45 years – eine Ewigkeit

In 3:20 Minute hat Loriot, als er im Jahr 1975 daranging, jenen, die wissen wollen, was sie erwartet, wenn sie länger als 30 Jahre verheiratet sind (einige Männer werden das Bedürfnis, ungestört ein halbe Stunde still ganz für sich allein sitzen zu dürfen, schon nach wenigen Wochen haben), alles Wissenswerte über den Alltag eines älteren Ehepaares geschildert. Andrew Haig nimmt sich 40 Jahr später mehr Zeit, genau 92:40 Minuten ist sein Film „45 years“ länger als von Bülows Sketch. Wenn meine Phantasie nicht mit mir Schlitten gefahren ist, was wegen der ungewohnten Langatmigkeit, an die ich mich erst gewöhnen musste, durchaus sein kann, ähneln sich wieder Erwarten die beiden Frauen. Natürlich wirbelt Rampling nicht in der Küche herum wie die stimmgewaltige Dame in Loriots Zeichentrickfilm. Sie trägt auch kein Kleid, sondern die engsten Jeans, die es in ihrer Größe gibt. Damit ist schon gesagt, wer bei den Mercers (so heißt sie im Film) die Hosen anhat, jedoch wird trotz ihres burschikosen Aufzugs schnell klar, dass ihr etwas fehlt, über das die besagte Dame verfügt, nämlich Pep, Temperament und ein gewisses Etwas, das eine Person interessant macht. Während Loriots Erfindung kantiger nicht sein kann, ist Mrs Mercer eine Frau, die stromlinienförmig (andere würden das Wort weltgewandt gebrauchen) durchs Leben gleitet, jedoch nicht wie ein Delphin, der freudig aus dem Wasser springt, wenn er einem Boot begegnet, sondern wie Lebewesen, das weiter tiefer im Ozean beheimatet sind. Da der Regisseur ihren Ehemann in der Woche, die er uns zeigt, in eine Sinnkrise hineinrutschen lässt, fehlt ihr,, die von den Gegensätzen lebt, jemand, der völlig anders als sie ist. Dadurch wird er Film nicht unbedingt schlechter, spannender wird er aber auch nicht. Kino zum Entschleunigen. Wer beabsichtigt, Urlaub an einen Ort, wo absolut nichts passiert zu machen, kann mit einem Besuch des Films testen, ob der für ihn der richtige ist. Das heißt nicht, dass „45 years“ schlecht ist. Ganz im Gegenteil. Man muss nur mit der richtigen Einstellung in den Film gehen. Dann wird es auch etwas mit dem Sehen.

Fürchten angesichts der Flüchtlingspolitik Merkels unsere „Staatsmedien“ den Zorn des Volkes so sehr, dass sie darauf verzichten, zu berichten, dass Russen vor 3 Jahren dem Westen angeboten haben, mit deren Unterstützung in Syrien eine Regierung ohne Assads Beteiligung zu bilden? Weil die drei westlichen Alliierten glaubten, Assad würde schnell gestürzt werden, seien sie lt. dem Guardien nicht auf den Vorschlag eingegangen. Ein fataler Irrtum. Die Folgen sehen wir jetzt. Statt über diese wichtige Enthüllung zu berichten, zieht der Spiegel es vor, Russland zu unterstellen, es würde Syrien spalten. Was muss die „Herzogin von der Willy-Brand-Straße“ noch tun, um heftig kritisiert zu werden? Dass sich aufgrund Merkels Ankündigung, jeder könne kommen, die ersten Trecks in Bewegung setzen, nehmen die Medien als Gottesschicksal hin. Einzig und allein die FAZ hat sich getraut, Merkel dafür zu kritisieren. Sie scheint nicht bereit zu sein, die Einladung zurückzuziehen. Wenn ich schon jemand einlade, dann habe ich dafür zu sorgen, dass dieser sein Ziel erreicht, ohne andere Leute zu belästigen – darum keine Anreise auf dem Landweg über den Balkan, sondern per Flugzeug.

Herrn Maas wird es nicht gefallen, nichtsdestotrotz kann ich es mir nicht verkneifen, auf ein Karikatur, die viele als geschmacklos empfinden, hinzuweisen – Charlie Hebdo hat eine Karikatur, in der Jesus über das Wasser läuft, während ein Kleinkind ertrinkt, veröffentlicht hat. Nun ist kaum noch einer Charlie. Ich bin noch nie einer gewesen. Mein Gefühl sagt mir, es zu verlinken.

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