht Erfolge. Im Gegensatz zu Seehofer würde sich jedoch niemand freuen, wenn Löw auch scheiterte, sprich die „Mannschaft“ bei der Europameisterschaft die Gruppenphase nicht überstehen sollte. Zwar müsste er seinen Rücktritt einreichen, jedoch wäre die Aufregung darüber bei weitem nicht so schrill wie heute. Viele werden gemerkt haben, dass die Deutschen nicht unbedingt dabei zu müssen, um Spaß am Gucken zu haben. Bei mir hat das Ausscheiden der „Mannschaft“ dazu geführt, dass ich seitdem Jogi-Löw-T-Shirts trage (da diese mir eine kerzengerade Haltung abverlangen, habe ich nun das Gefühl, schlanker geworden zu sein). Leider haben dessen Spieler sich nicht von dessen Haltung inspirieren lassen – es soll viel Streit gegeben haben. Alt gegen jung, so heißt es. Statt in einem Luxushotel hätte Jogi seine Spiele lieber auf eine Abenteuerreise, in der jeder vom anderen abhängig ist, schicken sollen. Zwei oder oder drei Tage auf einer schmelzenden Eisscholle, die in Richtung Island treibt. Das hätte das Zusammengehörigkeitsgefühl der Mannschaft gestärkt. Und Löw beobachte die Situation von auf einem Eisbrecher aus in einem seiner berühmten T-Shirt. Mit dieser Vorbereitung hätten wir gestern Brasilien mit 9 Toren geschlagen.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Flüchtlinge – ein Deal à la Trump

Ein Deal, ganz nach dem Geschmack Trumps, der wohl schon längst getwittert hätte, dass Europa endlich begriffen habe, wie man mit Flüchtlingen umgehen müsse, wenn sein neuer Intimus Kim involviert wäre – Deutschland gestattet den Anrainern des Mittelmeers, die Rettungsschiffe mit Migranten zurückweisen zu dürfen, wenn diese die Flüchtlinge, die diese Staaten in Richtung Norden verlassen haben, wieder aufnehmen. Letzteres nennt man, wie ich gestern erfahren habe, sekundäre Migration. Geschätzte 100 bis 150 Sekundärasylanten kann Seehofer nun monatlich nach Griechenland schicken. Mit Italien muss Merkel noch ein Abkommen aushandeln. Und da Spanien in den letzten Monaten mit allem Möglichen, nur jedoch nicht mit einem Ansturm von Flüchtlingen, für Schlagzeilen gesorgt hat, müsste die Zahl derer, die von Iberien hierherkommen, ziemlich gering sein. Die Zahl jener, die vorerst keine Chance mehr haben, nach Europa zu kommen, ist indes zigfach höher – die Boote der NGOs müssen die Menschen, die aufgrund des Wagnis, für horrende Summen sich in Schlauchbooten, die nicht hochseetüchtig sind, nach Italien bringen zu lassen, von vielen nicht mehr als Schiffbrüchige, sondern als Kamikaze-Fahrer angesehen werden, nun nach Afrika zurückbringen. Merkels Politikstil, immer das zu tun, was die Mehrheit gerade fordert, hat sich wieder einmal ausgezahlt – 2015, als die meisten dafür waren, die Flüchtlinge ins Land zu lassen, hat sie die Grenzen aufgemacht, heute werden sie dichtgemacht, weil niemand an ihr Wir-Schaffen-Das mehr glaubt. (Die, die Kohl gestürzt hat, ist nun noch besser als er. Sie schafft es sogar, nicht mal den Verdacht, bei ihr könnte es sich um eine Aussitzerin handeln, zu erregen. Anders als Kohl, dessen Aussitzerei zu einem Linksruck führte, hat sie gehörig dazu beigetragen, dass Europa nach rechts marschiert. Italiens rechte Parteien jubeln heute sicherlich.) Bis zu den nächsten Wahlen könnte der Deal halten. Welche Folgen diese restriktive Politik langfristig haben wird, weiß niemand. Alles ist denkbar bzw. vorstellbar. Dass Afrika profitieren würde, wenn die jungen Leute auf dem Kontinent blieben, scheint mir angesichts des rasanten Bevölkerungswachstums am unwahrscheinlichsten zu sein. Bis 2050 soll sich die Bevölkerung verdoppeln – aus einer Milliarde werden zwei. Denen eine Perspektive zu geben, wird schwer, zumal wegen der globalen Erwärmung die Bedingungen nicht besser werden. Ob Libyen aber so wie die Türkei, die sich ja verpflichtet hat, die syrischen Flüchtlinge im Land zu halten, Migranten über einen längeren Zeitraum daran hindern wird, über das Meer zu setzen, ist höchst fraglich – warum Libyen helfen, wenn man Italien und Griechenland jedwede Unterstützung verweigert hat? Und damit Erfolg hatte, wie die Vereinbarungen zeigen. Spätestens wenn es an den Grenzzäunen der spanischen Exklaven zu Szenen wie am Gaza-Streifen kommen sollte, als über hundert Palästinenser ihr Leben beim Versuch, sich der Grenze zu Israel zu nähern, ließen, müsste allen klar sein, welchen Bockmist Merkel angerichtet hat (oder auch nicht, was vom Grad der Belagerungsmentalität, den wir bereit sind, uns einzureden, abhängt). Eine derartige Eskalation der Situation wird sie nicht mehr als Bundeskanzlerin erleben. Aber zu ihren Lebzeiten könnte dies durchaus passieren.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Eine WM zwischen Alt und Jung

So schnell kann es gehen – gerade als ich im Begriff war, über die Stars, die im Fußballolymp thronen, zu schreiben, deren WM könnte so glanzlos verlaufen, dass wegen ihres frühen Ausscheidens sie nach dem Endspiel niemand mehr vermissen würde, hat mich Messi mit einem wunderschönen Tor, das wohl nur er hätte erzielen können, eines Besseren belehrt. Passend zum Ausrichter, der für viele ein Buch mit sieben Siegeln ist, macht es diese WM den Zuschauern wirklich nicht leicht – schon in der Gruppenphase macht sich das Gefühl breit, dass die falschen Teams weiterkommen würden. Jedenfalls ergeht es mir so. Und da in den Ausscheidungsspielen öfter die Mannschaft, die am wenigsten zur Unterhaltung der Fans beigetragen hat, gewinnen, lässt das auf eine WM schließen, die en gros Resultate, über die ich mich ärgern werde, liefert, wie es in den achtzigern, als der neutrale Fußballfan inständig darauf hoffte, Brasilien möge Weltmeister werden, üblich war. Ein Überteam, das den Göttern zu sehr ähnelt, so dass sie deren Spieler leiden lassen, hat sich bisher noch nicht gezeigt, jedoch sind mit Marokko, dem Iran und Peru bereits Mannschaften ausgeschieden, deren Spielweise mindestens so attraktiv wie jene Teams, die sie am Weiterkommen gehindert haben, ist. Vor Ronaldos Altherrenmannschaft, die sich wohl bereits auf dem Heimweg befinden würde, wenn das Spiel gegen den Iran 5 Minuten länger gedauert hätte, brauchen sich die Urus, die nicht wesentlich jünger und zum allem Unglück die Erfinder des Langeweile-Fußballs sind, kaum zu fürchten. Die Spanier, deren Interimstrainer Hierro unbeirrt an der alten Garde festhält, sind nicht viel besser dran. Im Augenblick sehe ich diese nur in der übernächsten Runde. Beinahe wäre schon jetzt für eine „Rentnerband“ das Aus gekommen – mit Ach und Krach haben sich die Gauchos für die nächste Runde qualifiziert (für mich hätte es einen Handelfmeter für Nigeria geben müssen). Wenigstens kommt es nun zum ersten Clash zwischen Alt und Jung. Ob Frankreichs Jungstars die Altherrenriege in Schach halten kann, ist angesichts deren minimalistischen Spielweise (weniger kann man nicht tun, um die K.o.-Runde zu erreichen) jedoch höchst ungewiss. Für die Franzosen spricht aber das Kollektiv, das spätestens nach dieser WM über den Erfolg einer Mannschaft entscheidet. Das hat das Zeug, sich in einen Spielrausch zu steigern, der den Argentiniern wegen ihres mangelnden Talents wohl für lange Zeit vorenthalten bleibt (huevos würden lt. Valdano leider in Argentinien den Ton angeben). England und Belgien traue ich auch zu, sich berauschen zu können. Brasilien hat das Pech, einen Star, den man nicht auf die Bank setzen kann, im Team zu haben. Ohne ihn wäre die Mannschaft viel besser. Warum Tita ihn nicht im Spiel gegen Costa Rica ausgewechselt hat, ist mir ein Rätsel. Mit seinen Attitüden zerstört er das Gefüge jeder Mannschaft. Von den drei Superstars ist er, was den Mannschaftssport betrifft, der undienlichste.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Nur die Bayern können die CSU noch retten

In der CSU sind sie zwar gläubig, jedoch nicht in dem Maß, mir abzunehmen, dass mir neulich Abends vor dem Schlafengehen eine wohlbekannte Gestalt erschien, der in einer mir vertrauten Stimme mich gebeten hat, in meinem Blog zu schreiben, nur gwamperter Uhus und Gschaftlhubers können auf die Idee kommen, vor einer Landtagswahl die Union mit der CDU aufkündigen zu wollen. Überrascht, jedoch immerhin noch so geistesgegenwärtig, diese Gestalt (dieser Person war so real, dass es mir nicht in den Sinn kam, einen Heiligen vor mir zu haben) nicht zu duzen, so dass mir eine Schelte wie jene, die ein französischer Jugendlicher, der Macron mit „Manu“ anredete, über sich ergehen lassen musste, erspart bleiben würde, frage ich, „sind Sie es, Herr Strauß“, worauf dieser lachend antwortete, zu Weihnachten würde Ilse Aigner bayerische Ministerpräsidentin sein. Als ich erwiderte, ob man in den Sphären, wo sie jetzt verkehrten, nur bayerisches Bier trinken dürfe, war Strauß längst weg. Er verschwand so schnell, wie er gekommen war. Da der große Vorsitzende immer recht hatte, konnte ich in dieser Nacht besonders gut schlafen – der Gedanke, die Männerriege der CSU könnte geschlossen Harakiri begehen, muss mich in den tiefst möglichen Schlaf versetzt haben. Wäre er mir an einem Wochenende erschienen, hätte ich womöglich richtig verschlafen. Die CSU bringt sich also selbst um. Dass die Partei ihren Suizidversuch kurz vor der Wahl startet, ist womöglich ihre Rettung, da dadurch die Chance, diesen noch abbrechen zu können, recht gut sind. 30 Prozent plus, vielleicht sogar 40 Prozent sollten reichen, um Söder zum Rücktritt zu bewegen. Unter der bodenständigen Aigner wird alles wieder so, wie es vor dem 01.07. war – die CSU und CDU werden wieder nebeneinander im Bundestag sitzen. Können die Bayern aber der Versuchung, Deutschland mit ihrer „Staatspartei“ womöglich wirklich kolonisieren zu können, widerstehen? Im Herbst werden wir wissen, ob sie glauben, nach der CSU würde man sich hierzulande sehnen. Angesichts deren Personals bin ich skeptisch. Seehofer fänden die Menschen sicherlich interessant, jedoch müsste die Begeisterung für ihn straußische Dimensionen annehmen, um eine Chance zu haben, sich gegen die alten Parteien zu etablieren. Sollten von der AfD Wähler überlaufen, dann nur, weil diesen deren Schmuddelimage zuwider ist. Söder ist eben kein Strauß, der Kohl viele Wähler abspenstig gemacht hätte, wäre seine CSU bundesweit angetreten. Wer auf 6,2 Prozent bei den letzten Wahlen zum Bundestag gekommen ist, der kann, wenn die Christdemokraten in Bayern antreten sollten, sich seines Einzugs wirklich nicht sicher sein. Mit Sicherheit würde die CSU dann in den Großstädten einbrechen. Da Seehofer und Söder im Augenblick von sich selbst berauscht sind, bleibt zu hoffen, dass sich die Bayern nicht anstecken lassen. Ausschließen kann man dies aber nicht.

Spätestens nun sollte den Briten klar sein, dass Theresa May den Brexit verbocken wird – ihr Knicks vor dem alten Establishment in Gestalt des 2. Thronfolgers zeigt, wie sehr sie sich den alten Werten des Königreichs verbunden fühlt. Konservativer geht es wirklich nicht.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Google kann errechnen, wann wir sterben

Eigentlich gibt es nichts, was Google nicht kann, dass die Mountain Viewer jedoch etwas wirklich Revolutionäres, das demzufolge nichts mit den Netz zu tun, entwickelt haben, kommt wirklich überraschend – Google ist nämlich in der Lage, dank eines Algorithmus jenen, die in Krankenhäusern stationär behandelt werden, mitzuteilen, wie lange sie noch zu leben haben, und das mit 95 bzw. 93 prozentiger Sicherheit. Wer wegen eines Beinbruchs im Krankenhaus liegt, braucht sich sicherlich keinen Sorgen zu machen, aufgrund der Analysen Googles im Flur oder gar draußen geparkt zu werden, denn bei denen fallen nicht genug Informationen, ohne die eine Analyse nicht möglich ist, an. Ob Patienten, die viel „Daten“ produzieren, nun Operationen erspart bleiben, die deren Leiden nur verlängern, scheint mir so gut wie ausgeschlossen zu sein – das hieße, der Algorithmus müsste Daten, die er erst nach dem Eingriff zu Verfügung hat, berücksichtigen. Chirurgen brauchen also vorerst nicht zu fürchten, dass Google ihnen die Arbeit wegnehmen könnte. Wie wird man mit den Daten umgehen? So recht weiß das wohl niemand. Es ist auch noch unklar, welchen Nutzen die Patienten haben könnten. (Ein Zyniker würde sagen, diese Software sei das beste Mittel gegen Prokrastination.) Wenigstens wissen die Internet-Nutzer jetzt, warum es Sinn macht, dass die Suchmaschine mehr über ihn als er über sich weiß – ohne deren Sammelwut wäre diese Software sicherlich nicht zustande gekommen. (Ich bin gespannt, was Facebook erfindet. Es wird aber ziemlich schwer, Google zu toppen). Vielleicht weiß man ja in Kalifornien schon, wie lange sich Politiker – natürlich mit Ausnahme Merkels, deren Art des Regierens es den Programmierern unmöglich macht, eine Software zu entwickeln, die in der Lage ist, zu entscheiden, ob Informationen und Ereignisse gut oder schlecht für sie sind – in ihren Ämtern halten können. Dank dieses Stils können ihr selbst Pläne, die sie ablehnt, nichts anhaben. So könnte Tusks Plan, Flüchtlinge außerhalb Europas ins Zentren, in denen über ihre Asylgesuche entschieden werden soll, zu verfrachten, sowie bereits registrierte Asylsuchende nicht in ein anderes EU-Land reisen zu lassen, ihr erlauben, Seehofer mit dem Hinweis, dass ihre Politik, alle ins Land zu lassen, sich in der EU nicht durchsetzen lässt, freie Hand zu lassen. Mit dieser Begründung könnte sie ihr Gesicht wahren. Im Stillen, so mein Eindruck, hofft Merkel darauf, dass den Europäern es wie den Deutschen, die sich eine Regierung ohne sie an der Spitze einfach nicht vorstellen können, ergehen möge. Da sie nicht wissen, wer nach ihr kommt, könnten sie angesichts eines drohenden Scheiterns ihrer Regierung eher bereit sein, Kompromisse zu machen (vielleicht ist das auch ein Grund, warum manche meinen, der Krach in der Union sei nur gespielt.) Wie dem auch sei, Merkel wird sich herauszuwinden wissen. Wenigstens ein Erdling, der Google widersteht.

PS: Spiegelonline hat es geschafft, den Mann, der als erster aus russischer Sicht Aktion auf der Krim analysiert hat, einzuladen. Sehr sehenswert. Man muss aber nicht alles teilen, was er sagt. Bspw. dass der Sturz des Zaren – Trenin meint, die Russen hätten die Angewohnheit, ihre Herrscher über Nacht aus dem Amt zu jagen – überraschend kam.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Ludwig XIV. hätte Robbie wohl nicht eingeladen

Glauben die Leute wirklich, Robbie Williams sei der Star der Eröffnungsfeier der WM gewesen? Als ich diese mir anschaute, hatte ich eine Stinkwut, da die Person, die über die Bildregie wachte, die Meinung zu haben schien, Robbie sei der wichtigste Mann auf dem Platz. Später stellte sich dann heraus, dass fast alle die Einschätzung des Bildregisseurs teilten – alle schrieben über ihn und dessen Stinkefinger, niemand über die Choreographie, die weitaus spektakulärer und beeindruckender als dessen Gesangskünste war. Dabei hatten doch die Russen für die erste popkulturelle Präsentation der Nationen gesorgt – man ließ weibliche Puppen in den Farben der Fahnen der teilnehmenden Länder auf einen überdimensionalen Fußball, den man zerschnitten hatte, um so allen Platz zu verschaffen, einmarschieren. Bunter ging es wirklich nicht, was auch daran lag, dass die Choreographen sich von der Mode der Azteken, das gilt speziell für deren Kopfschmuck, haben inspirieren lassen. Um nicht zu punkig daherzukommen, hat man die Puppen in Röcke ähnlich jenen, die Primaballerinas bei ihren Auftritten zu tragen pflegen, gesteckt. Ludwig XIV. hätte seiner helle Freude an der Show gehabt. Als Spezialist für Inszenierungen dieser Art wäre er jedoch nie auf die Idee gekommen, Robbie einzuladen. Mut zum Tonband wäre angesichts des Ideenreichtums der Designer angesagt gewesen. Seit Donnerstag weiß die Welt, dass die Russen auch Popkultur können. Dass sie die Klassik nicht verlernt haben, zeigten sie tags zuvor, als sie mit ihrem Pendant zu den 3 Tenören – kaum vorstellbar, aber vor 28 Jahren saßen 1 Milliarde Menschen vor den Fernsehern, um sich deren Konzert, das am Abend vor dem Endspiel stattfand, anzuschauen – die WM unter dem Label „Hochkultur“ inoffiziell eröffneten. Ganz so viele werden nicht geschaut haben (im Nachhinein stellt sich wirklich die Frage, ob die meisten nur wegen Pavarotti das Konzert verfolgten), aber immerhin ist einer aus dem Trio (Domingo) aufgetreten, das sogar mehrmals und, anders als Netrebko, die, wie sich am Mittwoch wieder zeigte, nicht unbedingt zu singen braucht, um im Mittelpunkt zu stehen, nie sein Metier verlassend. Höhepunkt war jedoch ein 8-jähriges Wunderkind, der sowohl von seinem Können als auch von seiner Art, sich zu geben, sehr dem Mozart, den wir aus dem Film kennen, ähnelt. Fußball gespielt wurde inzwischen auch schon, und das für den Zuschauer auf recht unterhaltsame Weise. Wegen mir das es so weitergehen. Eine, die das Ereignis immer nutzte, um sich ins rechte Licht zu rücken, könnte während der Zeit, in der ihre Beliebtheitswerte noch oben schnellten, ihr Fiasko erleben – niemand kann sagen, ob Merkel am Ende der Gruppenphase noch im Amt sein wird. Ein Supergau – Merkel weg, Löw ausgeschieden – ist nicht unwahrscheinlich. Robbie kann sich da nur zurücklehnen. Vermutlich hat er sich schon damit abgefunden, dass er keine Stadien mehr wird füllen können.

PS: Spiegelonline scheint die WM zu nutzen, um in puncto oberlehrerhafte Berichterstattung mit Überschriften wie „So wird Spanien nicht Weltmeister“ neue Maßstäbe zu setzen. Belehrender geht es wirklich nicht. Bin gespannt, ob sie das durchhalten.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Für Kim ist den Chinesen nichts zu teuer!

Jumbo statt IL-62, luxuriös kolonialer Schick statt spartanisch sozialistische Strenge – um Kim den Kapitalismus schmackhaft zu machen, haben die Chinesen alles aufgefahren, was möglich ist. Man weiß ja nicht, wann er wieder aus seinem Land herauskommt. Nach Peking nimmt er immer den Zug, der Tage brauchen soll, um dort anzukommen. Ob 3 Tag purer Luxus reichen, Kim davon zu überzeugen, dass der Weg, den sein übermächtiger Nachbar eingenommen hat, der richtige ist, wird die Zukunft zeigen. Jedenfalls haben die Chinesen sich für den Fall, dass Kim und Trump sich wieder übelst beschimpfen, nichts vorzuwerfen – sie haben alles getan, ihn umzustimmen bzw. anzuregen, ihr Model zu übernehmen. Hat er sich dazu entschlossen, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis Reisen wie jene nach Singapur zu einer normalen Sache werden. Bei der Aufmerksamkeit der Medien wird Kim jedoch Abstriche machen müssen. Und kaum jemand wird sich nach der Öffnung des Landes daran stören, dass Kim Atomwaffen hat. Weiß Trump, auf was er sich da eingelassen hat? Boomt Nordkorea, ist unter der Voraussetzung, dass die Chinesen ihre Nachbarn fair behandeln, die Anwesenheit der GIs in der Region völlig überflüssig. Den Chinesen kann ich nur gratulieren, denn ihnen ist Coup, von dem nur sie und die Leser dieses Blogs wissen, geglückt. Gerne würde ich den hiesigen Linken auch bescheinigen, eine weitsichtige Politik zu betreiben. Leider haben aber einige, allen voran Gysi, die Zeichen der Zeit nicht erkannt – statt wie die Chinesen darauf zu setzen, den Fortschritt, der am besten mit dem Kapitalismus zu erreichen ist, ins Land zu holen, haben sie nichts dagegen, wenn Menschen sich zu diesem aufmachen, sprich sich in Richtung Europa aufmachen. Soziale Gerechtigkeit, so Gysi, sei aber nur mit offenen Grenzen möglich. Deshalb sei er auch gegen eine Abschottung Europas. Da mit steigendem Angebot, also mehr Menschen, weniger gezahlt werden muss, besteht die soziale Gerechtigkeit darin, hier am Wohlstand teilhaben zu dürfen. Im Endeffekt läuft es darauf hinaus, dass jeder Opfer bringen muss, um den Migranten ein Leben, wie wir es führen, zu erlauben. Ob das als soziale Gerechtigkeit bezeichnet werden kann, wage ich zu bezweifeln. Mit solchen Argumenten kann man Teilen der Linken aber nicht kommen, wie Wagenknecht schmerzlich am Sonntag erfahren musste – eine Berliner Senatorin hat mit ihrer Art, Kritik zu üben, sogar ein Niveau, das dem Freislers ziemlich nahe kommt, erreicht. Was die Rote-Socken-Kampagne nicht geschafft hat, bekommt Merkel mit den Flüchtlingen hin – die Partei ist gerade dabei, sich zu zerfleischen. Derweil darf Kim, einer der schlimmsten Diktatoren der Gegenwart, dank der Chinesen von blühenden Landschaften träumen. Seinen hungernden Landsleuten sei es gegönnt.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Ist Trump vielleicht sogar ein Genie?

Der Mensch wächst mit seine Aufgaben, bei Trump jedoch scheinen diese, je länger er im Amt ist, dessen Fähigkeit, für Chaos zu sorgen, zu schärfen, denn sein jüngsten Vorschlag, Putin bzw. Russland wieder in die Runde der großen Wirtschaftsnationen aufzunehmen, stellt angesichts vieler unsinniger Projekte, die er angekündigt hat, umsetzen zu wollen – und das teilweise auch schon getan hat – (Mauer an Mexikos Grenzen zu den Staaten, Kündigung des Atom-Abkommens mit dem Iran), ein Quantensprung, den kaum jemand ihm zugetraut hätte, dar. Die Zukunft wird zeigen, ob er dieses Niveau halten kann. Putin wieder in den Klub der Privilegierten aufnehmen zu wollen, ist jedenfalls das Beste (und Originellste), was ihm bisher in seiner Amtszeit eingefallen ist. Ein Schachzug, der nur Könnern vorbehalten ist. Während aber beim Schach jeder Gegner wohlüberlegt retourniert hätte, haben die Europäer mit Ausnahme der Italiener sich nicht getraut, Bauer, Turm, Läufer, Pferd oder Dame (ich überlasse es den Schachspielern, zu entscheiden, mit welcher Figur Trump seinen halsbrecherischen Vorstoß gewagt haben könnte) zu schlagen. Statt sich die Schachfigur der Wahl zu holen, sind die Europäer bei ihrer starren Verteidigungstaktik, nämlich Russland wegen seiner angeblichen Annexionen weiter auszuschließen, geblieben. Trump war klar, dass Merkel und Co. ihren Standpunkt nicht ändern würden. Deshalb konnte er auch so tun, als ob er gerne jemanden in der Runde hätte, der die Zollerhöhungen auf Stahl und Aluminium als versteckte Sanktionen bezeichnet hat. Ein Einlenken hätten aus dem G6 zu 1 ein G7 plus 1 gemacht – Trump wäre beim nächsten Mal noch mehr unter Druck geraten. Die Europäer haben es versäumt, sich einen Verbündeten ins Boot zu holen. Vermutlich kommt die Ablehnung der Europäer Putin ganz recht an – sobald sich die beiden Freude wieder versöhnt hätten, was nach der nächsten Wahl nicht ausgeschlossen ist, wäre er wieder zum Buhmann degradiert worden. Wenn sich zwei, die sich mögen, streiten, bleibt man lieber weg. Stattdessen läuft es nun darauf hinaus, dass das Schicksal des Welthandels von der „mächtigsten Lady der Welt“ (so hat, wenn ich es richtig in Erinnerung habe, Trump Merkel gestern genannt) abhängt – er wartet darauf, was unsere Bundeskanzlerin ihm in Sachen Handelsbilanzreduzierung anzubieten hat. Da sie in Quebec ihm nichts vorlegen kann, lässt er den Gipfel einfach platzen. Man muss kein Prophet, um zu verkünden, dass die nächste Zollerhöhung bald kommen wird. Alles hängt nun von Merkel ab. Ich hätte auch schon einen Vorschlag, wie sie Trump versöhnlich stimmen könnte – nämlich indem sie die Bundesbürger fragt, welches amerikanische Produkt er besonders mag. Ich hoffe, dass Büffelfleisch so weit vorne landet, dass Altmaier nichts anderes übrig bleibt, als dieses in großen Mengen zollfrei zu importieren. Als es allen in den USA fast allen noch richtig gut ging, hätte ich nur welches von den Natives gegessen. Heute bin ich nicht mehr so wählerisch.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar