Die Kryptos sind auf dem Vormarsch

Warum sind alle so verrückt auf Kryptos wie z. B. Bitcoin, wenn man mit ihnen, jedenfalls hierzulande, fast nirgendwo etwas kaufen kann? Wer erfahren will, wie es ist, nicht mit Bargeld oder einer Kreditkarte zu zahlen, muss nach Prag fahren, wo Kryptos immerhin in 131 Geschäften, Restaurants etc. angenommen werden. Wer die Stadt zu Fuß erkunden will – ein Taxi (Uber?) ist vielleicht noch drin – kommt mit den Kryptos sicherlich gut über die Runden. Das Liebenswerte an Prag ist schließlich, dass es kein Museum hat, das man unbedingt besuchen muss, um sagen zu können, man habe alles gesehen (die nehmen sicherlich keine Kryptos). Stressfreier geht es wirklich nicht, auch weil man sich um den Geldtausch nicht kümmern muss. Und zu guter Letzt ist da ein Grad der Exklusivität, für den die Reichen viel Geld auf den Tisch legen müssen (der Euro-Besitzer wird da blass vor Neid). Wie ich auf Prag komme? Als ich bei Coinmap herausfinden wollte, wo ich die Kryptos loswerden kann, ist zu meiner großen Überraschung auf der Karte „Praha“ angezeigt worden. Im Nachhinein ist es natürlich völlig logisch, dass in Ländern, die noch ihre nationale Währung haben, sich viele Unternehmen finden, die die neuen Währungen akzeptieren (das ist erst recht der Fall, wenn der Ort in jedem Sommer von Touristen überrollt wird). So weit, so gut, nur was mache ich, wenn ich stolzer Besitzer eines Bitcoins, für das man heute knapp $12.000 bekommen hat, bin? Das entzieht sich meiner Kenntnis, jedoch vermute ich, mich nach der Andeutung, in Bitcoins zu zahlen, im Kundenhimmel, die einer Vorstufe des Paradieses darstellt, wähnen zu dürfen. Was nutzt mir eine Währung, deren kleinste Einheit mir ermöglicht, mir einen Kleinwagen zu kaufen? Obwohl immer zu lesen ist, mit dem Blockchain ließen sich Werte elektronisch übertragen, habe ich den Eindruck, es müsse sich um elektronisches Gold handeln. Was würde August der Starke, der sich bestens mit Gold, das keines ist, auskennt, über den neuen Rohstoff (es ist ja immer von „Mining“, also Abbau, die Rede) sagen? Schließlich hat es eine Weile gebraucht, bis man in Sachsen merkte, was man mit dem „Weißen Gold“ machen kann. Eines haben Bitcoins und Gold, wenn man von den Zeiten am Yukon mal absieht, gemeinsam – es bedarf viel Energie, um sie zu gewinnen. Wegen des hohen Energieverbrauchs haben sich die Chinesen entschlossen, die Gewinnung dieses Kryptos zu verbieten. Für Ersatz ist schon gesorgt – ein Investor hat zwei Kraftwerke, mit deren Hilfe Coins produziert werden sollen, erworben. Der Hype geht also weiter. Tröstlich daran ist, dass sie zu viel Wert haben, um sie als normale Zahlungsmittel zu nutzen. Aber das wird auch noch kommen. Kryptos, die an den Euro und den Dollar gekoppelt sind. Die Welt wartet darauf.

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