Gibt Halle einen Trend vor?

Wenn es in Amerika einen neuen Trend gibt, dann ist es so gut wie sicher, dass dieser auf die beiden gegenüberliegenden Kontinente überschwappt, darum bin ich bis heute auch ganz froh darüber gewesen, dass Mitteldeutschland nicht am Meer liegt, denn die Entwicklungen, die es hierzulande in den letzten Jahren gegeben hat, sind es wirklich nicht wert, in die Welt hinausgetragen zu werden. Umso bedauerlicher, dass die Amerikaner von einer Entwicklung, die Schule machen sollte, so gut wie ausgeschlossen sind, da sie mit Kommunisten, Grünen und Sozialdemokraten nichts anzufangen wissen – die drei Parteien haben sich nämlich auf einen gemeinsamen kommunistischen Spitzenkandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters Halles geeinigt. Was in den Staaten nicht funktionieren kann, weil dort keine Menschen dieser Coleurs leben, klappt im Osten vorerst nur auf kommunaler Ebene. Eigentlich ist der Trend erst einmal nur ein Projekt, von dem man in einem Jahr, wenn nämlich gewählt wird, weiß, ob der Wähler sich damit anfreunden kann. Im Gegensatz zu den Koalitionen, die SPD und Die Linke bisher eingegangen sind (da gab es in den Ländern eine ganze Menge), erklären beide Parteien schon vor der Wahl, zusammenarbeiten zu wollen. Und da die Grünen ihn auch unterstützen wollen, ist etwas auf den Weg gebracht worden, was auf Bundesebene unvorstellbar erscheint. So in der Art soll sie aussehen, die Sammlungsbewegung, von der Wagenknecht immer spricht, jedoch außer ihr und ihrem Mann niemand etwas wissen will. Getrennt marschieren, vereint zuschlagen, ohne die Eigenständigkeit aufzugeben. Eine Armee ohne einen Oberkommandierenden – für Napoleon natürlich ein Alptraum, während für die Parteien Mitte-links das die einzige Chance ist, den Bundeskanzler zu stellen. Ob irgendwann Grüne und Sozis dieser Idee etwas Positives abgewinnen können, ja daraus ein Trend wird, steht in den Sternen, und das auch wegen Merkels Geschick, jemanden als Nachfolgerin, die ihre Politik kritisieren kann, ohne unglaubwürdig zu erscheinen, aufzubauen – Karrenbauer, Merkels Kronprinzessin, eine Position zu geben, die sie nicht mit der Arbeit der Regierung in Verbindung bringt (von der Leyens Probleme mit der Bundeswehr tangieren sie überhaupt nicht), ist wirklich genial. Zu allem Überfluss versteht sie sich auf mit den Grünen so gut, dass heute schon klar ist, wie die zukünftige Regierung aussehen wird (wenn die FDP nicht noch dazwischenfunkt) – nämlich Schwarz-Grün. Statt Jamaika heißt es dann Tanu, einer Bewegung aus den 50ern Tansania (wenigstens bleib es noch exotisch). Bei dieser Nachfolgerin ist es völlig ausgeschlossen, dass wir nach der Wahl, für die Merkel nicht mehr antreten wird, eine Koalition der Kräfte, die glauben, Linke zu sein, erleben werden. Für die Grünen ist Verlockung zu groß, den sicheren Weg zu wählen. (So ist das mit dem Trend – oft hält er nicht, was er verspricht.)

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

„Tennessee GOP“- die Russen sind die besseren Reps

Ich weiß nicht, welcher Anklagepunkt Ihnen besonders gut gefallen wird, nachdem Sie das Schriftstück überflogen haben – meiner ist Punkt 36 (Seite 15 oben), in dem den Russen vorgeworfen wird, sich bei Twitter als „Tennessee GOP“ ausgegeben zu haben, was völlig harmlos zu sein scheint, wenn man nicht weiß, für was „GOP“ steht, nämlich dass die Abkürzung Grand Old Party bedeutet. Richtig, das können nur die Republikaner sein. Mehr als 100.000 Followers hatten die Russen, die sich als Republikaner ausgegeben haben, ohne dass die Partei es merkte, aufzuweisen. Das ist fast so, als ob man einen Banküberfall, für den sich niemand interessiert, begeht. Alle schauen zu, wenn man schwer bepackt die Bank verlässt. Vermutlich ruft der Bankdirektor dem Bankräuber aus Sorge, dass dessen Gier, so viel Scheine wie möglich wegzuschleppen, ihn ernsthaft Schädigen schädigen könnte, ich denke da an einen Schwächeanfall oder gar an einen Infarkt, sogar noch ein Taxi. So wie eben die Republikaner das getan haben, die von den Texten der Russen so begeistert waren, dass sie sich überhaupt nicht darum gekümmert haben, wer aus ihrer Partei da twitterte. Manchmal ist das Imitat eben besser als das Original. Für das Hochstaplerlexikon, von dem ich den Eindruck habe, die Macher versuchen selbst, den Anschein zu erwecken, nicht ganz koscher zu sein, kommen die Russen wohl wegen des letzten Aktualisierungsdatums (2011) nicht mehr in Frage (da wird sogar die Treuhand aufgeführt). Auch wird ihnen die Sympathie und die Anerkennung, die der Hauptmann von Köpenick erfahren hat, nicht zuteil werden. Selbst dem Kaiser gefiel Voigts Coup, so dass er ihn nach rund zwei Jahre begnadete. Mit einem derartigen Wohlwollen können die 13 Russen, sollten sie den in den Staaten vor Gericht erscheinen, nach ihrer Aburteilung (außer der Todesstrafe scheint alles möglich zu sein) nicht rechnen. (Auch wenn sich dieser Blog alle Mühe gibt, die Russen als Helden darzustellen.) Wie Voigt müssen sich die Russen geschickt der Mentalität und geistigen Haltung weiter Teile der Bevölkerung bedient haben – der eine hat auf den Gehorsam der Deutschen vor der Obrigkeit gesetzt, während die anderen darauf hofften, ihre Antiestablishment-Kampagne (mit Clinton als deren Hauptvertreter) würde getreu dem Motto, dass Leuten, die andere partout nicht leiden können, empfänglich für alles sind, was diese in Misskredit bringt, zum Erfolg führen. (Mit Sanders als Präsidentschaftskandidaten wäre diese Kampagne nicht möglich gewesen.) Fakten spielen das keine Rolle. Inwieweit die Aktivitäten der Russen die Wahlen beeinflusst haben, werden wir wohl nie erfahren. Wichtig scheint des Amerikanern nur zu sein, dafür zu sorgen, dass niemand sich das noch einmal wagt. Ob das mit dem Statuieren eines Exempels funktioniert wage ich zu bezweifeln. Humor ist wohl die bessere Waffe. Vielleicht sollten die Amerikaner mal über sich lachen. Stoff dafür gibt es genug.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Auf die eine oder andere Art wiederholt sich Geschichte doch

Geschichte wiederholt sich, nur eben anders – während vor mehr als 28 Jahren die alte SED-Riege gehen musste, weil sie es u. a. versäumt hat, ihre Nachfolge in einer Form, mit der die Menschen leben konnten, zu regeln, scheinen jetzt die hierarchischen Strukturen, die sich die SPD verordnet hat, um an der Macht zu bleiben, es der Partei unmöglich zu machen, einen Neuanfang zu wagen, sprich Führung sieht wegen ihres Machterhaltungstriebs den Wald vor lauter Bäumen nicht, denn genau jetzt wäre der richtige Moment, die Mitglieder den Parteivorsitzenden wählen zu lassen. Die Vorstellung, ein deutscher Corbyn könnte Merkel (ich glaube kaum, dass die Mitglieder sich gegen die Koalition entscheiden werden) zu Fall bringen, muss bei Nahles und Co. Albträume auslösen. Lange, die im Interview auf Phönix eine Erklärung abgegeben hat, die sie als formidable Herausforderin Nahles um den Posten des Vorsitzenden ausweist, hätte in einer Kampagne, die zwei oder drei Monate dauert, beste Chance, die Mitglieder von ihren Fähigkeiten zu überzeugen. So wie Corbyn es tat, der mit einer Mehrheit, die keiner vor ihm erreicht hat (40 Prozent), zum Chef Labours gewählt wurde. Diese Geschichte darf sich in Deutschland, so scheint es, nicht wiederholen, selbst wenn die Chancen, in der SPD jemand zu finden, der genauso links wie er ist, gegen Null tendieren. Die Geschichte wird zeigen, dass die Führung die falsche Entscheidung getroffen hat. Wie die Geschichte Corbyn beurteilen wird, weiß heute niemand zu beurteilen. Er würde als politische Genie in die Geschichte eingehen, sollte er den Brexit, den er bisher als Willen des Volkes akzeptiert hat, verhindern. Je größer das Chaos, das die Tories anrichten, desto höher stehen die Chancen, den Ausstieg noch stoppen zu wollen, vorausgesetzt, der EU-Gegner Corbyn will es überhaupt. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Geschichte, trotz seiner fortschrittlichen Politik, über ihn das Urteil „mitgefangen, mitgehangen“ fällt. In solch einem Dilemma befindet sich die SPD nicht. Sie hat alle Zeit der Welt, sich neu zu definieren. Umso unverständlicher, dass sie sich nicht traut, etwas Neues zu wagen. Statt sich mutig in die Schlacht zu wagen, gehen die SPD-Bosse dieser aus dem Wege – vermutlich solange, bis keiner mehr mit ihr kämpfen will, weil sie zu schwach geworden ist. Siegen lernen heißt, wie wir aus der Geschichte wissen, von den Russen zu lernen, denen die Auguren, als sie ihre Kampagne starteten, ein Desaster, das jenem in Afghanistan in Nichts nachstehen würde, vorausgesagt hatten. Während früher Verluste keine Rolle gespielt haben, kämpfen die Russen heute wie Odysseus – ihr Trojanisches Pferd, mit dem auf einem Schlag bekanntlich der Krieg entschieden war, besteht nicht aus Holz, sondern ist in der Taktik begründet, Assads Truppen nicht um jeden Preis zu unterstützen. Selbst der Tod eigener Landsleute, die als Söldner für ihn gekämpft haben sollen, scheint die Russen nicht davon abzubringen, von ihrem Kurs, bestimmte Gruppierungen aus dem Weg zu gehen, abzuweichen. So haben die Russen nicht eingegriffen, als die Amerikaner wegen eines Panzers, der auf die Kurden das Feuer eröffnete, die Syrier mit ihren B-52 Bombern schwere Verluste zugefügt haben sollen. Es wird vermutet, unter den Toten seien viele Russen. Wie lange das noch gut geht, kann niemand sagen. Die Israelis haben schon eine Maschine verloren (die erste nach 1982). Mit Sicherheit wird das nicht der letzte Abschuss gewesen sein.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Martin sollte ein halbes Jahre dranhängen

Noch einmal Glück gehabt, denn beim Pech, das Martin nicht von seiner Seite weicht, seitdem er wieder in Deutschland ist, hatte ich befürchtet, dass während seiner Amtszeit als Außenminister der 3. Weltkrieg, an dem er, da war ich mir nach den vielen Missgeschicken ganz sicher, wegen diplomatischer Fauxpas mit zu verantworten hätte, ausbrechen werde. Gerade noch rechtzeitig hat sich der Chef der SPD in NRW erinnert, wie Demokratie funktioniert – nach Rückfragen bei den Ortsverbänden, deren Mitglieder wohl auch einen neuen Weltkrieg fürchteten, hat er Martin darüber informiert, dass sich die Begeisterung der (Basis)-Genossen über Martins Coup in Grenzen halten würde, worauf diesem gar nicht anderes übrig blieb, als zu erklären, nicht für den Posten zur Verfügung zu stehen. Um nicht wie Martin Geschichte zu werden, täte die SPD gut daran, dafür zu sorgen, dass sich neben Nahles noch andere Mitglieder für den Posten des Vorsitzenden bewerben. Das wäre wohl der erste Schritt, beim Wähler, der den Eindruck haben muss, in der Partei werde noch mehr als in der Domstadt geklüngelt, zu punkten. Der Sieger darf dann wenigstens von sich behaupten, nicht vom Parteivorstand protegiert worden zu sein. In dem halben Jahr, das Martin dranhängen könnte, um eine faire Wahl zu gewährleisten, ließe sich Vertrauen zurückgewinnen. (Wenn Martin vor mehr als einem Parteivorsitzenden gewählt wurde, weil niemand den Posten wollte, wird es schwer werden, jemanden zu finden, der Nahles fordert.) Mit ziemlicher Sicherheit wird die alte Tante die Sache wieder vergeigen – Martin wird nach der Entscheidung der Mitglieder über die Groko zurücktreten. Nahles wird ohne Chefin, ohne dass ihr jemand den Posten streitig macht. Und bei den nächsten Wahlen ist die Partei nur noch drittstärkste Kraft im Land. Vergeigt hätten die Deutschen auch ihren ersten Auftritt bei Olympia, wenn es nicht noch Länder geben würde, die das Kunststück fertiggebracht haben, ihre Athleten noch unmodischer einzukleiden. Die Schweden und Neuseeländer haben ihre Sportler in einem IS-Outfit nach Korea geschickt – schwarz wie die Nacht kommen sie daher. Dass man mit einer knallig-leuchtenden Farbe aus einer IS-Kluft schicke Kleidung macht, zeigen die Belgier, deren gelbe Schals (es können auch die Kragen sein) dem Outfit etwas Besonderes verleihen. In puncto Mode ist Olympia ein richtiger Reinfall. Selbst die Russen, die in ihren langen weiß-grauen Mänteln den Eindruck vermitteln, sie würden anschließend noch in die Oper gehen, können nicht überzeugen.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Arme Politiker – erst Konklave, dann Musk

Unsere Politiker sind so pflichtbewusst, dass ich aus Scham über deren Hartnäckigkeit und Arbeitseifer (die meisten hätten schon längst aufgegeben) mir wünschte, jemand würde in die Runde preschen und den Anwesenden sagen, dass sie, Merkel mag da anderer Meinung sein, keiner Konklave, die man nicht damit beenden kann, indem man der Presse mitteilt, man habe sich nicht einigen können, beiwohnen, sondern nur Verhandlungen, die unter keinem Einigungszwang stehen, führen. Früher, das heißt im Mittelalter, musste man die Kardinäle schon mal einmauern, um sie dazu zu bewegen, sich auf einen Papst zu einigen. Heute mauern sich die Politiker selber ein bzw. verhandeln solange, bis kein Verhandlungspartner mit dem Ergebnis richtig zufrieden sein kann. Da ein Scheitern so gut wie ausgeschlossen ist (bis sich die Politiker eingestehen, es passt nicht, müssten noch einige Monde vergehen), werden die Parteichefs am Ende, von dem keiner weiß, wann es sein wird, so tun, als hätten sie alle ihre Ziele durchsetzen können. Vielleicht ist es auch ganz gut, dass sie sich noch nicht einigen konnten, denn dadurch ist unseren ausgelaugten Politikern erspart geblieben, zu erleben, wie wirklicher Erfolg aussieht (und das auch noch stressfrei) – Musk hat es nämlich nicht nur geschafft, sein altes Auto im Weltall (wenn ich richtig gelesen haben, hoffen sie darauf, es auf einen anderen Planeten zu verschrotten) zu entsorgen, sondern auch die Trägerraketen heil auf die Erde zurückkommen lassen. Das beide Raketen fast gleichzeitig landeten, hat dies mehr nach einem Synchronspringen vom 10 Meter Brett (im Video ungefähr in Minute 38) als nach Weltraumfahrt ausgesehen. Beeindruckender geht es wirklich nicht. Vermutlich ist heute der Tag, an dem das Fliegen in das All wegen der ungeheureren Kosteneinsparungen, die wiederverwertbare Raketen mit sich bringen, zu einer Selbstverständlichkeit geworden ist. Sollten weitere Flüge ebenfalls reibungslos verlaufen, ist es nicht mehr weit, bis die ersten Touristen ins All starten. Vielleicht gibt es bald die ersten Hotels über der Erde. Dank des Livestreams, das Musks Auto zeigt, kann man schon mal schauen, ob das etwas für einen ist. Ich kann ehrlich gesagt dem Weltraum nichts Gutes abgewinnen. Wenn ich den Roadster sehe, denke ich nur daran, wer neben dem Dummy sitzen könnte. Mir fallen viele ein, die neben ihm eine gut Figur abgeben würden.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Die Russen sind die wahren Sheriffs

Da Not erfinderisch macht bzw. diese, wenn man die englische Phrase wörtlich nimmt, die Mutter der Erfindung ist, wird klar, warum die Russen sich entschlossen haben, während des letzten Wahlkampfes in den USA einen Misogynisten zu unterstützen – im neuen Wettrüsten, das unvermeidlich zu sein scheint, ist Trump der Typ, der nicht anders kann, als mit Geld nur so um sich zu werfen, während den notorisch klammen Russen nichts weiter übrig bleibt, als etwas Neues, was im ersten Moment recht altmodisch klingen mag, zu setzen. Gegen Putins Supertorpedo, das in der Lage sein soll, mehr als 6000 Meilen mit 100 Knoten zurückzulegen, müssen u. a. U-Boote, die ihre Interkontinentalraketen vom Ozeanboden aus starten können (hoffentlich sagt niemand Trump, dass der Marianengraben über elf Kilometer tief ist), und neue stationäre Raketen herhalten. Dass die Amerikaner, die Innovationen lieben, die neue Waffe der Russen verachten, liegt an deren gegen Null tendierenden Umweltverträglichkeit – der Bombe wird nachgesagt, sie könne ganze Landstriche für lange Zeit unbewohnbar machen (Strahlung). Mit einer derart verheerenden Wirkung können die Bomben, die per Rakete an ihr Ziel befördert werden, nicht aufwarten. Vermutlich wäre alles anders, wenn Moskau an der Ostsee oder am Schwarzen Meer liegen würde. 28 Jahre nach dem Untergang des Kommunismus ist die Welt wieder in eine Situation, von der man Anfang der 90er Jahre geglaubt hat, es würde sie nie wieder geben, geraten. Und es sieht nicht so aus, als ob die Krise rasch überwunden werden könnte, was die Frage aufwirft, ob der jetzige Kalte Krieg in Puncto Sicherheit mit jenem, der mit dem Kollaps der Sowjetunion ein jähes Ende gefunden hat, mithalten kann. Ein Grund, warum wir uns damals sicher fühlten, könnte sein, dass man in dieser Zeit noch in der Lage war, zu bestimmen, was die Bevölkerung wissen muss. Aufnahmen wie jene mit dem russischen Abfangjäger, dessen Piloten versucht haben, mit ihren amerikanischen Kollegen zu flirten (im Straßenverkehr geht das wegen der hohen Fahrzeugdichte nur noch vor roten Ampeln). Da selbst SpiegelOnline, das nicht dafür bekannt ist, die Fähigkeiten Russlands hervorzuheben, ein Video ausgestrahlt hat, dessen Inhalt vermuten lässt, dass die Russen keine Gelegenheit auslassen, halsbrecherischen Manöver auszuführen, ist Schlimmes zu befürchten. (Mich würde nicht wundern, wenn bald eine Aufnahme, in der die Spitze eines Kampfflugzeuges ins Heck einer Transportmaschine reicht, zu sehen wäre. Aussteigen werden sie wohl aber noch nicht. Aber man weiß nie, denn bei den Russen ist alles möglich.) Vermutlich kommt bei den Amerikanern Heimweh auf, wenn sie russischen Jets begegnen – wenn ein Sheriff einen Fahrer auffordert, anzuhalten, empfiehlt es sich, dieser Bitte sofort zu entsprechen (in den meisten Filmen ist es jedenfalls so). Die Russen scheinen sich deren Gebaren aneignen zu wollen – um sich und den anderen Piloten nicht zu gefährden, bleibt den amerikanischen Piloten nichts übrig, als den Kurs, die Flughöhe und die Geschwindigkeit beizubehalten (ich werde wohl nicht mehr erleben, dass ein Jet anhalten muss). Abrupte Manöver können in einem Desaster enden (bis auf anderthalb Meter sollen sich die Russen genähert haben).

PS: Die Russen sehen die Dinge natürlich anders. Sie glauben, die Amerikaner planen, auf Nuklearwaffen jetzt schon bei einem Angriff mit konventionellen Waffen zurückzugreifen.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Mildred macht ihrem Namen keine Ehre

Ein Name hält nicht immer das, was er verspricht, was in Ebbing, um das das Internet ein Bogen gemacht hat, so dass eh nichts nachgeschlagen werden kann, keine Rolle spielt, denn hier kennt man Mildred, die eigentlich von sanfter Kraft sein soll, nur als Powerfrau, die nicht nur keiner Auseinandersetzung, egal ob verbal oder physisch, aus dem Weg geht, sondern diese meistens auch noch gewinnt, so dass sie es mit Rose und Eula, beide gespielt von Katharine Hepburn, locker aufnehmen kann. Ein besseres Kompliment – immerhin handelt es ich um die Oskar-Rekordhalterin – kann es für die Mildred-Darstellerin France McDormand gar nicht geben. Im Gegensatz zur Hepburn muss McDormand gleich gegen eine Herde Machos und Hinterwäldler ankämpfen, um am Ende selbst ihren hartnäckigsten Widersacher für sich zu gewinnen. Nur mit ihrer Familie hat sie, von ihrem Sohn mal abgesehen, kein Glück – von ihrem Mann lebt wie wegen seiner ihr gegenüber Handgreiflichkeiten getrennt, während ihre Tochter vergewaltigt und umgebracht wird. Dass ausgerechnet das Opfer die unsympathischste Person im ganzen Stück ist, spiegelt McDonaghs Intention wieder, den Zuschauern Wendungen, mit denen überhaupt nicht zu rechnen ist, zu präsentieren. Da bei den Ermittlungen nichts herauskommt, entschließt sich Mildred, den Dorfpolizisten (verglichen mit denen ist Polizeihauptmeister Krause ein Intellektueller) Feuer unter ihren Hintern zu machen. Dass diese nicht besonders begeistert darüber sind, von ihr in der Öffentlichkeit an den Pranger gestellt zu werden, ist klar. Schnell eskaliert die Auseinandersetzung, und das zur Freude der Zuschauer, denn trotz der „Grausamkeiten“, die Mildred und Dixon begehen, erzählt McDonough die Geschichte recht humorvoll und witzig. Selbst der Tod und üble Verletzungen können ihn nicht davon abhalten, alles daranzusetzen, die Zuschauer zum Lachen oder zum Amüsieren zu bringen. Wer in Ebbing lebt, muss schon hart im Nehmen sein. Da sollte man als Zuschauer nicht nachstehen. Neben der schauspielerischen Leistung Mildreds und der Polizisten beeindrucken die vielen schrägen Typen, von denen es im Film nur so wimmelt. Normal, also Großstadtmensch, ist niemand in diesem Ort. Der Film ist auch ein Plädoyer für das Leben auf dem Land, wo man Leute findet, die in städtischen Breiten schon längst als ausgestorben gelten. Der Film ist ein Muss für alle, die burschikosen Humor mögen.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Erdogan hat das Zeug zum Machiavellisten

Kretschmann ist Ordensritter (Orden wider den tierischen Ernst) und Erdogan ein Machiavellist – bei der Vielzahl jener Ritter, von denen die Öffentlichkeit erst nach der Preisverleihung wusste, dass sie über Humor verfügen, überrascht die Entscheidung, den Badener, der so langsam spricht, dass jeder, der diesen Landstrich bereisen muss, nur hoffen kann, er möge eine Ausnahme unter seinen Landsleuten sein, auszuzeichnen, nicht wirklich. Aber ist Erdogan wirklich ein Machiavelli? Ruch- und rücksichtslos muss er ja schon immer gewesen. Was ihm gefehlt hat, sind Raffinesse und Geschick – jedenfalls habe ich mir eingeredet, er sei ein plumper Anführer. Wegen seiner piepsigen Stimme und des Unsinns, den er besonders nach der Niederschlagung des Putsches in die Welt hinausposaunt hat, hat Erdogan es mir leicht gemacht, anzunehmen, er könne nur ein zweitklassiger Politiker sein. Seit dieser Woche bzw. der Meldungen, die aus der Region eingehen, bin ich eines Besseren belehrt worden – er ist cleverer, als alle denken. Der Mann, der der Welt seine Cleverness vorenthalten hat, führt in Syrien einen Krieg, der geschickter nicht gelenkt werden kann – Erdogan beherrscht nämlich die hohe Schule, andere für sich arbeiten zu lassen. Um seine eigene Armee zu schonen, muss ISIS, das wegen des Eingreifens der Türken bereits einige Erfolge erringen konnte, ran. Dessen Strategie ist es, möglichst viele Kurden zu binden, was den Islamisten ermöglicht, Gebiet, die man an die Kurden verloren hat, wieder zurückzuerobern (eine Weile wird es funktionieren). Wie das geht, haben die Deutschen im 2. Weltkrieg vorgemacht, nämlich mit der „Tirpitz“, die man in einem norwegischen Fjord mit dem Ziel versteckte, die Royal Navy zu zwingen, möglichst viele Kräfte zum Schutz der Geleitzüge, die Murmansk anliefen, aufzubieten. Vermutlich hat Erdogan einen ähnlichen Plan – sich solange wie möglich der Dienstes des Isis, der Aufgabe es ist, möglichst viele Kurden außer Gefecht zu setzen, zu bedienen. Lt. Robert Fisk seien die IS-Kämpfer dank diverser Routen über die Türkei bestens versorgt. Sonst hätten die Tomatendosen, die man in einem Supermarkt in West Bromwich gekauft hat, nicht bis nach Syrien geschafft. Vor der großen Auseinandersetzung, also dem massiven Einsatz seiner Soldaten, schreckt Erdogan noch zurück. Stattdessen lässt er die Islamisten für sich kämpfen. Still und leise, ohne dass jemand Wind davon bekommt. Einen ähnlichen Weg scheinen die Union und die SPD einzuschlagen – sie arbeiten schon jetzt daran, dass der Bürger bei den nächsten Wahlen in vier Jahren nicht weiß, von wem er regiert worden ist. Darum müssen die Koalitionsverhandlungen möglichst geräuschlos verlaufen (wenigstens ohne Termine auf dem Balkon). Der Wähler soll sich am Ende der nächsten GroKo nur noch an Merkel, die ja nicht mehr antreten wird, erinnern. Sie wird (für ihre Verhältnisse) ab Ostern, wenn die neue Regierung stehen soll, noch einmal richtig aufdrehen. M + M – das neuer Traumpaar der Europäer wird versuchen, den Kontinent nach seinen Vorstellungen zu verändern.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Davos – wenig Auseinandersetzung, viel Informationen

Nichts Neues aus Davos – Vertreter jener Nationen, die im Ranking ganz vorne liegen, haben mal wieder nicht die Chance bekommen, dem Publikum zu erklären, wie ihr Erfolg zustande gekommen ist, womit das Treffen in Davos zu einer Olympiade, wo die Sieger in Statistiken, für die sich kaum jemand interessiert, mutiert ist. Dafür dürfen sich die mächtigen Länder feiern lassen. Bei ihnen spielt es überhaupt keine Rolle, welche Plätze sie belegen. Hauptsache, sie sind wichtig. So darf Brasiliens Präsident Temer, der in Bestechungsskandale verwickelt sein soll, in Davos reden, während die Regierungschefin Islands, das sich vor knapp 10 Jahren entschlossen hat, seine Schuldenprobleme auf unkonventionelle Lösung, also nicht EU-konform, zu lösen, außen vor bleibt. Lt. der Statistik, die auf der Webseite des Forums veröffentlicht wurde, steht das Land auf Platz 2. Nur Norwegen ist besser. Statt Experten aus den Topländern, die über bestimmte Gebiete (bspw. Gleichberechtigung, Gesundheitswesen, Schulwesen etc.) Auskunft geben, zu holen, spricht man in Davos über Themen, von denen der Veranstalter glaubt, sie könnten wichtig werden. Zugegebenermaßen ist es aber weitaus interessanter, zu erfahren, wie der „rentier capitalism“ (Raubtierkapitalismus) der Wirtschaft schaden könnte. Ein Vortrag über den geopolitischen Cyberspace (da ist alle Phantasie gefragt, um sich vorzustellen, wie der aussehen könnte) verspricht ebenfalls Spannung pur. Die Reihe ließe sich beliebig fortsetzen, Da es auf der Seite, wo man die Vorträge abrufen kann, nur langsam vorangeht, müssen viele meiner Meinung sein. Davos bietet Informationsmaterial in Hülle und Fülle. Jeder, der sich darüber informieren will, was ihn in der Zukunft alles Neue erwarten könnte, wird hier fündig. Das Problem von Davos ist nur, dass der Veranstalter sich nicht traut, die Politiker der großen Länder mal vor die Tür zu setzen bzw. sie mit Leuten, die, auch weil andere Wege gehen, wesentlich erfolgreicher als sie Politik betreiben, zu konfrontieren. Für Merkel, Macron und Trudeau, der heute schon ran durfte (Schwerpunkt Ungleichheit und Frauen), ist Davos praktisch ein Erholungstrip, auf dem sie sich sicher sein können, nicht kritisiert zu werden. Nur Trump muss, wenn er denn am Freitag kommt, fürchten, wegen seiner Abschottungspolitik (Zölle für Waschmaschinen und Solaranlagen) kritisiert zu werden. Wenn zum Zeitpunkt des Treffens bekannt wird, dass Musk, der Chef von Tesla, vereinbart hat, 10 Jahre lang auf sein Gehalt zu verzichten, um dafür 55 Milliarden Dollar kassieren zu können, wenn sein Firma mehr als 650 Milliarden Dollar an der Börse wert sein sollte, fällt es schwer, zu glauben, dass die Politik gewillt ist, etwas an der Verteilung des Reichtums zu ändern.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Warum nicht mal wie Churchill die U-Bahn nehmen? (Spoiler)

Wie würde die Welt heute aussehen, wenn Churchill nicht ausgerechnet in der „schwersten Stunde“ auf die Idee gekommen wäre, zum ersten Mal in seinem Leben die U-Bahn zu nehmen? Die Folgen – ob dieses Geschehnis historisch verbürgt ist, hätte uns von Tunzelmann sagen können, wenn ihre Serie „Real History“ nicht eingestellt worden wäre – sind so dramatisch, dass ich mir gestern noch gewünscht habe, Schulz möge es Churchill gleichtun. Als ich heute dann lesen musste, über 70 Prozent der Wähler würden es nicht gut finden, wenn sich die SPD einer Groko verweigere, glaube ich, es ist besser, wenn er weiterhin seine Limousine nutzen würde. Merkel ist hierzulande noch nicht so unbeliebt wie der Führer in England, gegen den alle, denen Churchill in der Bahn begegnet, kämpfen wollen, bis er besiegt ist. Sein Triumph am Ende des Films, als er alle davon überzeugt hat, gegen die Deutschen zu Feld zu ziehen, ist so überwältigend, dass ich mich gefragt habe, warum ihn die Briten nach dem Sieg über die Deutschen abgewählt haben. Die Ironie der Geschichte ist, dass ihm die Appeaser, die ihm das Leben aufgrund ihres ungeheuren Einflusses zur Hölle gemacht heben, erst seinen Erfolg, nämlich die Evakuierung fast aller britischen Soldaten aus Dünkirchen, ermöglicht haben (natürlich stammt die Idee, die Leute mit allem, was zur Verfügung steht, herauszuholen, auch von ihm). Ohne den Machtkampf in den ersten Tagen seiner Amtszeit, in denen Hitler durchaus glauben konnte, eine Art Friedensabkommen mit Großbritannien sei möglich, wäre das Wunder im Kanal sicherlich gar nicht möglich gewesen. Ein wenig irritierend ist es aber schon, dass der Film vermuten lässt, Churchill habe ganz allein die Briten dazu ermutigt, weiterzumachen. (In der Sowjetunion war es genau umgekehrt – selbst Stunden nach dem Angriff der Deutschen hat er nicht wahrhaben wollen, dass sich sein Land mit Hitler im Krieg befindet. Dabei ist er gewarnt worden.) Der Winston im Film scheint mir einen Tick zu soft zu sein, was sicherlich an der Synchronstimme liegt. Zum anderen erlaubt sich der Regisseur, ein weit verbreitetes Vorurteil, nämlich dass es sich beim ihm um ein Ekel, der sarkastischer nicht sein kann, nicht zu bedienen – diesem Winston kann man jedoch durchaus Enkelkinder anvertrauen, wobei man damit rechnen sollte, dass er den minderjährigen Sprösslingen erlaubt, Wein und Brandy während des Diners zu trinken. (Er würde einen guten Brummpa abgeben.) Zwei überaus charmante Frauen, mit denen er viel Zeit verbringt – einmal seine Frau (Emma Thompson schafft es, ihn in Puncto Witz zu übertreffen) sowie seine Sekretärin, die das Unmögliche hinbekommt, nämlich sich Respekt und Anerkennung zu verschaffen (ein Ungeheuer für jede Tippse) – , tun ihr Bestes, ihn in ein gutes Licht zu rücken. Nichtsdestotrotz spielt Oldman, obwohl er dem Original nicht im geringsten ähnelt, die Rolle hervorragend.

PS: Heute würde Churchill natürlich wegen des Outings, noch nie U-Bahn gefahren zu sein, abgestraft werden. Einer hat wegen Tube-Wissenslücken sogar die letzte Bürgermeisterwahl verloren.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar