Google kann errechnen, wann wir sterben

Eigentlich gibt es nichts, was Google nicht kann, dass die Mountain Viewer jedoch etwas wirklich Revolutionäres, das demzufolge nichts mit den Netz zu tun, entwickelt haben, kommt wirklich überraschend – Google ist nämlich in der Lage, dank eines Algorithmus jenen, die in Krankenhäusern stationär behandelt werden, mitzuteilen, wie lange sie noch zu leben haben, und das mit 95 bzw. 93 prozentiger Sicherheit. Wer wegen eines Beinbruchs im Krankenhaus liegt, braucht sich sicherlich keinen Sorgen zu machen, aufgrund der Analysen Googles im Flur oder gar draußen geparkt zu werden, denn bei denen fallen nicht genug Informationen, ohne die eine Analyse nicht möglich ist, an. Ob Patienten, die viel „Daten“ produzieren, nun Operationen erspart bleiben, die deren Leiden nur verlängern, scheint mir so gut wie ausgeschlossen zu sein – das hieße, der Algorithmus müsste Daten, die er erst nach dem Eingriff zu Verfügung hat, berücksichtigen. Chirurgen brauchen also vorerst nicht zu fürchten, dass Google ihnen die Arbeit wegnehmen könnte. Wie wird man mit den Daten umgehen? So recht weiß das wohl niemand. Es ist auch noch unklar, welchen Nutzen die Patienten haben könnten. (Ein Zyniker würde sagen, diese Software sei das beste Mittel gegen Prokrastination.) Wenigstens wissen die Internet-Nutzer jetzt, warum es Sinn macht, dass die Suchmaschine mehr über ihn als er über sich weiß – ohne deren Sammelwut wäre diese Software sicherlich nicht zustande gekommen. (Ich bin gespannt, was Facebook erfindet. Es wird aber ziemlich schwer, Google zu toppen). Vielleicht weiß man ja in Kalifornien schon, wie lange sich Politiker – natürlich mit Ausnahme Merkels, deren Art des Regierens es den Programmierern unmöglich macht, eine Software zu entwickeln, die in der Lage ist, zu entscheiden, ob Informationen und Ereignisse gut oder schlecht für sie sind – in ihren Ämtern halten können. Dank dieses Stils können ihr selbst Pläne, die sie ablehnt, nichts anhaben. So könnte Tusks Plan, Flüchtlinge außerhalb Europas ins Zentren, in denen über ihre Asylgesuche entschieden werden soll, zu verfrachten, sowie bereits registrierte Asylsuchende nicht in ein anderes EU-Land reisen zu lassen, ihr erlauben, Seehofer mit dem Hinweis, dass ihre Politik, alle ins Land zu lassen, sich in der EU nicht durchsetzen lässt, freie Hand zu lassen. Mit dieser Begründung könnte sie ihr Gesicht wahren. Im Stillen, so mein Eindruck, hofft Merkel darauf, dass den Europäern es wie den Deutschen, die sich eine Regierung ohne sie an der Spitze einfach nicht vorstellen können, ergehen möge. Da sie nicht wissen, wer nach ihr kommt, könnten sie angesichts eines drohenden Scheiterns ihrer Regierung eher bereit sein, Kompromisse zu machen (vielleicht ist das auch ein Grund, warum manche meinen, der Krach in der Union sei nur gespielt.) Wie dem auch sei, Merkel wird sich herauszuwinden wissen. Wenigstens ein Erdling, der Google widersteht.

PS: Spiegelonline hat es geschafft, den Mann, der als erster aus russischer Sicht Aktion auf der Krim analysiert hat, einzuladen. Sehr sehenswert. Man muss aber nicht alles teilen, was er sagt. Bspw. dass der Sturz des Zaren – Trenin meint, die Russen hätten die Angewohnheit, ihre Herrscher über Nacht aus dem Amt zu jagen – überraschend kam.

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Ludwig XIV. hätte Robbie wohl nicht eingeladen

Glauben die Leute wirklich, Robbie Williams sei der Star der Eröffnungsfeier der WM gewesen? Als ich diese mir anschaute, hatte ich eine Stinkwut, da die Person, die über die Bildregie wachte, die Meinung zu haben schien, Robbie sei der wichtigste Mann auf dem Platz. Später stellte sich dann heraus, dass fast alle die Einschätzung des Bildregisseurs teilten – alle schrieben über ihn und dessen Stinkefinger, niemand über die Choreographie, die weitaus spektakulärer und beeindruckender als dessen Gesangskünste war. Dabei hatten doch die Russen für die erste popkulturelle Präsentation der Nationen gesorgt – man ließ weibliche Puppen in den Farben der Fahnen der teilnehmenden Länder auf einen überdimensionalen Fußball, den man zerschnitten hatte, um so allen Platz zu verschaffen, einmarschieren. Bunter ging es wirklich nicht, was auch daran lag, dass die Choreographen sich von der Mode der Azteken, das gilt speziell für deren Kopfschmuck, haben inspirieren lassen. Um nicht zu punkig daherzukommen, hat man die Puppen in Röcke ähnlich jenen, die Primaballerinas bei ihren Auftritten zu tragen pflegen, gesteckt. Ludwig XIV. hätte seiner helle Freude an der Show gehabt. Als Spezialist für Inszenierungen dieser Art wäre er jedoch nie auf die Idee gekommen, Robbie einzuladen. Mut zum Tonband wäre angesichts des Ideenreichtums der Designer angesagt gewesen. Seit Donnerstag weiß die Welt, dass die Russen auch Popkultur können. Dass sie die Klassik nicht verlernt haben, zeigten sie tags zuvor, als sie mit ihrem Pendant zu den 3 Tenören – kaum vorstellbar, aber vor 28 Jahren saßen 1 Milliarde Menschen vor den Fernsehern, um sich deren Konzert, das am Abend vor dem Endspiel stattfand, anzuschauen – die WM unter dem Label „Hochkultur“ inoffiziell eröffneten. Ganz so viele werden nicht geschaut haben (im Nachhinein stellt sich wirklich die Frage, ob die meisten nur wegen Pavarotti das Konzert verfolgten), aber immerhin ist einer aus dem Trio (Domingo) aufgetreten, das sogar mehrmals und, anders als Netrebko, die, wie sich am Mittwoch wieder zeigte, nicht unbedingt zu singen braucht, um im Mittelpunkt zu stehen, nie sein Metier verlassend. Höhepunkt war jedoch ein 8-jähriges Wunderkind, der sowohl von seinem Können als auch von seiner Art, sich zu geben, sehr dem Mozart, den wir aus dem Film kennen, ähnelt. Fußball gespielt wurde inzwischen auch schon, und das für den Zuschauer auf recht unterhaltsame Weise. Wegen mir das es so weitergehen. Eine, die das Ereignis immer nutzte, um sich ins rechte Licht zu rücken, könnte während der Zeit, in der ihre Beliebtheitswerte noch oben schnellten, ihr Fiasko erleben – niemand kann sagen, ob Merkel am Ende der Gruppenphase noch im Amt sein wird. Ein Supergau – Merkel weg, Löw ausgeschieden – ist nicht unwahrscheinlich. Robbie kann sich da nur zurücklehnen. Vermutlich hat er sich schon damit abgefunden, dass er keine Stadien mehr wird füllen können.

PS: Spiegelonline scheint die WM zu nutzen, um in puncto oberlehrerhafte Berichterstattung mit Überschriften wie „So wird Spanien nicht Weltmeister“ neue Maßstäbe zu setzen. Belehrender geht es wirklich nicht. Bin gespannt, ob sie das durchhalten.

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Für Kim ist den Chinesen nichts zu teuer!

Jumbo statt IL-62, luxuriös kolonialer Schick statt spartanisch sozialistische Strenge – um Kim den Kapitalismus schmackhaft zu machen, haben die Chinesen alles aufgefahren, was möglich ist. Man weiß ja nicht, wann er wieder aus seinem Land herauskommt. Nach Peking nimmt er immer den Zug, der Tage brauchen soll, um dort anzukommen. Ob 3 Tag purer Luxus reichen, Kim davon zu überzeugen, dass der Weg, den sein übermächtiger Nachbar eingenommen hat, der richtige ist, wird die Zukunft zeigen. Jedenfalls haben die Chinesen sich für den Fall, dass Kim und Trump sich wieder übelst beschimpfen, nichts vorzuwerfen – sie haben alles getan, ihn umzustimmen bzw. anzuregen, ihr Model zu übernehmen. Hat er sich dazu entschlossen, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis Reisen wie jene nach Singapur zu einer normalen Sache werden. Bei der Aufmerksamkeit der Medien wird Kim jedoch Abstriche machen müssen. Und kaum jemand wird sich nach der Öffnung des Landes daran stören, dass Kim Atomwaffen hat. Weiß Trump, auf was er sich da eingelassen hat? Boomt Nordkorea, ist unter der Voraussetzung, dass die Chinesen ihre Nachbarn fair behandeln, die Anwesenheit der GIs in der Region völlig überflüssig. Den Chinesen kann ich nur gratulieren, denn ihnen ist Coup, von dem nur sie und die Leser dieses Blogs wissen, geglückt. Gerne würde ich den hiesigen Linken auch bescheinigen, eine weitsichtige Politik zu betreiben. Leider haben aber einige, allen voran Gysi, die Zeichen der Zeit nicht erkannt – statt wie die Chinesen darauf zu setzen, den Fortschritt, der am besten mit dem Kapitalismus zu erreichen ist, ins Land zu holen, haben sie nichts dagegen, wenn Menschen sich zu diesem aufmachen, sprich sich in Richtung Europa aufmachen. Soziale Gerechtigkeit, so Gysi, sei aber nur mit offenen Grenzen möglich. Deshalb sei er auch gegen eine Abschottung Europas. Da mit steigendem Angebot, also mehr Menschen, weniger gezahlt werden muss, besteht die soziale Gerechtigkeit darin, hier am Wohlstand teilhaben zu dürfen. Im Endeffekt läuft es darauf hinaus, dass jeder Opfer bringen muss, um den Migranten ein Leben, wie wir es führen, zu erlauben. Ob das als soziale Gerechtigkeit bezeichnet werden kann, wage ich zu bezweifeln. Mit solchen Argumenten kann man Teilen der Linken aber nicht kommen, wie Wagenknecht schmerzlich am Sonntag erfahren musste – eine Berliner Senatorin hat mit ihrer Art, Kritik zu üben, sogar ein Niveau, das dem Freislers ziemlich nahe kommt, erreicht. Was die Rote-Socken-Kampagne nicht geschafft hat, bekommt Merkel mit den Flüchtlingen hin – die Partei ist gerade dabei, sich zu zerfleischen. Derweil darf Kim, einer der schlimmsten Diktatoren der Gegenwart, dank der Chinesen von blühenden Landschaften träumen. Seinen hungernden Landsleuten sei es gegönnt.

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Ist Trump vielleicht sogar ein Genie?

Der Mensch wächst mit seine Aufgaben, bei Trump jedoch scheinen diese, je länger er im Amt ist, dessen Fähigkeit, für Chaos zu sorgen, zu schärfen, denn sein jüngsten Vorschlag, Putin bzw. Russland wieder in die Runde der großen Wirtschaftsnationen aufzunehmen, stellt angesichts vieler unsinniger Projekte, die er angekündigt hat, umsetzen zu wollen – und das teilweise auch schon getan hat – (Mauer an Mexikos Grenzen zu den Staaten, Kündigung des Atom-Abkommens mit dem Iran), ein Quantensprung, den kaum jemand ihm zugetraut hätte, dar. Die Zukunft wird zeigen, ob er dieses Niveau halten kann. Putin wieder in den Klub der Privilegierten aufnehmen zu wollen, ist jedenfalls das Beste (und Originellste), was ihm bisher in seiner Amtszeit eingefallen ist. Ein Schachzug, der nur Könnern vorbehalten ist. Während aber beim Schach jeder Gegner wohlüberlegt retourniert hätte, haben die Europäer mit Ausnahme der Italiener sich nicht getraut, Bauer, Turm, Läufer, Pferd oder Dame (ich überlasse es den Schachspielern, zu entscheiden, mit welcher Figur Trump seinen halsbrecherischen Vorstoß gewagt haben könnte) zu schlagen. Statt sich die Schachfigur der Wahl zu holen, sind die Europäer bei ihrer starren Verteidigungstaktik, nämlich Russland wegen seiner angeblichen Annexionen weiter auszuschließen, geblieben. Trump war klar, dass Merkel und Co. ihren Standpunkt nicht ändern würden. Deshalb konnte er auch so tun, als ob er gerne jemanden in der Runde hätte, der die Zollerhöhungen auf Stahl und Aluminium als versteckte Sanktionen bezeichnet hat. Ein Einlenken hätten aus dem G6 zu 1 ein G7 plus 1 gemacht – Trump wäre beim nächsten Mal noch mehr unter Druck geraten. Die Europäer haben es versäumt, sich einen Verbündeten ins Boot zu holen. Vermutlich kommt die Ablehnung der Europäer Putin ganz recht an – sobald sich die beiden Freude wieder versöhnt hätten, was nach der nächsten Wahl nicht ausgeschlossen ist, wäre er wieder zum Buhmann degradiert worden. Wenn sich zwei, die sich mögen, streiten, bleibt man lieber weg. Stattdessen läuft es nun darauf hinaus, dass das Schicksal des Welthandels von der „mächtigsten Lady der Welt“ (so hat, wenn ich es richtig in Erinnerung habe, Trump Merkel gestern genannt) abhängt – er wartet darauf, was unsere Bundeskanzlerin ihm in Sachen Handelsbilanzreduzierung anzubieten hat. Da sie in Quebec ihm nichts vorlegen kann, lässt er den Gipfel einfach platzen. Man muss kein Prophet, um zu verkünden, dass die nächste Zollerhöhung bald kommen wird. Alles hängt nun von Merkel ab. Ich hätte auch schon einen Vorschlag, wie sie Trump versöhnlich stimmen könnte – nämlich indem sie die Bundesbürger fragt, welches amerikanische Produkt er besonders mag. Ich hoffe, dass Büffelfleisch so weit vorne landet, dass Altmaier nichts anderes übrig bleibt, als dieses in großen Mengen zollfrei zu importieren. Als es allen in den USA fast allen noch richtig gut ging, hätte ich nur welches von den Natives gegessen. Heute bin ich nicht mehr so wählerisch.

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Es ist nicht einfach, Antifaschist zu sein

Hätte der Antifaschist, der glaubt, einem Nazis die Sachen gestohlen zu haben, als dieser dort, wo die Gutbetuchten Potsdams ins Wasser zu gehen pflegen (da diese immer die schönsten Flecken für sich in Anspruch nehmen, ist, auch wegen des frühen „Badens“, nicht anzuschließen, dass es in der Stadt heiße Quellen gibt, über die das gemeine Volk nichts wissen darf), badete, doch lieber geschwiegen – eben wie jene Person, die Don Camillos Priestersachen (Minute 45:00) still und heimlich stahl, als dieser sich im Po abkühlte. Nazis bräuchten keinen Badespaß soll der Antifaschist gesagt haben, als er Gaulands Sachen entwendete. Sicherlich ist es zu früh, daraus zu schlussfolgern, in Deutschland müsse man erst zu einem Faschisten werden, um diese Art des Schabernacks zu erleben. Wo die sind, da ist auch der Antifaschist, wie der Fall in Potsdam zeigt. Dass Gauland kein Nazi ist spielt nur eine untergeordnete Rolle, denn ohne die Abstemplung zum Nazi gäbe es keine Antifaschisten, die sich mit ihn anlegen. Hätte er vorigen Dienstag sich in Badehosen auf dem Heimweg machen müssen, wenn die Medien zum Schluss gekommen wären, Gauland sei ein Deutschnationaler oder -konservativer? Also jene Typen, die den „Vogelschiss“ dank ihrer krankhaften Deutschtümelei erst möglich gemacht haben. Muss jemand, der von 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte fabuliert, nicht glauben, Hitler und die Nazis können nur Betriebsunfall sein? Es wird wohl ewig Gaulands Geheimnis bleiben, wie er auf die 1000 Jahre kommt (als Deutschland ging es ja erst vor ungefähr 150 Jahren los). Vorher herrschte Kleinstaaterei, sprich Goethe war Hesse (selbst in Weimar „hesselte“ er noch schlimmer als Heinz Scheck in seinen besten Bocktagen) und Beethoven Rheinländer (wie Cohrs). Das Deutschland, das nicht existiert, hat sich wenigstens beim Sklavenhandel und der Kolonisierung (nach der Gründung des Reiches sah das natürlich ganz anders aus) zurückgehalten. Ich weiß nicht, ob Gauland darauf stolz ist, dass sein Land, das nur die Sprache einte, bei der Aufteilung der Welt zu spät gekommen ist. Als sich seine Deutschen dann ihren Anteil holen wollte, scheiterten sie zweimal spektakulär. Ein Gutes hat die Botschaft im Vergleich zu den Parolen, die seine Gesinnungsgenossen in den 20ern des vorigen Jahrhunderts herausposaunt haben (Stichwort Versailles), dennoch – ein erfolgreiches Land hat es nicht nötig, eine Schmach zu tilgen, sprich mit ihm müssen wir nicht in den Krieg ziehen. Der Antifaschist muss jetzt entscheiden, ob er noch einer sein will. Man kann ja auch im Stillen weiter einer bleiben.

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Apple wird bald zum Sandmännchen

Das schafft nur Apple, nämlich den Leuten ein iPhone, das darüber entscheidet, wann es Zeit für sie ist, ihr Spielzeug, von dem viele einfach nicht lassen können, beiseite zu legen (bspw. um zu schlafen), als Errungenschaft, die sie davor schützt, süchtig oder krank zu werden, zu verkaufen – da die neuen Features den Apple-Jüngern erlauben, als Nutzer-Pioniere wieder Geschichte schreiben zu dürfen, kann es für sie nichts Schöneres geben, als sich von diesem Gerät, das er abgöttisch verehrt, vorschreiben zu lassen, wie sein Tagesablauf auszusehen hat. Ähnliches hat nur der ostdeutsche Sandmann bei Kindern unter 3 Jahren geschafft – wer ihn gesehen hat, wollte bloß noch ins Bett. 8 Mark im Monat – Rundfunkgebühren, von denen ich nicht mehr wusste, dass es sie gab (der Mythos, in der DDR war alles für umsonst, lebt) – hat der Einschlafservice jenen gekostet, die den Fernseher nur wegen des Sandmännchens angemacht haben. Ein Babysitter würde bei diesem Betrag nach der Hälfte der Wegstrecke wieder umkehren. Ob nach der Acht zwei Nullen stehen müssen, um in den Genuss zu kommen, ein Gadget zu erwerben, dessen Nutzung limitiert ist, weiß ich nicht. Billig wird es jedenfalls nicht. Angesichts der Preise, die Apple nimmt, stellt sich schon die Frage, ob das iPhone nicht viel mehr auf den Kasten haben sollte, als anhand der Nutzungsdauer sowie der Uhrzeit zu beurteilen, wann Schluss ist. Ich denke da an eine Software, die regelmäßig die Augen mit dem Ziel scannt, bei deren Überlastung das iPhone automatisch abzuschalten bzw. nur noch Dienste non-visueller Natur zuzulassen, was die Spracherkennung Apples (das wird natürlich nicht Alexa sein) in der Feierabend-Rushhour vor einige Probleme stellen dürfte (endlich reden die Leute wieder im Bus und in der Straßenbahn). Ob es Sinn macht, noch mehr Tests durchzuführen, wie bspw. die Gehirnströme zu messen oder den Teint zu untersuchen, weiß ich nicht. Sicher bin ich mir nur, dass in ein paar Jahren, wenn diese Features zur Selbstverständlichkeit geworden sind, wir darauf hoffen können, dass diese Software eingesetzt wird, um Leute vor Unfällen zu bewahren. Bei 600 Krankenwagen-Anforderungen in drei Jahren bräuchte Amazon Software dieser Art eigentlich schon heute (ein vergleichbarer Konkurrent kam auf 8). Aber daran ist im Augenblick nicht zu denken. Amazon ergeht es wie Helmut Kohl, den nach jeder seiner Wiederwahlen niemand gewählt haben wollte (ein Beispiel dafür, dass eine Statistik nicht unbedingt falsch ein muss). Zum Glück halt dieses Phänomen nicht ewig. Spätestens wenn Amazon die Ware per Drohnen abschickt wird die Firma in Schwierigkeiten geraten – sollten die Fluggeräte ihr Ziel nicht per Autopilot finden, wird über unseren Köpfen das wahre Chaos ausbrechen, denn wer Amazon kennt, der weiß, dass deren Drohnenpiloten gleich mehrere auf einmal werden steuern dürfen.

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Il Signore „Schere“ muss es nun richten

Wie kann ein Präsident Signore „Schere“, der so heißt, weil er während seiner Arbeit für den Internationalen Währungsfonds sich den Ruf erarbeitet hat, die Staatsausgaben radikaler als seine Kollegen zurückzuschneiden, damit beauftragen, eine Regierung zu bilden, wenn die Mehrheit der Italiener Parteien, die mehr Geld ausgeben wollen, gewählt haben? Die Antwort liefert Brecht, der die Frage gestellt hat, ob es für den Fall, wenn das Volk das Vertrauen der Regierung verscherzt habe, nicht einfacher sein würde, das Volk aufzulösen und ein anderes zu wählen. Dass ausgerechnet Oettinger, von dem ich immer dachte, er würde Brecht überhaupt nicht kennen, nun darauf hofft, den Märkten könnte es gelingen, das Volk auszutauschen bzw. diesem klarzumachen, dass an der Misere Italiens jene, die das Land noch nie regiert haben, verantwortlich sind, hat mich dann doch überrascht. Ob Herr „Schere“ die Italiener in den Wochen bis zu den Neuwahlen davon überzeugt, dass nur eine Austeritätspolitik a la Griechenland dem Land weiterhilft, ist höchst zweifelhaft. Schere“ wird einen Haushalt, der den Regeln der EU entspricht, aufstellen. Die Märkte werden dann bei jedem Versuch, diesen zu kippen, ihren Unmut kundtun, bspw. indem sie sich beim Kauf der Staatsanleihen zurückhalten, so dass der Staat höhere Zinsen zahlen muss, um sie zu überzeugen. Wie das bei den Italienern ankommt, kann ich nicht beurteilen. Wegen „Schere“ und Oettinger können sich die Rechten nun berechtigte Hoffnungen machen, in vier Jahren gebührend die Machtübernahme Mussolinis, die sich dann zum 100sten Male jährt, feiern zu können. Und das nur, weil die Brünings einfach nicht aussterben wollen. Wenn ich dann heute lese noch lese, Abramowitsch sei israelischer Staatsbürger geworden, habe ich fast das Gefühl, im Auge des Hurrikans zu sitzen. Hat er Angst, Putin könnte ihn nicht mehr aus seinem Reich lassen? Fast sieht es so. Die Furcht, verarmt im Westen wie jene Russen, die vor den Bolschewiken geflohen sind, zu enden, muss groß sein. Ein maltesischer oder ein zyprischer Pass wäre ihm sicherlich lieber gewesen. Der hätte ihm ermöglicht, sich ohne Einschränkungen in der EU bewegen zu können. Wegen des Aufschreis hierzulande (und sich nicht jene Landsleute, die bereits Pässe haben, zum Feinde zu machen) hat er darauf verzichtet, sich dort formal niederzulassen. Dass es dennoch Grund zur Hoffnung gibt, liegt an Soros, der in Britannien eine Kampagne, die das Ziel hat, das Volk noch einmal über den Brexit abstimmen zu lassen, starten will. Geld scheint genug das zu sein. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass er auf Corbyn, der gegen die Austeritätspolitik ist, setzt. Leider hat der mit der EU nicht viel am Hut. Vielleicht sollte ihm jemand begreiflich machen, dass er Europa braucht, um seine Pläne umzusetzen. Herr „Schere“ wäre dann endlich Geschichte.

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„Solo“ – ein Plädoyer für die Abrüstung

„Solo A Star Wars Story“ – dass ausgerechnet unter dem Label der Star Wars-Reihe, deren Filme jedes Mal aufs Neue die Erwartungen der Kinogänger, wie eine Materialschlacht auszusehen habe, nach oben geschraubt haben, ein Werk darunter sein könnte, das das gute alte Abenteuergenre, das ich schon für ausgestorben hielt, zu neuem Leben erweckt, hat sich von den vielen Fans, von denen der eine oder andere schon mal mit seinem Lichtschwert die Besucher während der Vorstellung erheitert, niemand vorstellen können. Der Schock ist so groß, dass viele Kritiker den Film verreißen und die Fangemeinde sich nicht in den Kinos blicken lässt. Mit einem Schwert ist jedenfalls niemand erschienen. Er hätte auch keine Gelegenheit gehabt, es zu ziehen, denn in „Solo“ kommen die Charaktere, die in der Lage sind, die Dinger zu führen, gar nicht vor. „Solo“ spielt im Milieu des Prekariats, in dem man, ganz im Gegensatz zu heute, wo nur ein Lottogewinn à la Erwin Lindemanns Reichtum ermöglicht, durch Piraterie zu einem gemachten Mann werden kann. Diese Form des asymmetrischen Krieges braucht keine Schlachtschiffe, sondern wendige Boote, mit denen man unverhofft zuschlagen kann. Und natürlich bedarf es einen Charakters wie „Han Solo“, der alles mitbringt, um ein guter Piratenkapitän zu werden – wichtig ist, nicht albern und affektiert wie Jack Sparrow zu sein. Hyper-männlich wie Kapitän Vallo kommt Han, der ja erst Azubi ist (ich glaube, ich verrate nicht zu viel, wenn ich preisgebe, dass er seine Lehre in Rekordzeit abschließen wird), auch nicht daher. Gott sei Dank gibt es noch mehr Filmpiraten. Geoffrey Thorpe z. B., der Königin Elisabeth I. dient. Dieser bedient sich des Goldes und Silbers, das die Spanier aus der Neuen Welt nach Europa bringen. Ähnlich forsch und verwegen wie Errol Flynn agiert Alden Ehrenreich. Als Novize ist er natürlich viel unbekümmerter als der erfahrene Haudegen. Und er raubt selbstverständlich keine Edelmetalle, sondern ein „Hyperfuel“, der so knapp ist, dass dieser praktisch zur Währung des Universums geworden ist. Zurück zu den Wurzeln – sprich das Unterhaltung in bester Hollywood-Manier, so wie man es gewohnt ist. Einen Unterschied zu früher gibt es dennoch – in den Glanzzeiten der Kalifornier wäre niemand auf die Idee gekommen, eine Roboterdame, die der „Me Too“ Bewegung angehören muss, zur witzigsten Gestalt eines Films zu machen. Diese Rollen waren doch echten Frauen vorbehalten. Nichtsdestotrotz kann ich Feministinnen „Solo“ wärmstens empfehlen. Leute, die Schwerter mögen, rate ich aus Angst, sie könnten mich damit wegen des Frusts, der sie während des Sehens übermannt, durchbohren, lieber nicht, sich den Film anzuschauen.

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Migranten können wir nun wirklich nicht sein

Ostdeutsche sind auch Migranten – schön wäre es, da u. U. wenigstens ein Teil des ostdeutschen Ichs erhalten bliebe, aber leider wird man nicht zu einem Migranten, wenn man ähnliche Erfahrungen – lt. Fouraton, deren Interview in der TAZ hohe Welle schlägt, können dies Heimatverluste, vergangene Sehnsuchtsorte, Fremdheitsgefühle u. Abwertungserfahrungen sein – wie ein echter Neuankömmling gemacht hat. Dass selbst Jana Hensel, die über sich, wenn ich es richtig in Erinnerung habe, gesagt hat, während der Wende strengstens darauf geachtet zu haben, alles zu vermeiden, was darauf hinweisen könnte, dass sie aus der DDR komme, sich diese These anschließt, macht sie nicht unbedingt richtiger. Ostdeutsche können keine Migranten sein, weil sie ihre Identität, wenn es die denn je gegeben hat, nicht bewahren können. Darum ist es deren Schicksal, mit Hauch und Haaren assimiliert zu werden. Und sie können sich nicht einmal dagegen wehren. Wie auch? Sie hätten lange vor der Wiedervereinigung eine Sprache sprechen müssen. Wer also traurig über seine Assimilation ist, muss die Schuld bei Stalin suchen, der als Sieger nicht hart genug gegen die Deutschen vorgegangen ist. Schließlich hätte er veranlassen können, dass in seiner Zone nur noch Russisch gesprochen werden darf. Wen wundert es da, dass die Sachsen ihr Sächsisch so intensiv wie nie zuvor pflegen – ihr seltsames Kauderwelsch, dem Fremde nur schwer folgen können, sorgt für Geborgenheit und Identität. Heimat ist für sie dort, wo sie jemanden haben, mit dem sie sächseln können. In diesem Sinne kommen die Sachse, die es in der Fremde schwer haben, akzeptiert zu werden (und das schon immer), den Migranten am nächsten. Andererseits ist aber nicht bekannt, dass in Sachsen Leute, die diesen Dialekt nicht beherrschen, ausgegrenzt werden würden – nahezu vorbildlich behandeln sie jene Deutsche, die mit ihrer Sprache nichts anzufangen wissen. Migranten, die zugegebenermaßen fast alle materiell schlechter als die Ossis starteten, haben die Chance, ihre Sprache und damit ihre Kultur zu bewahren. Und meist sind jene, die in der Diaspora leben, noch traditionsbewusster als die, die zurückgebliebenen sind (angeblich soll man in Istanbul kaum Frauen finden, die ein Kopftuch tragen). Richtige Migranten können sich jederzeit einem Kultur-Upgrade unterziehen. Dafür reicht ein Klick im Internet. Der Ossis muss schon lange suchen, bis er auf etwas aus der Zeit, in der er einmal gelebt hat, stößt. Vermutlich muss er sich dafür noch mit Seinesgleichen treffen. Und noch einen Vorteil haben die Migranten – sie tun sich mit der Sprache, die die Mehrheit spricht, wesentlich einfacher als die (wahren) Ossis, die bspw. Wörter wie „Flieger“, „befeuern“ oder „Starkregen“, mein Lieblingswort, einfach nicht aussprechen können.

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„Sub Rosa“ – sag es mit und durch Rosen

Rosen aus der Kolchose, die man zu Zeiten, als ein Barrel Öl über 100 $ kostete und die Russen noch polnische Äpfel kaufen konnten, aus Holland oder Kenia hätte importieren müssen, für Merkel – seit den Sanktionen war das gestrige Treffen das erste, auf das sich Putin richtig gefreut hat, endlich der Kanzlerin zeigen zu können, dass man nicht auf sie angewiesen. Ob Merkel den Wink mit den Rosen verstanden hat, weiß ich nicht. Es ist auch egal. „Sub Rosa“ hat man zu Zeiten Goethes gesagt, wenn jemand etwas durch die Blume ausdrucken wollte. Dabei kommt es in erster Linie darauf an, sich selbst Genugtuung zu verschaffen. Als ich in der Tagesschau Putins üppiges Rosenarrangement sah, habe ich mich gefragt, ob eine Knoblauchkette, mit der sich Merkel die Draculas der Welt vom Leibe hätte halten können, nicht die bessere Wahl gewesen wäre. Erst bei meinen Recherchen ist mir in den Sinn gekommen, dass es nur einheimische Rosen sein konnten. Was würde ihr wohl Chruschtschow schenken, wenn eine Zeitmaschine es ermöglichte, dass sich beide in tiefroten sozialistischen Zeiten treffen? Vermutlich würde er sie mit seinem nagelneuen Moskwitsch vom Flughafen abholen. Und ihr Obst aus seinem Vielvölkerstaat (Weintrauben aus Georgien, Datteln aus Usbekistan) anbieten. Sicherlich würde in der einen oder andere Speise auch Knoblauch vorkommen. Womit ich wieder bei meiner Intuition, mit der ich gar nicht mal so falsch gelegen habe, wäre, denn nicht nur Dracula scheut Knobi, sondern auch Trump kommt mit der Geruchsbombe nicht klar, wie eine Bloggerin herausgefunden haben will. Schuld daran sei seine deutsche Abstimmung – wäre er als Kind mit Knoblauch und Zwiebeln groß geworden, würde er jetzt mental wesentlich fitter und ausgeglichener sein. (Angesichts der vielen Zehen, die ich esse, müsste ich mal prüfen lassen, ob ich nicht ein Genie bin. Bisher hatte ich immer gedacht, er würde nur die Durchblutung anregen.) Leider meidet Donald Personen, die Knoblauch essen, nicht – diese sollen ihn noch aggressiver als er ohnehin schon ist machen (lt. der Bloggerin wollte er zu Beginn seiner Amtszeit nur Bürger von Ländern, in denen viel Knobi gegessen wird, nicht mehr in die USA lassen). Da die Knollen auch von den Mexikanern gern gegessen werden, müsste allen klar sein, warum er unbedingt eine Mauer entlang der Grenze bauen will. Trumpf Gegnern, die die Möglichkeit, ihn zu treffen, kann ich daher nur empfehlen, vorher viel von dem Zeug zu essen. Ich würde sogar versuchen, aus frischen Zehen Saft, den ich auf mein Gesicht und meine Hände verreiben würde (das riecht wie der DDR-Franzbranntwein), zu pressen. Putin würde das natürlich nicht tun – der würde dessen Frau Melania mit Rosen aus der Kolchose empfangen. Trumpf wäre ganz hingerissen. Und Putin sein Mann.

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