Nur Beckenbauers Eigentore sind schöner

Wenn schon eine Zeitung, die den Grünen nahesteht, sich gezwungen sieht, wegen des Gebarens einer Autofirma Merkels Euro-Parabel in eine abzuwandeln, in der zwar nicht Europa, sondern nur die Bundesrepublik danieder liegt, muss es sich um ein ziemlich arges Problem handeln – „scheitert VW, scheitert Deutschland“ glaubt die TAZ zu wissen. Wenn es nicht den Abgasskandal gäbe, wäre dies eine Feststellung, die durch eine kluge Wirtschaftspolitik korrigiert werden könnte, so dass es nach ein paar Jahren hieße, „scheitert VW, geht es Deutschland immer noch gut“. VW hätte dann den Stellenwert Renaults, das noch in den 70ern nur zu husten brauchte, um Frankreich eine Grippe aufzuhalsen. Diese Position hat, zum Wohle aller, der Konzern längst nicht mehr. Darüber, wie die Franzosen es geschafft haben, unabhängiger zu werden, kann ich nur Vermutungen anstellen (Stichwort Airbus, TGV). Während Renault allmählich Anfang der 80er in die Krise geriet, trifft es VW völlig unvorbereitet, was natürlich so nicht stimmt, denn lt. Spiegel hat der Konzern seit dem Mai des Jahres 2014 von den Problemen gewusst. Warum man bis heute es nicht geschafft hat, die Amerikaner zu beruhigen bzw. zu befrieden, ist mir als Laien unverständlich. Beim Jetta hätte der Einbau eines größeren Katalysators den Schadstoffausstoß erheblich gesenkt. Stattdessen hat man eine Software entwickelt, die den Katalysator zum Arbeiten bewegt, wenn in der Werkstatt kontrolliert wird, ob die Abgaswerte stimmen. Wenn nun überall zu lesen ist, „Made in Germany“ sei wegen der vielen Kratzer kaum mehr zu erkennen, ist das so nicht richtig. Wer ein Programm einbauen kann, mit dem die Prüfer getäuscht werden sollen (das auch noch recht erfolgreich), ist nicht technisch inkompetent, sondern verantwortungslos. Die Leute, die man beauftragt hat, die Technik für die Reinigung zu entwickeln, sind mit den neuesten Forschungsergebnissen bezüglich der Schäden, die Abgase anrichten können, vertraut. Außerdem dürfte dem Konzern bekannt sein, dass der Verbraucher Autos wünscht, die umweltfreundlich sind. Dennoch hat VW, obwohl dessen Ingenieure es besser hätten hinbekommen können, beim Katalysator Abstriche gemacht. Der Konzern hat sich sozusagen unter Wert verkauft, was für dieses Land ganz untypisch ist. Die Folgen sind nicht abzusehen. Für VW ist erst einmal gut, dass die hiesigen Medien, anders als der Guardian, noch nicht auf die Idee gekommen sind, auszurechnen, wie viele Tonnen Schadstoffe die Jettas und Passats ausgestoßen haben (fast eine Million). Das Ergebnis der Engländer ist verheerend. Zu behaupten, der Diesel würde mehr Menschen als die Pest erreichen, ist schon recht hart. Wenn es Zertifikate für Stickoxide geben würde (so wie beim Kohlendioxid), hätten die dank der Nachfrage der Wolfsburger, die diese den Inhabern um jeden Preis abkauften, dieser Tage ihren Höchststand erreicht.

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