Es gibt noch Wunder – Wenger tritt ab

Das kann selbst ein Raketen-Schlag Trumps nicht toppen – Wenger, der auf der Liste jener, über die die Öffentlichkeit denkt, sie würden ihren Arbeitsplatz im Sarg verlassen, ganz oben steht, hat sich entschlossen, seinen Job bei Arsenal aufzugeben. Angesichts der Lobeshymnen nach viel Kritik, die in letzter Zeit immer harscher wurde, sollte die eine oder andere Person, die im Rampenlicht steht, darüber nachzudenken, ob es nicht sinnvoll ist, abzutreten, wenn einem noch Honig ums Maul geschmiert wird. Wenger scheint diesen Zeitpunkt geradeso abgepasst zu haben, wobei ich nichts dagegen gehabt hätte, wenn er seinen Vertrag, der regulär in einem Jahr ausgelaufen wäre, erfüllt hätte, denn während seiner 22 Jahre, die er bei den Gunners ist, hat er nur ein einziges Mal die CL verfehlt. Dass die schlechte Platzierung im vorigen Jahr kein Betriebsunfall war (Platz 6 mit geringer Hoffnung, sich zu qualifizieren), ist wohl ein Grund, warum er aufhört. Hinzukommt, dass er keine Lust hat, sich im Falle des Scheiterns in der Europaleague (der Gewinner spielt in der CL) von den Medien und dem Verein zum Sündenbock abstempeln zu lassen. Wenn er seinen Spielern vertrauen würde, hätte er mit seiner Entscheidung bis zum Saisonende gewartet. Diesmal können sich die Spieler also nicht darauf verlassen, dass sich alle auf Wenger einschießen, wenn sie grottenschlecht spielen sollten. Ich bin gespannt, ob sie damit fertig werden. Während auf den Nachfolger – selbst Tedesco, dessen Gehalt, als hätte es Schalke gewusst, gerade verdoppelt wurde, soll auf der Liste stehen – viel Arbeit wartet, kann er darauf hoffen, dass ein großer Verein auf ihn zukommt. Wenger statt Heynckes könnte es irgendwann im Herbst, nach 4 Niederlagen am Stück, für die Bayern heißen. Ob in dieser Zeit auch jemand für Trump einspringen muss, weiß heute noch niemand. Während er wegen der kritiklosen Berichterstattung über den Angriff auf Syrien am letztes Wochenende Punkte sammeln konnte, stehen dessen Chance, beim Volk in der Kategorie „wenn der Führer das wüsste“ zu punkten, nicht zum Besten – wenn Donald von etwas erfährt, was ihn fürchterlich aufregt, ist er nicht imstande, seine Vorstellungen durchzusetzen, wie die Episode, in der es darum geht, wer ihm als erster nach seiner Amtseinführung gratuliert hat, zeigt. Erst nach 6 Tagen (beim Treffen mit May) hat dessen Umgebung, genauer Flynn, Trump darüber informiert, dass Putin (wer sonst) als erster angerufen habe. Der Ärger war groß, da Donald sich bei ihm gleich bedanken wollte. Seitdem hat sich das Verhältnis zu den Russen weiter verschlechtert. Da das letzter Personalkarussell nur Leute, die mit den Russen nicht können, in Amt und Würden gebracht hat, wird es für Trump immer schwieriger, darauf zu bauen, dass die Leute glauben, man würde ihn gezielt manipulieren. Schließlich wählt er seine Berater selbst aus.

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Konkreter könnten die Medien schon werden

Dass unsere Medien nicht mehr so gut, wie sie einst einmal waren, sind, ist hinreichend bekannt, aber immerhin ist es bis jetzt möglich gewesen, sich dank der Vielzahl anderer Informationsquellen eine Meinung, von der man meint, sie würde den gesunden Menschenverstand widerspiegeln, zu bilden. Was bei Putin noch funktioniert, ist bei Kollegah jedoch unmöglich, sei sei denn, man nimmt in Kauf, wegen der vielen Lieder, die man anhören muss, um sich ein Urteil bilden zu können, seine Youtube-Lieblingsseiten mit Video-Vorschlägen seines Trash-Raps zu verunstalten. Zig Kollegah-Bildchen neben den Sex Pistols, das geht nun wirklich nicht, da mögen dessen Texte sonst wie antisemitisch sein. Warum tun sich die Medien so schwer, uns mitzuteilen, was er von sich gibt? Das Urteil, seine Texte seien antisemitisch, bezweifele ich gar nicht. Das Problem ist nur, dass mir diese generelle Einschätzung nicht erlaubt, mir eine Vorstellung zu machen. Um das tun zu können, muss ich mich auf Youtube begeben. Warum die Medien sich partout weigern, konkret zu werden, weiß ich nicht. Vielleicht glauben sie, wegen Verhetzung verklagt zu werden. Oder mitschuldig an der Verbreitung des „provokativen“ Liedguts zu werden (angesichts der Schwere der Vorwürfe sowie diverser Preis-Rückgaben hätte der Echo-Ethikrates kein beschönigenderes Wort, das glaubhaft klingt, finden können). Vielleicht belehren mich die Medien noch eines besseren. Bezüglich Russlands bzw. Putins werden sie sich aber nie ändern. Auch Fisks Reportage aus Douma mit dem Tenor, dass die Einheimischen sich wundern, wie der Westen darauf kommen kann, in ihrem Ort habe es einen Giftgaseinsatz gegeben, wird daran nichts ändern. Geht es nach dem oben schon erwähnten gesunden Menschenverstand, sind ernsthafte Zweifel an der Kriegsführung des Westens angebracht – 76 Raketen auf drei Häuser zu lenken, lässt Zweifel am der Urteilskraft der Militärs aufkommen. Mit Zerstörung von Chemiewaffen hat das nichts zu tun. Eher damit, dass Trump zeigen wollte, wie genau und präzise seine Cruise Missiles unterwegs sind. Vermutlich schlugen sie auch so wie auf diesem Bild – alle schön nebeneinander – ein. Warum die Medien diesen Unsinn nicht hinterfragen, wird wohl deren Geheimnis bleiben. Einem Sprengstoffexperten sollte es aber nicht schwerfallen, aus dem Grad der Zerstörung zu schließen, wie viele Raketen tatsächlich dort zu Boden gingen (vielleicht hat das Pentagon auch Raketen ohne Sprengstoff abgefeuert). Die Russen meinen, die Syrer hätten mehr als die Hälfte der Geschosse vom Himmel geholt. Dank dessen seien die wichtigen Ziele verschont geblieben. Die Geschichte wird zeigen, wer recht hat.

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„A Quiet Place“ – ein Paradies im richtigen Leben

„A Quiet Place“ – Horror mit einem Touch Magellan, dessen Besatzung, als sie bei ihrer Weltumsegelung die Südspitze Amerikas umsegelten, an den Berghängen so viele Lagerfeuer sahen, dass sie die Gegend Feuerland nannten. Ganz so viele sind es nicht, die ich gemeinsam mit Lee Abbott auf den Höhen der Appalachen ausmachen konnte, aber immerhin noch genug, um nicht die Hoffnung aufzugeben, dass dessen Familie es noch schaffen könnte, sich gegen lästigsten und rohsten Aliens, die der Film je hervorgebracht hat, erfolgreich zur Wehr zu setzen. Deren Stärke ist ihr „absolutes Gehör“ – sobald sie Geräusche, die von Menschen kommen könnten, hören, rennen sie wie wild los, um die Quelle unschädlich zu machen. Dass die Abbotts noch am Leben sind (am neunten Tag der neuen Zeitrechnung beginnt der Film) verdanken sie ihrer gehörlosen Tochter, mit der sie sich nur per Gebärdensprache verständigen können. Selbst ihre jüngeren Brüder beherrschen sie bzw. sind an diese gewöhnt. Da heute die Kinder heute kaum noch Indianer und Cowboy spielen sowie mehr Lärm als jede Kindergeneration vor ihnen produzieren, ist die Variante, die John Krasinski (Regisseur), der auch den Familienvater spielt, gewählt hat, wohl die einzig glaubwürdige. (Als ich in dem Alter der Jungen war, wäre dies natürlich ganz anders gewesen – mit einem Meter Abstand hätten wir uns an den Ungeheuern vorbeigeschlichen. Vermutlich hätten wir sie piesacken müssen, damit sie uns bemerken.) Be quiet heißt von nun an die Devise, sogar das Flüstern sollte unterbleiben. Be quiet hat den Abbotts einige Zeit verschafft sowie eine Lebensqualität, die ich angesichts der ersten Szenen des Films niemals für möglich gehalten habe, gebracht. Unter normalen Umständen wären sie von vielen beneidet worden. Aber der Film wäre keine Horrorgeschichte, wenn alles so wie vor der Zeitenwende ablaufen würde. Aus dem „quiet Place“ wird ein Ort, wo es bald hoch hergehen soll. Wirklich sehenswert, auch für jene, die mit diesem Genre nichts anzufangen wissen.

Jetzt geht es los, jetzt geht es los“ – es scheint so, als ob die Welt sich danach sehnt, endlich wieder erleben zu dürfen, wie Cruise Missiles einschlagen. Bagdad ist schon lange her, die Erinnerung ist fast verblast. Ob es ein ähnliches Spektakel wie beim Angriff gegen den Irak geben wird, kann niemand sagen. Vielleicht entscheidet sich Trump sogar dafür, gar nichts zu tun. Da ein Artikel der SZ den Eindruck vermittelt, die Militärs der beteiligten Parteien würden darüber verhandeln, welche Ziele angegriffen werden, würde eine Attacke wohl als eines der teuersten Feuerwerke der Welt in die Geschichte eingehen. Besonders leid kann einem die Schweiz tun – die Russen ziehen ihr Kapital ab. Der schweizerische Maschinenbauer Sulzer musste sogar die Aktien seines Mehrheitseigner zurückkaufen, um nicht unter die Sanktionen zu fallen. Und Boeing muss sich einen neuen Lieferer suchen – die Russen wollen kein Titan mehr liefern. Selbst wenn ein Vergeltungsschlag ausbliebe, gingen die Konfrontation ungebremst weiter.

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Kapitalisten enteignen sich selbst – sogar für Marx utopisch

Geschichte wiederholt sich, nur eben anders, wie das Resultat der jüngsten Sanktionen, die Trump gegen diverse Kapitalisten, die sich in Russland Oligarchen nennen, verhängt hat, zeigt – genauso wie 1917, als keiner von jenen, die Lenin ermöglichten, Deutschland in einem Sonderzug zu durchqueren, gedacht hat, es würde ihm gelingen, einen kommunistischen Staat, der sich auf Dauer behauptet, zu etablieren, kann sich mehr als 100 Jahre später kaum jemand vorstellen, dass ein Kapitalist das Ende vieler Kapitalisten, die noch viel reicher als er selbst sind, einleiten könnte. Da lt. diesiger Meinung ein Oligarch nur ein Oligarch sein kann, wenn er sich mit Putin gut versteht, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie das Schicksal Deripaskas, dessen Aluminiumkonzern Rusal nicht mehr seine Schulden bedienen kann, ereilt, recht groß – wenn nichts mehr geht, bleibt Putin wohl nichts anderes übrig, als die Firmen durch den Staat übernehmen zu lasen. Dass sich die Kapitalisten mal selbst enteignen könnten, hätte sich Marx nicht ein seinen kühnsten Träumen vorstellen können. Noch ist es nicht so weit, obwohl Medwedew seine Minister schon angewiesen haben soll, nach Wegen, wie man den betroffenen Unternehmen helfen könne, zu suchen. Jedoch braucht es nicht viel zu, um dahin zu kommen. Wenn sich bspw. Russland entschließen sollte, Macron, der einen Schlag gegen Syrien erwägt, entgegenzutreten, wären mit Sicherheit neue Sanktionen zu erwarten – wenn (vermutlich) alleine die Syrier mit ihrer veralteten Technik es geschafft haben sollen, 5 der 8 Raketen, die die Israelis auf deren wichtigsten Stützpunkt abfeuerten, abzufangen, dürfte die Erfolgsquote der Russen weitaus höher liegen (dann kommt womöglich gar nichts mehr durch). Die Frage ist nur, ob Russland bereit ist, weitere Strafmaßnahmen, die die Kapitalisten bzw. deren Firmen in die Pleite treiben, in Kauf zu nehmen. Putin ist eben nicht Lenin oder Trotzki, die ein solches Szenario als Fügung des Himmels aufgefasst hätten. Beide hätten die Konfrontation regelrecht gesucht. In Russlands Wirtschaftselite, so scheint es mir, ist viel zu neoliberal, um darauf zu kommen, dass bald wieder alles „Volkseigentum“ sein könnte. Am Ende entscheiden wohl die Bürger, wie es weitergeht. Der Beliebtheitsgrad der Oligarchen sich in Grenzen hält, sind dem Staat Grenzen gesetzt – er wird es sich nicht erlauben können, unter allen Umständen den Besitz der Kapitalisten zu schützen. Russlands Elite tut gut daran, sich schon mal mit Volksaktien zu beschäftigen (die gab es schon einmal, aber irgendwie haben windige Leute es geschafft, sich derer zu bemächtigen). So weit ich weiß, kann man weder bei Marx, Engels oder Lenin nachlesen, was jetzt zu tun wäre. Da hilft nur, zu improvisieren. Und irgendwann gibt es dann auch das Handbuch „Volkseigentum effizient gemanagt“.

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Skripal – Ausgang nach Couleur (wer braucht schon Fakten?)

Neue Wendung in der Skripal-Affäre – da wegen der Quarantäne, die über die Wohnung der Skripals verhängt wurde, dessen beiden Meerschweinchen verdursteten sowie dessen Katze wegen psychischer Störungen und Unterernährung eingeschläfert werden musste, hat sich Brigitte Bardot entschlossen, May und Boris zu verklagen. Von den zig Möglichkeiten, die die Skripal-Saga nehmen kann, ist diese im Augenblick meine Lieblingsvariante. Die Ironie an der Geschichte ist, dass die beiden erst beschlossen haben, das Strafmaß für Tierquälerei von 6 Monaten auf 5 Jahre zu erhöhen. Damit nicht genug – wenn man sie nach der Höchststrafe entließe, wäre aufgrund ihrer Abwesenheit das Vereinigte Königreich immer noch in der EU. Mehr Depression geht nun wirklich nicht. Ganz anders würde sich der Fall darstellen, wenn dank Akten, denen zu entnehmen ist, wie das Gift aussieht, das in einem ähnlichen Fall in den 90ern in Russland verwendet wurde, die britischen Wissenschaftler das Gift zweifelsfrei als russisches ausmachen könnten. Dann müsste sich der Kreml schon etwas Originelles einfallen lassen, um die Vorwürfe zu entkräften. Vermutlich entwickelt sich die Causa Skripal zu einem jener raren Fälle, denen wir nicht überdrüssig werden. Selbst deren Genesung (es soll ihnen nun wesentlich besser gehen) kann uns davon abbringen, den Schlagabtausch, den sich das Königreich und Russland liefern, zu verfolgen, denn es geht schließlich um die Glaubwürdigkeit des Westens, deren Regierungen sich nicht erlauben können, als Lügner entlarvt zu werden. Sollten sich nicht nachweisen lassen, dass die Russen verantwortlich sind, würde die EU einen hohen Preis für die Unterstützung der Briten zahlen – das Comeback der rechten Parteien, die, von Italien mal abgesehen, bei den jüngsten Wahlen nicht so viele Stimmen wie erhofft erzielt haben, wäre wohl nicht zu verhindern. Tritt das ein, können die Engländer schon mal auf einen harten Brexit einplanen. Sie wären dann endgültig bei den Europäern durch. Dann können sich May und Boris endlich völlig auf die Probleme ihres Landes konzentrieren, von denen es reichlich viele gibt, wie z. B. Messer-Attacken (diese Kolumne berichtet), die einfach nicht nachlassen wollen – innerhalb von 90 Minuten sollen in London 6 Jugendliche mit Messern („stabbed“) attackiert worden sein. Die Zeit hat sich des Themas auch angenommen – ein Volkswirt und Nachhaltigkeitswissenschaftler meint, alles sei nur eine Frage des Risikos, sprich je höher es ist, desto höher wird die Neigung, die Gefahr zu unterschätzen. Als Beispiel hat er den Straßenverkehr, in dem die Gefahr, geschädigt zu werden, weitaus größer ist, als von jemanden angegriffen und verletzt zu werden, angeführt. Das Problem ist nur, dass es den meisten ziemlich schwerfällt, sich vorzustellen, eine Messerangriff zu erleben. Und dann ist dann noch die Frage, wen es trifft. Im Augenblick scheinen hauptsächlich Jugendliche, die in einem Milieu leben, das jenen aus der Mittelschicht fremd ist, betroffen zu sein. Die müssten schon eine „March for Our Lives“- Bewegung zustande bringen, um gehört zu werden.

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Nun talkt unser Oberbürgermeister auch noch!

Heute ist wieder so ein Tag, an dem man sich wünscht, Halle möge für ein paar Tage die Hauptstadt der Bundesrepublik sein, denn dann würde überall im Land darüber diskutiert werden, wie unser Oberbürgermeister seine eigene Talkshow bekommen kann, was nicht heißt, dass er völlig ungeeignet für den Job ist, da aber unser Oberbürgermeister es während seiner Amtszeit, die nach 6 Jahren im nächsten Jahr zu Ende geht, geschafft hat, rhetorisch nicht sonderlich aufzufallen, weiß niemand so recht, was er verbal so drauf hat. Par ordre du mufti hieß es bisher. Nun deutet sich an, dass er vielleicht auch ganz anders regieren könnte, wenn er denn wollte. Sonderlich neugierig bin ich, ihn zu erleben, bin ich dennoch nicht – unser Oberbürgermeister hat einfach zu viele Alleingänge gemacht, um ihn als jemand, dem man gerne zuhört, erleben zu wollen. 6 Jahre hatte er Zeit, für seine Politik zu werben, indem er den Bürgern erläutert, was er vorzuhaben gedenkt. Statt sich auszutauschen hat er es vorgesehen, seine Pläne durchzusetzen, koste es, was es wolle. Und dann ist da noch die Fairness, womit ich wieder bei der Hauptstadt für wenige Tage wäre – in einer solchen würde es einen riesigen Aufschrei geben, wenn sich jemand anmaßen sollte, auf diese Art und Weise einen Vorteil zu erhalten. Ob sich hier Protest regt, wenn unser Oberbürgermeister Leute, die in der Stadt bekannt sind, zum Gespräch einladen darf, ist höchst zweifelhaft. Vermutlich berichtet noch das örtliche Fernsehen darüber, ja vielleicht übertragen sie dessen Show sogar live. Dass es in diesen rauen Zeit noch Fairness gibt, zeigt im Augenblick ausgerechnet Ibrahimovic, der höchstwahrscheinlich auf die WM verzichten muss, weil er Teilhaber eines Wettbüros geworden ist, was einem Teilnehmer an einer WM lt. den Regeln der Fifa nicht gestattet ist. Ob er das freiwillig gemacht hat oder die Firma verpflichtet ist, darüber Auskunft zu geben, sei dahingestellt. Angesichts der Melkmaschine Fußball, die ihren Fans das Geld aus den Taschen zieht, ist man ja schon froh, dass sich überhaupt noch jemand an die Regeln hält. Da alle um Ibrahimovics Geschäft wissen, besteht an für sich kein Grund mehr, ihn zu sperren – sollte Schweden nicht Weltmeister werden, wird es heißen, er sei von der Wettmafia fürstlich wegen des Ausscheidens belohnt worden.
Mehr Druck geht wirklich nicht. Dankenswerterweise schießt er Tore, die schöner nicht sein können, so dass es nicht schwerfällt, ihm zu verzeihen, wenn er mal ein Spiel verschoben hat.

PS: Wenn andere Städte auch unter dem Eigensinn und der Profilierungssucht ihrer Stadtoberhäupter leiden, wäre es angebracht, mit der Hauptstadt auf Zeit Ernst zu machen. Dann dürfte jede Stadt, in der Not am Mann ist, mal den Titel tragen.

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Soldat, Fast-Bruchpilot, Büste – Strauß in Russland

Bevor Strauß im Schleich-Fernsehen für ein paar Minuten aus dem Himmel hinabsteigt. um seinen Verehrern mitzuteilen, wie schlecht es um sein Bayern im allgemeinen und seine CSU im besonderen bestellt ist, ist jedesmal seine vergoldete Büste zu sehen, aus der dann wie aus dem Nichts der große Vorsitzende zu kommen scheint. Ähnliches wird der Strauß-Büste in Wolgograd nicht widerfahren, die, wenn diese es wirklich am 10. Mai in den Flughafen zu dessen Eröffnung schafft, als absoluter Hochrisiko-Gips, dessen Unterversehrtheit nur unter einer Panzerglasglocke gewährleistet werden kann, gilt (vielleicht sollte man Politiker ebenfalls unter eine ultra-moderne Hochsicherheits-Käseglocke, die ihnen erlaubt, sich ohne Personenschutz in der Öffentlichkeit zu bewegen, stecken) – einige Russen haben nämlich davon Wind bekommen, dass Strauß unweit des Flugplatzes mit seiner Flakeinheit sowjetische Flugzeuge vom Himmel geholt haben soll. Damals hieß die Stadt noch Stalingrad. Am 12. Januar, 11 Tage bevor in Gumrak bzw. einem Notflugplatz der Flugbetrieb eingestellt werden musste, habe man ihn aus dem Kessel ausgeflogen (die deutsche Wiki-Ausgabe ist bzgl. dessen Einsatzes recht nebulös). Colonel Cassad ist jedenfalls schwer empört, Strauß in Wolgograd ein Denkmal, das im Vergleich zu jenen, die an die Schlacht erinnern, winzig ist, zu setzen. Vermutlich werden noch viele ihm folgen. Angesichts des Leids der Bevölkerung während der Schlacht sowie der jetzigen politischen Großwetterlage sollte sich niemand wundern, wenn es zu Protesten kommen sollte, die vom Umfang her jenen, die zu erwarten wären, wenn jemand auf die Idee kommen würde, in Dresden-Klotzsche ein Büste von Bomber-Harris aufzustellen, in nichts nachstünden. Und wie es so ist in solchen Fällen, werden nicht die Leute, die dafür verantwortlich sind, an den Pranger gestellt, sondern unbescholtene Bürger – ein Wahl-Sachse (Doppelnamen wie Schmidt-Gödelitz kennt der Sachse nicht) muss, da er für die Ebert-Stiftung arbeitet sowie einem Verein vorsteht, dessen Namen jener Organisation aus Bavaria ähnelt, daran glauben. (Dass das sprichwörtliche Glück, das dem FC. Bayern nachgesagt wird, auch vor diesem archaischen Stamm nicht halt macht, sollte uns zu denken geben.) Wenn mein Russisch nicht so schlecht wäre (das ist eine beschönigende Beschreibung meines Nichtwissens), hätte ich ihn schon längst auf seinen Fehler hingewiesen. Ich habe mich schon oft gefragt, wie meine Russischkenntnisse jetzt wohl wären, wenn Putin für Glasnost gesorgt hätte. Bestimmt wäre ich dann jetzt fast so gut wie ein Muttersprachler. Wie es aussieht, hat Gorbatschow nicht nur den Sozialismus ruiniert, sondern auch mein hundsmiserables Russisch verbockt. Dabei hatte ich ihn mal so gemocht. Aber das war vor Putin, der es geschafft hat, sich im Westen den Zusatz „der Schreckliche“ zu erarbeiten, so dass niemand mehr konkret zu benennen braucht, was einen an ihm missfällt – der Mann ist per se schlecht. Wenn selbst Leute wie Kaminer in einer Talkshow, die auf einem privaten Sender nachmittags gelaufen ist, sich schwer tun, die Fragen des Gastgebers, was ihm an Putin nicht gefalle, überzeugend zu beantworten, zeigt dies, wie sinnleer das Putin-Bashing geführt wird. Wie würde wohl Strauß, der ebenfalls viel einstecken musste, auf Putin reagieren?

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Ostern war selten spannender (selbst ohne die Russen)

Diesmal ist Ostern so spannend wie seit 1985 Jahren nicht mehr, denn genau am Tag, an dem Jesus aus seinem Grab stieg, soll eine Raumstation, über die wir dank der Politik der Chinesen, nichts preiszugeben, genauso viel wie von der Auferstehung Jesu wissen, auf die Erde stürzen – ohne es anzusprechen deutet der Independent an, dass die Überbleibsel des Schiffs, hochtoxisch, vielleicht auch verstrahlt (Nuklearantrieb?), sein könnten. Vorsichtshalber hat die Zeitung schon mal einen Live-Blog eingerichtet. Da ganz oben zu lesen ist, Wissenschaftler hätten ein neues Organ, das bisher übersehen worden war, entdeckt, habe ich erst gedacht, die Briten wollen ihren Konkurrenten ein Schnippchen schlagen, indem sie vor Osten schon mit den Aprilscherzen anfangen. Als ich den Namen des angeblichen neuen Organs eingetippt habe, hat sich herausgestellt, dass Interstitium nicht nur existiert, sondern auch ein Organ ist, mit dem sich die Menschen, so fürchte ich, schwer tun werden, es als solches zu betrachten, was nicht nur mit dessen später Entdeckung (seit Jahrhunderten ist ja nichts mehr hinzugekommen), sondern auch am Namen liegt – niemand mag etwas, was zwischen den Räumen liegt. Obwohl wir gewöhnlich, von Leuten wie den Rauchern, die keine Rücksicht auf ihre Lunge zu nehmen pflegen, mal abgesehen, auf unsere Organe achten, werden wir uns mit dem Interstitium, das praktisch überall im Körper zu finden ist, schwer tun. Lt. Wissenschaftlern soll es sich um eine offene Autobahn, die mit Flüssigkeit gefühlt ist, handeln. Für was es gut ist, kann heute noch niemand sagen. Aber nicht nur wegen des Raumschiffs sowie des mysteriösen Zwischenraums, den man nicht mit dem Mikroskop erkennen kann, gehören die Tage um Ostern zu aufregendsten seit langem – dank des Eifers der hiesigen Polizei wird der eine oder andere, dem es bisher egal war, ob man ihn in Spanien als Deutschen erkennt, sich nun überlegen, wie er sich tarnen könnte. Leider ist es für ein Spanischkurs an den Volkshochschulen schon zu spät. Vielleicht tun es auch nur ein paar Brocken Spanisch oder Katalanisch. Während der eine oder andere Spanien-Dauerurlauber sich ängstigt, ist die hiesige Justiz oben auf, bietet das Verfahren ihr doch die Chance, mit einem Urteil, das alle wegen seiner Ausgewogenheit loben, ihr Ansehen zu stärken. Wann blickt die Welt schon einmal auf ein Gerichtsurteil aus Deutschland? Vermutlich hängt von dieser Entscheidung die politische Entwicklung Spaniens ab. Ein Nein zur Auslieferung würde die konservative Regierung zwingen, Kompromisse zu machen, ja unter Umständen könnte dies zum Sturz Rajoys führen. Vielleicht kämen die Leute, die man bereits in Spanien inhaftiert hat, dann wieder frei. Angesichts der Bedeutung der Entscheidung ist nicht auszuschließen, dass Puigdemont sich hat freiwillig festnehmen lassen. Er kann mit einem Male alles gewinnen, während die Regierung alles verlieren kann. Selbst bei einer Auslieferung wäre nicht alles für ihn verloren. Wie gesagt, Ostern war selten so spannend.

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Bald Filetstücke in Berlin (Mitte) zu kaufen?

„Berlin (Mitte) – Grundstücke mit 185 Meter x 35 Meter sowie 125 Meter x 240 Meter zu verkaufen. Prachtbauten sind nicht denkmalgeschützt, jedoch ist beim Abriss zu beachten, dass in Berlin Häuser zur Zeit nicht höher als 135 Meter sein dürfen. Das kann sich ändern, wenn die Kommunisten nach den nächsten Wahlen aus dem Senat fliegen sollten. Ihre Angebote richten Sie bitte an die“ – jetzt müsste eigentlich Botschaft der Russischen Föderation, Unter den Linden 63-65, 10117 Berlin, kommen, aber die Furcht, unser Heimatminister könnte aus der Annonce schließen, ich sei ein russischer Diplomat, hat mich davon abgehalten, auf meiner Webseite zu inserieren, denn nach London sollen sich auch Berlin, Paris, Prag, Tallinn etc. entschlossen haben, Russen, die Immunität genießen, abzuschieben. Und da ich nicht weiß, ob ich in Sibirien, wohin man mich bestimmt schicken würde, als unverheirateter vom Programm Putins, das Leuten Land verspricht, wenn sie in diese Gegend ziehen, profitiere, halte ich es für besser, auf Nummer sicher zu gehen. Angesichts der angespannten Situation können eben nun Dinge, die vor kurzem noch unmöglich waren, geschehen. Ob die leidgeprüften Russen vom hiesigen Immobilienboom profitieren können, hängt davon ab, wie viele ihrer Leute Berlin verlassen müssen – Marzahn wird wohl erst ein Thema sein, wenn nur noch wenige bleiben dürfen (lt. eines Artikels in der Zeit soll es dort sehr schön sein). (Nach der hohen Niederlage gegen Brasilien droht die WM für Russland zu einer Pleite zu werden. Putin muss es geahnt haben, denn sonst hätte er nicht im kalten russischen Winter wählen lassen.) Wir sind also in einer Zeit, die so rau zu werden scheint, dass der Kalte Krieg allmählich seinen Schrecken verliert, ja im Rückblick der Eindruck entsteht, damals wurden die Probleme sachlicher und ruhiger angegangen. Im Gegensatz zu den Jahren vor 1990 kämpft heute jeder gegen jeden, wenn auch, jedenfalls gilt das für Europa, nicht als Nation gegen eine andere, was ja immerhin schon mal ein Fortschritt ist (das ist wohl auch der alten Zeit geschuldet). Vielleicht bleibt der EU sogar das Vereinigte Königreich erhalten, denn wenn sich bestätigen sollte, dass Cambridge Analytica nicht nur Trump dank Daten, die die Firma nicht hätte nutzen dürfen, geholfen, sondern auch Ukips Austrittskampagne unterstützt hat, könnte ein Gericht, natürlich nur, wenn jemand klagt, zu dem Urteil kommen, dass die Abstimmung über den Brexit rechtswidrig gewesen sei. Der Ausgang des Kampfes der Blöcke (USA und China können von der Größe her locker mit der EU mithalten, mit Russland sieht es etwas anders aus) ist völlig offen. Verstärken die BRICS-Staaten ihre Zusammenarbeit, werden die USA und Europa die Verlierer des Handelskrieges sein. China muss, so wie hierzulande geunkt, vielleicht seine Produkte, die den Verbrauchern in den USA wegen Trumps Zollgebühren zu teuer werden könnten, diese gar nicht nach Europa exportieren – es kann auch in die oben aufgeführten Staaten liefern. Dank Trump könnte dieses Bündnis stärker werden, als es Washington und Berlin lieb ist. Dann tritt das ein, wovon Ulbricht immer geträumt hat – „Überholen, ohne einzuholen“.

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Die heiklen Fragen werden Sarkozy erspart bleiben

Sarkozy nimmt, Merkel gibt, und wenn es an Putin etwas zu kritisieren gibt, dann ist es der Umstand, dass er sich von unserer Kanzlerin bestechen lässt, denn nach dessen Aussage schickt er das Bier, das sie ihm von Zeit zu Zeit zukommen lässt, nicht zurück (auch wenn es aus dem Osten kommt, wird diese Kolumne den Namen der Marke mit ins Grab nehmen, so wie es Kohl getan, der ebenfalls nicht verraten hat, wer seiner Partei gespendet hat). Da Putin angeblich schon der reichste Russe (der Welt) sein soll, kommt es auf die paar Kästen Bier pro Jahr auch nicht mehr. Angesichts der Angewohnheit neugewählter Präsidenten, nach dem Erklimmen der Stufen zum Elysee-Palast zu meinen, sie müssten wie die Könige, die ihre Vorfahren so verachteten, leben, hätte sich sicherlich keiner um die Summen, die Sarkozy (einen anhänglicheren Staatsmann wird Merkel in den ihr verbleibenden vier Jahren nicht mehr finden) angenommen haben soll, gekümmert, wenn das Geld nicht von Gaddafi stammen würde. Die Ironie an der Geschichte ist, dass genau zu selben Zeit – 7 Jahre nachdem Sarkozy den Clan aus dem Land bomben ließ – sich einer seiner Söhne anschickt, auf legalem Weg Präsident des Landes zu wählen. Die Frage, die die viele am meisten interessiert, nämlich ob er sich bewusst war, mit den Luftangriffen auf die nach Bengasi vorrückenden Truppen Gaddafis auch auch das gute, alte Europa zu zerstören, wird das Gericht ihm sicherlich nicht stellen. (Da Sarkozy nicht auf den Kopf gefallen ist, würde er sagen, dass wenn man ihn wieder gewählt hätte, er Italien geholfen hätte, ja unter ihm eine Flüchtlingskrise gar nicht erst aufgekommen wäre.) Würde mit Gaddafi alles so wie früher werden? Mit ihm Europa schon in der Sahara verteidigt werden? Abgesehen davon, dass es völlig ungewiss ist, ob er gewählt. Und wenn dem so sein sollte, stellt sich die Frage, ob dieses geteilte Land, in dem 7 Jahre Chaos gereicht haben, um kulturell 2 Jahrhunderte zurückzufallen (Stichwort Sklavenhandel) überhaupt zentral regiert werden kann. Damit der Theorie nicht genug – was spricht eigentlich dagegen, die Leute, die raus wollen, daran zu hindern? Sind derer vieler, kommt es nach Marx zu einer Revolution, die meistens Fortschritt bedeutet. (Wäre Frankreich von reichen Ländern umgeben gewesen, hätte es die Französische Revolution womöglich gar nicht gegeben.) Mit anderen Worten – je mehr Menschen ihre Heimat verlassen, desto geringer die Chancen, dass sich irgendetwas in ihrem Land verändern wird.

PS: Da der Europäische Gerichtshof Gaddafis Auslieferung verlangt, kann davon ausgegangen werden, dass im Falle dessen Wahlsiegs die EU sich einer Zusammenarbeit verweigern wird.

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