Die Russen sind die wahren Sheriffs

Da Not erfinderisch macht bzw. diese, wenn man die englische Phrase wörtlich nimmt, die Mutter der Erfindung ist, wird klar, warum die Russen sich entschlossen haben, während des letzten Wahlkampfes in den USA einen Misogynisten zu unterstützen – im neuen Wettrüsten, das unvermeidlich zu sein scheint, ist Trump der Typ, der nicht anders kann, als mit Geld nur so um sich zu werfen, während den notorisch klammen Russen nichts weiter übrig bleibt, als etwas Neues, was im ersten Moment recht altmodisch klingen mag, zu setzen. Gegen Putins Supertorpedo, das in der Lage sein soll, mehr als 6000 Meilen mit 100 Knoten zurückzulegen, müssen u. a. U-Boote, die ihre Interkontinentalraketen vom Ozeanboden aus starten können (hoffentlich sagt niemand Trump, dass der Marianengraben über elf Kilometer tief ist), und neue stationäre Raketen herhalten. Dass die Amerikaner, die Innovationen lieben, die neue Waffe der Russen verachten, liegt an deren gegen Null tendierenden Umweltverträglichkeit – der Bombe wird nachgesagt, sie könne ganze Landstriche für lange Zeit unbewohnbar machen (Strahlung). Mit einer derart verheerenden Wirkung können die Bomben, die per Rakete an ihr Ziel befördert werden, nicht aufwarten. Vermutlich wäre alles anders, wenn Moskau an der Ostsee oder am Schwarzen Meer liegen würde. 28 Jahre nach dem Untergang des Kommunismus ist die Welt wieder in eine Situation, von der man Anfang der 90er Jahre geglaubt hat, es würde sie nie wieder geben, geraten. Und es sieht nicht so aus, als ob die Krise rasch überwunden werden könnte, was die Frage aufwirft, ob der jetzige Kalte Krieg in Puncto Sicherheit mit jenem, der mit dem Kollaps der Sowjetunion ein jähes Ende gefunden hat, mithalten kann. Ein Grund, warum wir uns damals sicher fühlten, könnte sein, dass man in dieser Zeit noch in der Lage war, zu bestimmen, was die Bevölkerung wissen muss. Aufnahmen wie jene mit dem russischen Abfangjäger, dessen Piloten versucht haben, mit ihren amerikanischen Kollegen zu flirten (im Straßenverkehr geht das wegen der hohen Fahrzeugdichte nur noch vor roten Ampeln). Da selbst SpiegelOnline, das nicht dafür bekannt ist, die Fähigkeiten Russlands hervorzuheben, ein Video ausgestrahlt hat, dessen Inhalt vermuten lässt, dass die Russen keine Gelegenheit auslassen, halsbrecherischen Manöver auszuführen, ist Schlimmes zu befürchten. (Mich würde nicht wundern, wenn bald eine Aufnahme, in der die Spitze eines Kampfflugzeuges ins Heck einer Transportmaschine reicht, zu sehen wäre. Aussteigen werden sie wohl aber noch nicht. Aber man weiß nie, denn bei den Russen ist alles möglich.) Vermutlich kommt bei den Amerikanern Heimweh auf, wenn sie russischen Jets begegnen – wenn ein Sheriff einen Fahrer auffordert, anzuhalten, empfiehlt es sich, dieser Bitte sofort zu entsprechen (in den meisten Filmen ist es jedenfalls so). Die Russen scheinen sich deren Gebaren aneignen zu wollen – um sich und den anderen Piloten nicht zu gefährden, bleibt den amerikanischen Piloten nichts übrig, als den Kurs, die Flughöhe und die Geschwindigkeit beizubehalten (ich werde wohl nicht mehr erleben, dass ein Jet anhalten muss). Abrupte Manöver können in einem Desaster enden (bis auf anderthalb Meter sollen sich die Russen genähert haben).

PS: Die Russen sehen die Dinge natürlich anders. Sie glauben, die Amerikaner planen, auf Nuklearwaffen jetzt schon bei einem Angriff mit konventionellen Waffen zurückzugreifen.

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